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Anne Driessen hofft auf den Fortbestand der Bibliothek.

Verein Lesezeichen in Frankfurt

Bücherei als Treffpunkt

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Der Verein Lesezeichen in Frankfurt setzt sich für den Erhalt der Stadtteilbibliothek in Bockenheim ein. Die neue Trägerschaft der Einrichtung in der Kurfürstenstraße ist noch unklar.

„Das Bedürfnis nach physischen Medien ist rückläufig“, sagt Anne Driessen. Doch wer jetzt glaubt, das hieße, Bibliotheken seien vom Aussterben bedroht, der irrt. Im Gegenteil: Vielleicht ist es einfach an der Zeit, das Konzept neu zu denken. Die Geschäftsführerin des Vorstands von Lesezeichen e.V. muss es wissen. Denn für den Verein betreut sie seit fast 15 Jahren die Bibliothek Bockenheim. Manchmal über 20 Stunden die Woche. Immer ehrenamtlich.

Nun geht es um die zukünftige Trägerschaft der Bibliothek in der Kurfürstenstraße. Im städtischen Haushaltsentwurf 2018 steht, die Bibliothek solle in eine „reguläre Stadtteilbibliothek überführt“ und „an einem neuen Standort eröffnet werden“. Was dort nicht steht: was das genau heißt. Auf Anfrage der FR äußerte sich eine Sprecherin nicht zum Stand der Verhandlungen zwischen dem Bildungsdezernat, dem Liegenschaftsamt und der Stadtbücherei. Es arbeite aber an einer „Zukunftsperspektive für den Standort“.

Der Hintergrund: 2003 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, vier Stadtteilbibliotheken zu schließen. Darunter fiel auch Bockenheim. Es war die direkte Nachbarschaft, die daraufhin den Verein ins Leben rief. „Das ursprüngliche Ziel war einfach der Erhalt“, sagt Driessen. „Wir wollten einen Fuß in der Tür haben“. Heute zählt der Verein über 60 Mitglieder, fünf davon engagieren sich derzeit im Bibliotheksbetrieb. Und die Nachfrage bleibt stabil. Rund 55 000 Besucher kommen jährlich.

Kooperationsvertrag mit Stadt gekündigt

Doch spätestens 2016 manifestierte sich, dass der Bibliotheksbetrieb mit überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeitenden nicht zu stemmen war. Zu viel Arbeit steckte im Sortieren, Kennzeichnen, Zurückstellen und Ausleihen. Zu wenig Vereinsnachwuchs, um den Betrieb dauerhaft am Laufen zu halten. „Wir werden ja auch nicht jünger“, so Driessen.

Dennoch hält der Verein an seinem Ziel fest: „Wir wollen vor allem, dass es weitergeht.“ Deswegen hat der Verein bereits zum Anfang dieses Jahres den Kooperationsvertrag mit der Stadt gekündigt und sich damit von seinen Verpflichtungen – wie etwa die Öffnungszeiten zu garantieren – entbunden. Die Kündigung sollte die Stadt in die Trägerschaft zurückbringen. „Was wir hier noch machen, das wollen wir freiwillig tun“, erklärt Driessen. „Nicht, weil wir es müssen“. Seither stellt die Stadt mehr Personal für die Ausleihe und garantiert so die Öffnungszeiten.

Gern will der Verein weiterhin die pädagogischen und kulturellen Aufgaben übernehmen. Lesungen am Abend für die Erwachsenen, an Vormittagen kommen Kita-Gruppen. „Ein Umzug würde den Verein wiederbeleben“, sagt Driessen. „Denn wir hoffen auch, dass wir mehr Platz kriegen“. Auf 200 Quadratmetern Fläche werden derzeit etwa 13 000 Medien angeboten. Einige der Regale haben Rollen, damit sie bei Bedarf zur Seite geschoben werden können. Für die vielen neuen Ideen braucht es also vor allem eins: mehr Platz.

„Immer mehr Bibliotheken bieten zum Beispiel ihre Räume als Arbeitsplätze an“, so Driessen. Außerdem träumt sie von einem Café. Die vielen Besucher, die sich im Eingang oft regelrecht auf die Füße treten, könnten die Einrichtung als Treffpunkt nutzen. Die Eltern quatschen, während die Kinder lesen.

Eine Bibliothek als Treffpunkt, Lesewerkstatt und Arbeitsplatz. Enzyklopädien, Sachbücher, Lernhilfen, Musik-CDs. Ja, das sind Medien, die das Internet bald gänzlich ersetzen könnte. Allein: Da gibt es ja auch noch Kochbücher und Krimis, Fantasy-Romane und Gesundheitsratgeber. Und die leiht die Kundschaft der ehemaligen Stadtteilbibliothek nach wie vor gern aus. Auch in physischer Form.

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