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Bildungsdezernentin Sylvia Weber, Stadtbüchereileiterin Sabine Homilius und Leiterin vor Ort Nele Wächter führen über die Baustelle.

Bockenheim

In Bockenheim entsteht eine Traumbücherei mit Lesegarten

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Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) führt über die Baustelle der künftigen Stadtteilbücherei. Die Einrichtung vergrößert sich von 200 auf 600 Quadratmeter.

Corona ist nur flüchtiges Thema. Beim Rundgang durch die künftige Bockenheimer Stadtteilbibliothek droht eine andere Gefahr. „Fallen Sie nicht in das Loch“, empfiehlt eine städtische Mitarbeiterin, bevor sie vorsorglich eine schwere Kiste auf die Öffnung im Boden stellt. Wenn es nur immer so einfach wäre. Das hat sich bestimmt Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) gedacht, als sie in zähen Verhandlungen im Magistrat die konservative Kollegen zum Ausbau der Bockenheimer Kultureinrichtung drängen musste. Schwere Kiste drauf und fertig.

Weber hat es schließlich eleganter gelöst, über öffentlichen Druck, der Magistrat hat sich geeinigt, den Umzug bewilligt. „Es ist das erste Mal seit 2007, dass wir eine Stadtteilbibliothek vergrößern“, sagt Weber nun, als sie am Dienstag ein Grüppchen Kulturfreunde aus Stadtteil und Ortsbeirat auf der Baustelle begrüßt.

Die Bockenheimer Bücherei zieht vom Hinterhaus der Kurfürstenstraße 18 in die Räume der alten Schreinerei dahinter. Bis vor kurzem logierte da noch die Gesellschaft für Jugendbeschäftigung, die ist inzwischen im Gallus zu finden, was den Platz für die Bücher frei macht. Von 200 Quadratmetern (150 davon für Bücher und Publikum) vergrößert sich die Bibliothek damit auf 600 Quadratmeter. Davon 340 öffentliche Bücherei plus 100 Quadratmeter Lesegarten.

Etwa 150 000 Euro kostet der Umbau, das Geld ist lange schon im Haushalt eingeplant. Die Kaltmiete steigt von 1900 Euro auf 5100 Euro. Im Mai schließt die Einrichtung für drei bis vier Wochen und zieht um. Eine Eröffnungsfeier ist für Herbst geplant.

Die neue Stadtteilbibliothek Bockenheim bietet Platz, Platz und nochmal Platz.  

Ein bisschen Phantasie sollen die Besucher der Baustelle mitbringen, empfiehlt Nele Wächter, Leiterin der Stadtteilbibliothek. Versuchen wir’s. Durch die Tür treten wir ins großzügige Foyer, es duftet nach Kaffee. Der Förderverein Lesezeichen bereitet auf Spendenbasis Getränke zu. Frohgemut schreiten wir zur Verleihtheke, niemand zischt ein vorwurfsvolles „Pscht“ in unsere Richtung, wie das in der vormaligen Enge manchmal der Fall war.

Zur Linken liegt der neue Veranstaltungsraum für Lesungen oder Sprachkurse. So einen Bereich hat es bislang nicht gegeben. Es stehen auch Arbeitsplätze zur Verfügung, durch einen Raumteiler lässt sich ein Gruppenarbeitszimmer gewinnen. Wer im Foyer nach rechts abbiegt, gelangt in den Zauberwald hinter der roten Säule, die Abteilung für Kinder und Jugendliche. Hier beginnen die Regale mit den rund 17 000 Medien – Bücher, CDs, DVDs, Zeitschriften, Brettspiele.

Eine mystischer Tunnel führt zu den Romanen für die Erwachsenen, daran schließen sich die Sachbücher an. Über den Laubengang geht es in die Lernwerkstatt mit 13 Fleißplätzen. Überall gibt es WLAN, von allen Räumen führt ein Pfad in den Garten. An diesem Punkt reißt Wächter die Besucher wieder raus aus der Traumreise.

„Der Garten benötigt noch Liebe“, sagt sie. Arg bedrängt blickt das Grün hinter Grau hervor, an den Mauern droht gar Stacheldraht. Für Samstag, 16. Mai, lädt die Bibliothek die Nachbarn zur Gestaltungsoffensive. Sie sollen helfen, kreativ den Hof zu verschönern.

Zwei volle Stellen kümmern sich um die Einrichtung, plus eine Kraft aus dem Freiwilligen Sozialen Jahr. Der Förderverein wird sich nicht ganz zurückziehen. Von 2004 bis 2017 hat er mit der Stadt zusammen den Betrieb aufrecht erhalten. Sonst wäre die Bibliothek längst geschlossen. Den ehrenamtlichen Kräften ist zuletzt die Puste ausgegangen. Zu groß ist die Aufgabe.

40 000 Besucher nutzen die Bibliothek im Jahr. Tendenz steigend. Der Förderverein wird sich auf Leseförderung konzentrieren und die eine oder andere Veranstaltung stemmen. Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) bietet spontan Hilfe an. „Wenn noch was fehlt“, soll sich der Förderverein an den Ortsbeirat wenden.

Eine hilfreiche Hand hat auch die Vermieterin lange ausgestreckt. Groß sagen möchte sie nichts, im Mittelpunkt stehen behagt ihr nicht. Aber es ist ihr wichtig gewesen, dass die Bibliothek innerhalb des Hauses umziehen und sich vergrößern kann. Geduldig hat sie alle politischen Ränke und Zänke abgewartet.

In die alten Räume der Bibliothek zieht nun die Agentur für haushaltsnahe Dienstleistungen. Die gehört zur Gemeinnützigen Frankfurter Frauen-Beschäftigungsgesellschaft. Die Agentur beschäftigt und qualifiziert erwerbslose Frauen.

Bockenheim Bibliothek, Kurfürstenstraße 18, Tel. 77 01 29 87, geöffnet Di. 13-19 Uhr, Mi. und Fr. 14-18 Uhr. Förderverein: www.lese-zeichen-bockenheim.de

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