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Sybille Nolte und Norbert Rojan.  

Wirtschaft

Bockenheim: Hessenshop erfolgreich mit Haddekuche

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Aus dem Geschäft in Frankfurt  ist ein florierendes Einzelhandelsunternehmen geworden, mit vier Filialen und einem Webshop. Dieses Jahr feiern die Betreiber zehnjähriges Bestehen.

Hier war Goethe, steht in großen Lettern auf der Fußmatte. Und ganz klein darunter: nie. Da hat er was verpasst, der Dichterfürst. Im Hessenshop an der Leipziger Straße in Frankfurt gibt es viel zu entdecken. Den lustigen Fußabtreter. Oder Gref Völsings’ Rindswurst in der Dose. Oder Kissen, Kerzen, Wandbilder mit Skyline, Spielzeug, Nippes, interessante Kleinigkeiten. Oder schauen Sie einfach selber nach.

Der Hessenshop feiert in diesem Jahr sein Zehnjähriges. Vier Filialen gibt es inzwischen, in Bockenheim, an der Berger, in Sachsenhausen, in der Kleinmarkthalle. Natürlich den Online-Shop, dazu noch Auslagen bei Hugendubel-Buchhandlungen. Kurzum: Der Hessenshop liegt so gar nicht im Trend des Einzelhandels, er bangt nicht, er boomt. Floriert online wie analog.

Die Eigentümer, die Eheleute Sybille Nolte und Norbert Rojan (beide 54), wundert das nicht. „Wir haben von Anfang an daran geglaubt“, sagt Rojan. Das hat schon begonnen, wie sie nach Frankfurt eingeplackt sind, äh, zugezogen. Dabei wäre das fast schief gegangen, zumindest bei Sybille Nolte. Die Norddeutsche hat lange in Hamburg gelebt. Hessen kannte sie nur aus dem Blauen Bock, den ihre Großeltern so gerne im Fernsehen angeschaut hatten.

Im September 2010 eröffneten die Betreiber ihr erstes Geschäft an der Leipziger.  

Dann reist sie mit 24 Jahren erstmals im Zug nach Frankfurt, Freunde besuchen. Und wer sitzt im Abteil und quasselt unaufhörlich? Der Blaue Bock persönlich, Heinz Schenk. „Ich war entsetzt“, erinnert sich Nolte. Vor der Sprache hat sie regelrecht Angst. Die Reise wird dennoch zu einem gelungenem Erlebnis. „Hamburg ist schön, aber Frankfurt ist kommunikativer“, sagt sie. Als weltoffen habe sie die Stadt am Main erlebt, der Einfluss der Amerikaner sei deutlich zu spüren gewesen.

Vor allem die Apfelweinkultur empfindet sie als „exotisch“, im positiven Sinn. In der Schenke finden sich alle an einem Tisch zusammen, arme und reiche Menschen, junge und alte, schicke und etwas eingeschlafene. „In Hamburg war das nicht üblich, sich einfach dazu zu setzen“, sagt sie. „Machen sie das mal im Biergarten in München“, wirft Norbert Rojan ein und lacht. „Da werden sie mit sehr großen Augen angeschaut.“

Zwei Jahre hat Rojan in der bayrischen Metropole gelebt, Frankfurt gefällt dem gebürtigen Saarländer besser. „Ich habe im Buchbereich gearbeitet.“ Da war Frankfurt für ihn stets Sehnsuchtsort, Stadt der Verlage und der Buchmesse.

Shops

Das Stammhaus, der erste Hessenshop, ist in Bockenheim, an der Leipziger Straße 49, Telefon 91 31 81 49, geöffnet Mo.-Fr. 10-19 Uhr, Sa. 10-18 Uhr.

Shop Sachsenhausen, Diesterwegstraße 22, Telefon: 96 23 31 10, geöffnet Mo.-Fr. 10-19 Uhr, Sa. 10-16 Uhr.

Kleinmarkthalle, Hasengasse 5 (Ausgang Liebfrauenberg), Telefon 21 93 79 50, geöffnet Mo.-Fr. 10-18 Uhr, Sa. 10-16 Uhr.

Bornheim, Berger Straße 148, Telefon 48 00 53 55, geöffnet Mo.-Fr. 10-19 Uhr, Sa. 10-18 Uhr. sky

www.hessen-shop.de

Für ihr Geschäft ist es ohnehin gut gewesen, dass sie die Stadt wie Touristen wahrgenommen haben, „entscheidend“ gar, glaubt Rojan. „Wir haben einen anderen Blick.“ Besonderheiten seien ihnen als solche aufgefallen, Gebräuche haben sie als liebenswert erkannt. Erstmals wird ihnen das 2007 klar, als sie im eigenem Verlag, B3, ein Buch über Frankfurter Spezialitäten veröffentlichen. „Da war alles versammelt, was man an Frankfurter Lebensmitteln kennen muss“, sagt Nolte: Apfelwein, Bethmännchen, Grüne Soße, Haddekuche.

Bei der Präsentation schlagen Rojan und Nolte launig vor, die Käufer sollten das Buch doch mit einem passenden Fresskorb voller Spezialitäten verschenken. „Das haben viele Leute missverstanden“, sagt Nolte und lacht. Haben geglaubt, dass es Fresskorb mit dem Buch zusammen zu bestellen gibt. Gab es natürlich nicht, peinlich. Doch als die Anfragen sich häuften, dachten die Verlagsleute irgendwann: Warum eigentlich nicht? Man könnte doch mal...

„Vieles gab es ja schon“, sagt Nolte, nur nicht zusammen, an einer Stelle zu bestellen. Das Paar hat darum begonnen, mit dem Onlineshop des Verlags zu experimentieren, das Sortiment zu erweitern, etwa Tassen zu den Büchern hinzuzunehmen. „Wir haben das Thema Regionalität nicht erfunden“, sagt Nolte. Der Trend hat in der Luft gelegen. „Ohne heimattümelnd zu sein“, sagt Nolte, einfach „Identifikation bieten, Ankerpunkte. Weil es doch immer globaler wird.“

Den ersten richtigen Hessenshop hat das Paar zusammen mit der Frankfurter Rundschau entwickelt, als Fortführung des FR-Shops, der sich eher an die Leserinnen und Leser der Zeitung richtete. Der Hessenshop stand dagegen allen offen, seit 2010 auch als analoges Geschäft, an der Leipziger. „Morgens beim Brötchenkauf habe ich gesehen, da ist ein Ladenlokal frei“, erinnert sich Rojan. Gleich zugegriffen hätten sie, beziehungsweise, erst mühevoll den Vermieter vom Konzept überzeugen müssen.

Anfangs waren die Regale noch luftig gestellt. Heute drängen sich die Sachen in den Geschäften, die von 14 Mitarbeitern betreut werden. „Es gibt viel mehr Produkte“, sagt Nolte. Ganz unschuldig sind die beiden daran nicht. Schließlich hat der Hessenshop den regionalen Produzenten eine neue Möglichkeit zur Vermarktung ihrer Waren eröffnet. Nolte und Rojan haben auch eigene Ideen umgesetzt, in Manufakturen herstellen lassen.

Oft packen sie selbst in den Läden mit an, beim Verkauf. Die direkte Rückmeldung der Kundschaft ist ihnen wichtig. Stammkunden schauen immer wieder mal rein, um Neuigkeiten zu finden. Mancher nutze den Shop fast als ein Heimatmuseum, bringt Besuch mit, um regionale Bräuche vorzustellen, sagt Nolte.

Zum Geburtstag planen die Besitzer ein Fest. Die Details stehen noch aus, sicher ist aber: Alle Besucher dürfen sich dazu setzen. Und Haddekuche gibt es bestimmt auch.

Von George Grodensky

Ein Urgestein der Kleinmarkthalle hat ein Jubiläum: Ilse Schreiber feiert 80. Geburtstag. Die legendäre Metzgersfrau arbeitet seit Jahrzehnten in der Frankfurter Kleinmarkthalle und zieht Menschen aus aller Welt an. Ans Aufhören denkt sie noch nicht.

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