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Bei einer stadtweiten Polizeikontrolle im Juni 2019 waren die Beamten auch in der Grempstraße in Frankfurt-Bockenheim unterwegs.

Bockenheim

Protest gegen Shisha-Bar

  • vonMatthias Bittner
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Anwohner der Grempstraße sind genervt: Die Gäste der Shisha-Bar Chillam sind ihnen zu laut. Oft ist bis 3 Uhr nachts Rambazamba. Ortsbeirat und Polizei sind informiert, der Betreiber schweigt.

Für die Nachbarn der Shisha-Bar Chillam in der Grempstraße 32 wird die Nacht immer öfter zum Tag. Sie können nicht schlafen, weil Gäste vor der Bar stehen, sich lautstark unterhalten oder telefonieren und es sich auf den Stühlen im Sommergarten gemütlich machen.

„Oft ist bis nachts um 2 oder 3 Uhr Rambazamba. Das ist Terror. Mein Kind kann nicht durchschlafen“, sagte eine aufgebrachte Nachbarin in der Bürgerfragestunde eingangs der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) am Montagabend.

Viele Gäste der Bar kämen auch mit aufgemotzten Fahrzeugen und machten einen Höllenlärm, berichtete die Anwohnerin weiter. Schon x-Mal habe sie bei der Polizei wegen nächtlicher Ruhestörung angerufen. „Man wird dann an die Stadtpolizei verwiesen und von dort wieder zurück.“

Offenbar könnten die Uniformierten oft nicht viel ausrichten. „Sind sie weg, dann geht es weiter“, bedauert die Anwohnerin. Manchmal kämen die Ordnungshüter auch zu spät und die Situation habe sich schon beruhigt. „Die Polizei tut uns schon leid, dass wir so oft anrufen.“

Edgar Ramelow, Leiter des 13. Reviers in der Bockenheiemr Schloßstraße, bestätigt, dass Beschwerden über nächtliche Ruhestörung vorlägen. Mehrfach schon sei eine Streife deshalb dort vorbeigefahren. Biege das Polizeiauto um die Ecke, löse sich die Menschenansammlungen schnell auf. Auch die Musik werde leiser gedreht.

Ramelow:  „Vollstes Verständnis für Nachbarn“

Der Chillam-Betreiber, der zudem die Os Lounge in der Grempstraße 9 betreibt, sei noch relativ neu. Er habe offenbar noch nicht begriffen, dass es noch andere Interessen gebe. „Ich habe jedenfalls vollstes Verständnis für die Nachbarn“, verspricht Ramelow Unterstützung.

Günter Heilmann (Grüne) riet den Betroffenen, ein Lärmprotokoll zu führen. Sie sollten genau notieren, an welchen Tagen nach 22 Uhr – dann darf in den Sommergärten nicht mehr ausgeschenkt werden – es zu laut war und dies zur Anzeige zu bringen. Dem Betreiber drohten bei Verstößen saftige Strafen, sagte er.

Ein Sitzungsgast, der ein ähnliches Problem mit einem Lokal in der Konrad-Broßwitz-Straße hat, empfahl, das Ordnungsamt zu kontaktieren. Man sei sehr entgegenkommend gewesen. „Mir wurde angeboten, nach 22 Uhr Schallmessungen in meiner Wohnung vorzunehmen.“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Völker betonte, dass Shisha-Bars ihre Berechtigung hätten, sie aber selbstverständlich Ruhezeiten einzuhalten hätten. Er setzte auf Einsicht und den Dialog mit dem Chillam-Betreiber.

„Wir dürfen das nicht als Lappalie abtun“, entgegnete Grünen-Sprecher Thomas Gutmann und plädierte für härteres Durchgreifen. An einem Gespräch sollten auch Vertreter der Polizei und des Ortsbeirates teilnehmen – schließlich wolle man im Stadtteil halbwegs vernünftig miteinander leben.

Große Hoffnung, dass das etwas bringt, wollte eine andere Nachbarin nicht machen und berichtete von einem persönlichen Gespräch mit dem Bar-Betreiber. „Er hat mir erklärt, dass er nichts für seine Gäste kann und bot mir als Entschuldigung ein Getränk an.“ Geändert habe sich an der Situation aber nichts. Für eine Stellungsnahme war der Gastronom selbst am gestrigen Dienstag nicht zu erreichen.

Ein Großteil der Lärmbelästigung in der Grempstraße wird nach Angaben von Maria-Christian Nimmerfroh (FDP) von Autofahrern verursacht, die nachts gezielt die Grempstraße ansteuern. Dort gibt es einen Shisha-Automaten, der mit Tabak für Wasserpfeife gefüllt ist. Der Service stehe 24 Stunden zur Verfügung. „Ich weiß nicht, ob es so eine gute Idee ist, einen solchen Automaten in einem Mischgebiet zu genehmigen“, wandte Nimmerfroh ein.

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