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Bockenheim: Auf der Suche nach dem Geist der Gemeinschaft

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Von: George Grodensky

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Lea Rosenbusch, Katja Männle und Moritz Benecke vom Verein Begegnen in Bockenheim erklären ihre Stadtteil-Rallye.
Lea Rosenbusch, Katja Männle und Moritz Benecke vom Verein Begegnen in Bockenheim erklären ihre Stadtteil-Rallye. © Renate Hoyer

Der Verein Begegnen in Bockenheim bietet eine Stadtteilralley zu Vereinen und Institutionen. Das soll die Gemeinschaft und die eigene Entdeckerlust wieder beleben.

Die Stadtteilrallye beginnt gut. Der Reporter kommt über den Westbahnhof nach Bockenheim, auf dem Weg ins Zentrum stößt er auf ein Haus an der Werrastraße. Dort prangt ein riesiges Bild von Eintracht-Legende Charly Körbel, wie er den Europapokal-Triumph 1980 feiert. Schön. Der Verein Begegnen in Bockenheim hat die Rallye schließlich auch aufgelegt, damit Menschen den Stadtteil Bockenheim wieder mehr kennen lernen.

Die erste Station ist dann der Kurfürstenplatz. Na gut, der Verein sagt zwar, die erste Station sei im Stadtteilbüro in der Leipziger Straße. Dort erhalten Teilnehmende das Rätsel-Logbuch und aufmunternde Worte zum Start. Aber man kann sich das Logbuch auch selber ausdrucken. Und der Kurfürstenplatz liegt gerade praktisch auf dem Weg. Außerdem gibt es dort ein Rätsel zu lösen.

Und noch einmal außerdem liegt auf dem Kurfürstenplatz der Grund, warum der Verein Begegnen in Bockenheim überhaupt die Rallye aufgelegt hat. Einmal im Jahr feiern die Bockenheimerinnen und Bockenheimer dort ein großes Stadtteilfest. Wegen Corona fällt das aber ständig aus. Darum hat der Festausschuss beschlossen, eine andere Möglichkeit zu finden, wie sich die Vereine des Stadtteils präsentieren können – in der Rallye.

Zurück zur Aufgabe. Es gilt herauszufinden, wie hoch der Obelisk in der Mitte des Platzes ist. Der Reporter zieht die Stirn kraus. Der mitgebrachte Zollstock hilft nicht weiter. Das Ding ist super hoch, aber wie hoch genau? Und warum zum Kuckuck gibt es eigentlich in der ganzen Grünanlage keine Info-Plakette zu dem Brunnen samt Obelisken? Da ist krauses Zeug zu sehen. Gehörnte Fratzen, nackige Buben, wasserspeiende Fische, ein Zentaur.

Um ein ganz besonderes Wesen geht es auch dem Verein Begegnen in Bockenheim. Er vermisst den Geist des Stadtteils, den möchte er mit der Rallye wieder beleben. Nun gut, am Kurfürstenplatz gibt es einen grauen Verteilerkasten, da ist ein Geist aufgemalt. Ob das der gesuchte ist?

Rallye

Dreh und Angelpunkt ist das Stadtteilbüro Bockenheim, Leipziger Straße 91. Dort finden sich Rätsellogbuch und das Fahrrad mit der Stempel-Kassette.

Teilnahme ist möglich bis 28. Februar, die Rätsel sind an Fenstern und Schaukästen zu finden, richten sich also nicht nach Öffnungszeiten. Benötigt werden Logbuch, Stift, Kreativmittel und Smartphone. Je nach Einsatzwille dauert die Tour zwei bis drei Stunden plus Extrakreativzeit. sky

www.begegneninbockenheim.org

„Es handelt sich nicht um ein Wesen, das im Bettlaken umher schleicht“, stellt dagegen Katja Männle von Begegnen in Bockenheim klar. Der Geist lebe von der Gemeinschaft, vom aktiven Gestalten der Menschen, dem Getümmel, ihren Gesprächen und von ihrem Lachen. All das hat Corona in den vergangenen Monaten etwas verdrängt. Da soll die Rallye helfen. Auch dabei, den eigenen Geist im Kopf anzustrengen.

Die ersten Rätsel und Aufgaben sind einfach. Beim Obelisken hilft der Blick ins Internet, bei der Station Stadtbücherei nehmen die Organisatoren die Schatzsuchenden bei der Hand und erklären, wie es geht. „Wir wollen ja niemanden gleich am Anfang entmutigen“, sagt Männle. Wer Rätsel oder Aufgaben gelöst hat, kehrt zum Stadtteilbüro zurück. Dort steht ein Fahrrad mit angeschlossener, geheimnisvoller Kassette. Für die hängt am Rad ein separater Schlüsseltresor. In der Kassette sind die Stempel für die einzelnen Stationen. Wer einen Punkt abgehakt hat, stempelt sich das entsprechende Feld im Rallye-Logbuch. Wer schummeln möchte, kann auch auf einen Streich alles stempeln. Aber dann kann er auch gleich zu Hause bleiben und fernsehen, bei dem Wetter.

Ja, kalt ist es schon, gibt auch Männle zu. Aber in den wärmeren Monaten braucht es keine Rallye, da haben die Menschen mehr Möglichkeiten, etwas zu unternehmen, dann gehen die Inzidenzen womöglich wieder zurück. Jetzt, im kalten Ingrimm von Winter und Omikron, kommt der Schubser an die frische Luft und zu neuem Input gerade recht.

So lernt man, dass bei Radio X sich sehr viele Menschen engagieren (wie viele, wird natürlich hier nicht verraten), dass es einen ganz erstaunlichen geheimen Garten im Bockenheimer Ortskern gibt und dass es auch im fortgeschrittenen Alter Spaß machen kann, wie ein Grundschulkind etwas zu malen. Zur Rallye gehören auch Kreativ-Aufgaben.

Auf die freuen sich die Vereinsmitglieder besonders. „Wir wollen wissen, was die Lieblingsorte der Menschen sind“, sagt Moritz Beneke, der Creative-Director des Vereins, wie Männle scherzt. Der Autor des Rätsellogbuchs, wie er selber als Funktionsbezeichnung bevorzugt.

Für die einzelnen Stempel hat er sich was Besonderes ausgedacht. Sie bilden kleine Geister der Orte ab, sogenannte Genius Loci. Dazu hat er zusammen mit einem Designer Fotocollagen aus Bockenheim erstellt, die die Atmosphäre der jeweiligen Orte repräsentieren sollen. Das ist recht subjektiv, das ist ihm klar. Umso gespannter sei er darauf, was die Bockenheimerinnen und Bockenheimer selbst für Orte auswählen und welche Atmosphäre sie dort wahrnehmen.

Sein persönlicher Lieblingsort sei die Leipziger Straße. Er ist pünktlich zur Pandemie nach Frankfurt gezogen, etwas hilflos tappt er durch den Lockdown, bummelt die Leipziger auf und ab, will gerne Teil von Frankfurt sein, weiß aber nicht, wo anfangen. Wie froh er gewesen ist, kann er kaum beschreiben, als er eines Tages die paar Gesichter, die er kannte, zufällig auf der Leipziger trifft. Spontan geht die Gruppe einen Freiluftkaffee zusammen trinken. Auch so eine Art Schatzsuche in einer Stadt, in der sich die Genius Loci über Zu- und Wegzüge und Baustellen alle naslang ändern.

Den Kurfürstenplatz ziert ein großer Obelisk, nur wie groß ist das Ding? Das ist die Frage.
Den Kurfürstenplatz ziert ein großer Obelisk, nur wie groß ist das Ding? Das ist die Frage. © Renate Hoyer

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