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Am Bockenheimer Campus werden jetzt wieder Bücher verkauft.
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Am Bockenheimer Campus werden jetzt wieder Bücher verkauft.

Bockenheim

Bockenheim: Bücherflohmarkt nach Brand wieder geöffnet

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Der Bockenheimer Bücherflohmarkt ist keine zwei Wochen nach dem Brand bereits wieder geöffnet. Um seine Bücher zu schützen, sucht der Betreiber nun einen Lagerraum.

Nein, sagt der hagere Mann im verwaschenen Polohemd, ans Aufgeben habe er noch nie gedacht, auch jetzt nicht, nach dem verheerenden Feuer. „Ich kann doch nicht wegen irgendwelcher Idioten aufhören“, sagt der 61-Jährige, den alle hier nur Paul nennen. „Wir müssen weitermachen. Die Leute freuen sich ja auch, wenn es hier günstige Bücher gibt.“ Außerdem sei es ja nun schon das zweite Mal, dass Teile seiner Bücher gebrannt hätten. Paul zuckt mit den Schultern und sortiert weiter alte Bücher in eine Bananenkiste. „Das sind wir ja schon fast gewöhnt.“

Neun Tage ist es her, dass es abends auf dem Campus Bockenheim gebrannt hat. Tausende Bücher, die in großen Stapeln neben der ehemaligen Mensa „Labsaal“ aufgeschichtet waren, fingen am Samstagabend um kurz vor 21 Uhr Feuer. Die Polizei schätzt den entstandenen Sachschaden auf 15 000 Euro und hat Ermittlungen aufgenommen, weil der Brand offenbar gezielt gelegt wurde.

Viele Bücher gerettet

Die Bücher gehörten zum Bücherflohmarkt, den Paul seit mehr als 30 Jahren am Rand des Campus betreibt – an der Bockenheimer Landstraße vor dem „Kfz-Referat“ des Frankfurter Asta. Fünf Tage in der Woche verkauft Paul hier auf großen Tischen ab 9 Uhr gebrauchte Bücher, die meisten für einen oder zwei Euro. Auch nach dem Feuer hat er weitergemacht wie bisher. Im März war schon einmal ein mit Planen vor der Witterung geschützter, großer Bücherstapel verbrannt, auch dieses Feuer dürfte auf eine Brandstiftung zurückgehen.

Für Paul und seine Bekannten, die ihm mit dem Flohmarkt helfen, bedeutet das zweite Feuer neben dem Sachschaden vor allem viel Arbeit. Sie müssen den Brandschutt entsorgen, der sich immer noch übel riechend auf dem Campus türmt. Teilweise sei der verkohlte Müll schon in Säcke verpackt, berichtet Paul, aber es sei noch nicht klar, wo er hinkomme. Wenn Bücher verbrannt seien, dürfe man sie nicht mehr als Papiermüll entsorgen.

Stärker treibt Paul, der sich selbst „Bücherretter“ nennt, weil seine Ware oft aus Haushaltsauflösungen stammt, aber etwas anderes um: Er sucht ein Lager, um seine Bücher sicher aufbewahren zu können. „Wenn ich einen Lagerraum hätte, wäre der Schaden weitaus geringer“, sagt er. Früher habe er einen günstigen Raum in Berkersheim gehabt, aber der neue Besitzer habe ihm vor etwa zwei Jahren gekündigt. Wenn er im Umkreis von etwa zehn Kilometern einen neuen Standort fände, wäre sein größtes Problem gelöst, sagt Paul. Dann bräuchte er sich auch nicht mehr vor Bränden zu fürchten. „Die Mieten sind halt so teuer – aber vielleicht findet sich mal irgendwann etwas.“

Wenn der Bücherflohmarkt wieder einen Lagerraum hätte, könnte er auch leichter die Bücherspenden annehmen, die jetzt nach dem Brand wieder verstärkt eintreffen. Im Internet kursieren schon Aufrufe, alte Bücher oder Geld zu spenden, um Paul den Schaden zumindest zum Teil zu ersetzen. Er freue sich über die Hilfe, sagt der 61-Jährige, aber allzu viele Bücher könne er gerade gar nicht gebrauchen. Er müsse jetzt erst einmal sein „Lagerproblem“ lösen. Und dann muss er sich auch schon wieder um seine Kundschaft kümmern. Ein Mann, der sich sein Baby vor den Bauch geschnallt hat, möchte zwei dicke, alte Schinken haben. Das macht zwei Euro.

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