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Vor sechs Jahren hat Teo Ferrer de Mesquita die Buchhandlung an seine Mitarbeiterin Petra Noack abgegeben. 

Frankfurt-Bockenheim

Bockenheim: Literatur, Musik, Lebensgefühl

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Seit 40 Jahren ist die portugiesischsprachige Buchhandlung TFM – Centro do Livro e do Disco de Língua Portuguesa erfolgreich in der Nische.

Paul Gaugin hat einen atemberaubenden Lebensbruch vorzuweisen. Vom wohlhabenden Börsenmakler und Freizeitmaler wandelte er sich zum verarmten Künstler, wurde einer der Meister des französischen Impressionismus. Ganz so spektakulär ist das Lebenswerk von Teo Ferrer de Mesquita nicht. Der Portugiese hat aber immerhin die wichtigste Buchhandlung für portugiesischsprachige Literatur in Deutschland gegründet. Nach Studium der Elektrotechnik und Karriere als Ingenieur.

Dieser Tage feiert der Laden – wegen Corona vorerst still und leise – 40. Geburtstag. Das hätte Teo Ferrer de Mesquita auch nicht erwartet. An sich ist er 1963 nach Deutschland gekommen, um dem Militär zu entgehen; und dem Krieg mit den portugiesischen Kolonien in Afrika.

Portugal leidet zu der Zeit noch unter dem Joch der Diktatur. In Deutschland knüpft der junge Exilant schon bald Kontakte in die Kunst- und Kulturszene, besucht die Buchmesse, lernt portugiesische Verleger kennen.

Mit der Nelkenrevolution 1974 wandelt sich die Welt – auch für Ferrer de Mesquita. Portugals Kolonien werden unabhängig. Es ist ein Einschnitt im Land auf der iberischen Halbinsel. Menschen denken darüber nach, was sie im Leben bislang gemacht haben und ob sie etwas ändern wollen. De Mesquita begleitet den Frankfurter Dokumentarfilmer Malte Rauch als Dolmetscher in den Süden. Der dabei entstandene Film Viva Portugal rückt das Land endgültig in die öffentliche Aufmerksamkeit.

Mit der neuen Pressefreiheit erscheinen auch immer mehr Bücher und Teo Ferrer wagt den Schritt: 1980 gründet er sein Zentrum für Literatur und Musik aus dem lusophonen Sprachraum, seine Buchhandlung. 1982 folgt der Verlag, der die Initialen des Gründers trägt, TFM.

Das Sortiment beinhaltet Bücher aus Brasilien, Portugal, Angola, Mosambik, Kap Verde, Guinea-Bissau, São Tomé und Príncipe und Macau. Schwerpunkte sind Belletristik, Kinderbücher und Lehrwerke zum Spracherwerb. Auch ein umfangreiches Angebot deutschsprachiger Übersetzungen ist zu entdecken. Früher gab es Schallplatten, heute CDs von Samba, Bossa Nova bis zu Fado und Jazz. Filme und Hörbücher im portugiesischen Original sind ebenso vorhanden wie portugiesische Weine. Die dazu gehörenden Weinproben sind fast schon legendär.

„Die Geselligkeit fehlt uns“, sagt Petra Noack und seufzt. Seit sechs Jahren führt die langjährige Mitarbeiterin die Buchhandlung. Der Gründer hat sich nach Portugal in den Ruhestand verabschiedet. Wobei, Ruhestand trifft es nicht ganz. Aktiv ist er, besorgt schwierig zu besorgende Bücher, organisiert Konzerte.

250 Millionen Menschen auf der Welt sprechen portugiesisch. Und doch besetzt der Laden in Frankfurt nur eine kleine Nische. 2015 reicht das immerhin für den Buchhandlungspreis „hervorragende Buchhandlung“. 80 Prozent des Geschäfts gehen über den Versand. Wer doch persönlich vorbeischaut, besucht eine der vielen Lesungen, plant eine Reise, geht beruflich nach Brasilien. Oder will sich einfach fortbilden. Seit geraumer Zeit trifft sich dort ein Literaturkreis.

Dass es Petra Noack überhaupt nach Frankfurt verschlägt, ist purer Zufall. Eigentlich studiert sie in Leipzig – Romanistik, mit dem Schwerpunkt Französisch. Sie braucht eine zweite Sprache, wählt Portugiesisch, weil Spanisch überlaufen ist und Italienisch nicht weit verbreitet. Gegen Ende des Studiums, 1998, absolviert sie ein Praktikum in Frankfurt. Bei TFM. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Nach dem Abschluss kehrt sie zurück, besucht an der Goethe-Uni das Fortbildungsprogramm Buch- und Medienpraxis. Nebenbei jobbt sie wieder in der Buchhandlung und bleibt schließlich fest dort. Seither gilt sie bei ihren ehemaligen Professoren in Leipzig als positives Beispiel. Eine Romanistin, die tatsächlich eine Arbeit gefunden hat, die sehr viel mit dem Studium zu tun hat.

TFM– portugiesische Bücher und Musik, Große Seestraße 47, geöffnet Mo.-Fr. von 9-14 und 15.30-18.30 Uhr, Sa. 9-14; Telefon 069 / 282 647, E-Mail: info@tfmonline.de; www.tfmonline.de

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