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Der Bayer Otto Ziegelmeier fühlt sich schon lange heimisch in Bockenheim.  

Bockenheim

Bockenheim als Buch

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Drei Herausgeber veröffentlichen neue und alte Geschichten aus dem Stadtteil. Laien wie Profis steuern Anekdoten bei.

Ein bislang unaufklärter Mord zu Nazi-Zeiten in der Adalbertstraße 21, Ausschreitungen während Adorno-Lesungen im Buchladen Hus und ein unermüdlicher Einsatz für Geflüchtete heute – Bockenheim ist immer mittendrin im Zeitgeschehen. Um all den kuriosen, dramatischen und rührenden Geschichten aus dem Stadtteil Raum zu geben, haben Otto Ziegelmeier, Norbert Saßmannshausen und Richard Grübling den Sammelband „Spurensuche in Bockenheim“veröffentlicht.

Zusammengetragen haben diese Geschichten die Bewohner des Viertels selbst. Lektoriert haben die drei Herausgeber, alle selbst Bockenheimer und Buchautoren. Insgesamt 40 Geschichten aus Vergangenheit und Gegenwart versammelt das Buch. Seit ein paar Tagen wird es in verschiedenen Bockenheimer Buch- und Traditionsgeschäften verkauft.

2015 veröffentlichte Ziegelmeier gemeinsam mit Verleger Gerd Fischer vom Mainbook Verlag das erste Buch mit Geschichten aus Bockenheim. „Wir hatten damals so unglaublich viel positive Resonanz, dass wir noch ein Buch machen wollten“, berichtet Ziegelmeier. Das Buch sei damals auf den Ladentischen, etwa in der Buchhandlung Libretto, der Renner gewesen. Auch hätten sich immer mehr Laienautoren gemeldet, die ebenfalls ihre Zeitzeugenberichte aus dem Stadtteil veröffentlichen wollten.

„Wir wollten die Leute und ihren Geschichten ebenfalls zu Wort kommen lassen“, begründet Ziegelmeier die Entscheidung für das neue Buch. Selbst jetzt habe er noch Kapitel für ein weiteres Werk in petto.

Das Viertel fasziniert

Er selbst kam vor fast dreißig Jahren aus München nach Frankfurt, direkt nach Bockenheim. Der Stadtteil fasziniert den gebürtigen Bayer bis heute. „Es ist definitiv das vielseitigste Viertel Frankfurts“, behauptet er, außerdem sei es ständig in Bewegung. Als er ankam, sei ihm aufgefallen, dass sich die Nachbarn im Stadtteil immer beklagten, dass es zu wenig Attraktionen und Nahkaufgeschäfte gäbe. Für den Neuankömmling Ziegelmeier war das eine unverständliche Kritik. Um Freunden und Nachbarn zu zeigen, wie viel in Bockenheim los ist, gründete er damals die Webseite sowie den Mailverteiler Bockenheim Aktiv. Beide geben seither einen Überblick über Gewerbe, Vereine und Veranstaltungen in Bockenheim.

„Ich wollte einfach, dass die Leute aufhören zu jammern und sehen, wie lebendig das Viertel ist“, sagt der hauptberufliche Autor und Korrektor. Das sei auch die Intention der Bockenheim-Bücher.

Auch seine Mitherausgeber sind geradezu Chronisten des Stadtteils – Norbert Saßmannshausen veröffentlichte so auch vor kurzem eine Chronik über den Häuserkampf der 1970er Jahre in Bockenheim und im Westend. Bilder aus seinem Werk werden momentan im Stattcafé ausgestellt.

Lesungen aus dem neuen Buch gibt es in den nächsten Monaten an verschiedenen Orten, als nächstes am 21. November in der griechischen Taverne Omikron, Schlossstraße 94.

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