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Mit Pastellkreide hat Christmann die Fotos nachgemalt.

Bockenheim

Bockenheim: Gemälde nach Fotos der Frankfurter Rundschau

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Hobby-Künstlerin Gitta Christmann hat eine Ausstellung mit Tieren aus der Zeitung originalgetreu nachgemalt. Die Werke sind noch bis zum 11. November zu sehen.

Jeden Morgen, wenn Gitta Christmann mit der U-Bahn zur Arbeit fährt, blättert sie die Frankfurter Rundschau durch – und das seit Jahrzehnten. Was zuletzt daraus entstanden ist, kann sich sehen lassen. An ihrem Arbeitsplatz, in einem Bockenheimer Seniorenpflegeheim, in der Friesengasse, hat die 65-jährige Kunsttherapeutin ihre Werke aufgehängt.

Im langen Flur und im Speisesaal des Gebäudes sind sie zu sehen: Ein Feldhamster, der an Hagebutten nagt, zwei Schwäne auf dem Main, ein Waschbär und ein Wattvogel oder zwei Papageien: Insgesamt elf Tierfotos, die in der Rundschau in den letzten Jahren abgedruckt worden sind, hat Christmann zur Vorlage genommen und die Aufnahmen mit Pastellkreide originalgetreu nachgemalt. Meist mit einem Schwämmchen oder mit den Fingern hat sie gearbeitet und Bilder im Format 50 mal 60 Zentimeter gefertigt. „Fotos, die mich spontan angesprochen haben, habe ich ausgewählt“, sagt die Hobby-Künstlerin, die in dem Pflegeheim in der „Beschäftigungstherapie“ mit den Bewohnern tätig ist.

Dass es letztlich alles Tieraufnahmen geworden seien, die meist auf einen ernsten Hintergrund des Berichts hinweisen, sei Zufall gewesen. In einer Mappe hat die studierte Pädagogin und Kunsterzieherin alle ausgeschnittenen Artikel gesammelt. Unter den Pix-Ara-Papageien steht etwa die Überschrift: „Die Letzten ihrer Art“. Auch der süße Feldhamster ist laut FR-Angaben bedroht. Ein Foto, das Fische zeigt, führt zu einem Text über Plastikmüll in den Meeren.

Maltechniken mit der Pastellkreide gezeigt

Mit den Bewohnern des Pflegeheims, die sie durch die Ausstellung geführt habe, hätte sie die Hintergründe zu den Fotos besprochen und ihnen die Maltechniken mit der Pastellkreide gezeigt, berichtet Christmann.

Wie sie auf die Idee gekommen ist, die Fotos als Vorlage zu nutzen? Sie schneide öfter Artikel aus der Zeitung aus, die sie interessant finde und nicht gleich lesen könne. „Ich schneide auch für andere Leute aus“, sagt die gebürtige Ladenburgerin, die zum Studium nach Frankfurt gezogen ist. Für die Familie oder für die Bewohner des Senioren-Pflegeheims hebe sie die Artikel auf. Während der „offenen Werkstatt“, bei der die Teilnehmer häufig mit Handarbeit beschäftigt seien, strickten oder bastelten, lese Christmann ihnen Artikel vor oder lasse Musik laufen. „Mucksmäuschenstill“, sei es beim Vorlesen, berichtet Bewohnerin Helma Schosser. Die 93-Jährige findet Christmanns Gemälde „abwechslungsreich und farblich abgestimmt“.

Weil die Kunsttherapeutin in wenigen Wochen pensioniert wird, wollte sie den Bewohnern eine letzte Ausstellung schenken. In den vergangenen Jahrzehnten, in denen sie für den Frankfurter Verband, Träger des Pflegeheims, arbeitet, habe sie mehrere Kunstausstellungen initiiert. Um die letzte, trotz Vollzeitstelle, rechtzeitig fertig zu bekommen, hat die Sachsenhäuserin schon am frühen Morgen, noch bevor sie mit der Rundschau unter dem Arm in die U-Bahn gestiegen ist, eine halbe Stunde gemalt und am Abend nocheinmal.

Die Ausstellung ist bis zum 11. November im Pflegeheim Bockenheim, Friesengasse 7, zu sehen – montags bis sonntags.

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