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Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) wartet gespannt auf die Pläne für den U-Bahn-Halt am Uni-Campus Westend.

Bockenheim

„Umbau der Bockenheimer bringt mehr Verkehr“

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) blickt mit der FR auf das Jahr 2020 zurück. Im Interview spricht er über anstehende Verkehrsprojekte im Frankfurter Westen, über die Herausforderungen des Neubaugebiets am Römerhof und über soziales Engagement, wie der Ada-Kantine.

Axel Kaufmann (CDU) ist seit 2009 Vorsteher des Ortsbeirats 2, der für die Stadtteile Bockenheim, Kuhwald, und das Westend zuständig ist. Der 47-Jährige gebürtige Bremer wohnt im Westend und arbeitet als Banker bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Herr Kaufmann, während andere Ortsbeiräte im Lockdown kaum Kontakt zu Bürgern hatten, hat Ihr Gremium Online-Meetings eingeführt. Höhepunkt war, dass gleich zwei Dezernenten live zum Publikum über Schulbauten in Bockenheim sprachen. Hätten Sie Sitzungen mit Abstimmungen komplett ins Internet verlegt, wenn es die Gemeindeordnung zuließe?

Ich hätte die Kolleginnen und Kollegen im Ortsbeirat 2 gefragt und abstimmen lassen, ob sie solche Sitzungen mittragen. Ich persönlich hätte für Online-Sitzungen mit Abstimmungen votiert.

Trotz Corona war das Interesse an den Präsenzveranstaltungen groß. Im September beschwerten sich Bürger, dass sie keinen Platz im Hörsaal auf dem Uni-Campus fanden. Hat der Ortsbeirat die Nachfrage unterschätzt?

Ja, das war an dem Abend leider der Fall. Wir hatten schon vorher eine Sitzung in diesem Hörsaal im Westend, bei der alle interessierten Bürgerinnen und Bürger ausreichend Platz gefunden hatten. Bei der Auswahl des Sitzungsortes sind neben der Anzahl der Plätze auch die Lage im Ortsbezirk und die Kosten der Anmietung zu berücksichtigen. Jetzt haben wir zu vertretbaren Kosten einen größeren Hörsaal auf dem Campus Bockenheim gefunden, der jedesmal ausreichend Platz geboten hat.

Anfang des Jahres präsentierte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling Varianten für den Lückenschluss der U4. Die Uni wünscht sich einen Halt auf dem Campus. Dafür müsste die Bahn unter dem Grüneburgpark durch. Bürgerinitiativen haben andere Ideen. Wie geht es weiter?

Im Ortsbeirat warten wir jetzt vor allem auf das vom Magistrat beauftragte Umweltgutachten und dessen Aussagen zur Umweltverträglichkeit einer Trassenführung unter den Park durch. Sobald das vorliegt, werden wir es gerne der Öffentlichkeit vorstellen und diskutieren. Ich bin davon überzeugt, dass keine relevante politische Kraft im Römer und kein Magistratsmitglied einer Linienführung unter dem Park zustimmt, wenn dies eine Gefahr für den Baum- und Pflanzenbestand darstellt.

Ortsbeirat

Die nächste Ortsbeiratssitzung ist voraussichtlich am Montag, 18. Januar 2021, um 19 Uhr, auf dem Universitäts-campus Bockenheim, Gräfstraße 50-54, Hörsaaltrakt, Hörsaal HV 3, 3. Obergeschoss. Aktuelle Infos unter https://frankfurt.de/. 

Die CDU ist mit fünf Sitzen stärkste Kraft im Gremium, SPD und Grüne haben vier, FDP und Linke zwei Mandate. Piraten und BFF haben einen Sitz. 

Ein weiteres Verkehrsthema war der fahrradfreundliche Umbau der Bockenheimer Landstraße. Für breitere Radwege sollen eine Fahrbahn und Abbiegespuren wegfallen. Ortsbeiräte befürchten mehr Verkehr und Staus. Befürworten Sie das Konzept dennoch?

Persönlich hätte ich es gut gefunden, wenn die Vorschläge der IHK Frankfurt zu Fahrradstraßen im südlichen Westend stärker berücksichtigt worden wären. Ich befürchte, dass wir mit dem Umbau der Bockenheimer Landstraße mehr Verkehr in den Seitenstraßen und durch die Wohngebiete sehen werden. Aber es ist richtig, dass sich Frankfurt auf den Weg macht, eine fahrradfreundlichere Verkehrspolitik zu machen. Deshalb kann ich mit dem Umbau der Bockenheimer Landstraße leben.

Das Feldbahnmuseum soll erhalten bleiben, wenn am Römerhof ein Wohngebiet entsteht. Es gibt aber Befürchtungen, dass es zu Konflikten mit den Nachbarn wegen Lärm und Gestank kommt. War die Entscheidung richtig?

Ja, war sie. Ein Umzug des Feldbahnmuseums war nicht zu finanzieren. Und letztlich wissen die Leute, die dort künftig eine anliegende Wohnung kaufen oder mieten, dass sie das Feldbahnmuseum zum Nachbarn haben. Es soll auch entsprechende Schallschutzmaßnahmen geben.

Das Neubaugebiet am Römerhof liegt abseits, wie wollen Sie dafür sorgen, dass es ein lebendiges Viertel wird?

Das ist eine große Herausforderung für jedes Neubaugebiet. Als Planungsdezernent Mike Josef die Pläne für das Areal im Ortsbeirat vorgestellt hat, nannte er als Vorbild eine Mischung von Wohnen, Gewerbe und Kultur wie im Nordend. Das ist sehr ambitioniert. Der Ortsbeirat unterstützt die Stadt sehr gerne dabei. Ein Ansatzpunkt könnte die Gründung eines Stadtteilbüros wie in Bockenheim sein, das den Bewohnerinnen und Bewohnern hilft, sich zu vernetzen und Angebote im Quartier zu entwickeln.

Um attraktiven Wohnraum geht es auf dem Grundstück der ehemalige Akademie der Arbeit. Der Ortsbeirat setzt sich dafür ein, den Erbbauzins zu senken, damit dort das gewünschte gemeinschaftliche Wohnen entstehen kann. Glauben Sie, dass sich da noch etwas ändert?

Ja. Man darf nicht nur auf die Höhe des Erbbauzinses schauen, sondern muss auch die Entwicklung des Bodenwerts im Blick behalten. Wenn der stark steigt wie zuletzt in Frankfurt, dann muss ich den Erbbauzins absenken, wenn ich Wohneigentum für den Mittelstand und genossenschaftliches Wohnen fördern möchte. Am Ende sollte sich der Erbbauzins daran orientieren, dass die effektive monatliche Belastung aus der Erbpacht idealerweise 2 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche nicht übersteigt.

Sehen Sie eine Chance, dass in dem Gebäude an der Mertonstraße das Projekt AdA-Kantine des Vereins Zukunft Bockenheim, das Essen an Bedürftige verteilt, dauerhaft Fuß fassen kann?

Die AdA-Kantine leistet eine hervorragende Arbeit, die viel Anerkennung erfährt. Der Ortsbeirat wird das Projekt weiter unterstützen. Vielleicht haben ja auch FR-Leser:innen die Möglichkeit, dem Projekt mit einer Weihnachtsspende auf www.ada-kantine.org zu helfen. Ob die AdA-Kantine in der ehemaligen Akademie der Arbeit bleibt oder an einen anderen Ort in Bockenheim zieht, muss sich zeigen. Die Projektgruppe AdAptiv, die im Konzeptvergabeverfahren den Zuschlag erhalten hat, soll jetzt auch frei sein, ihr Projekt in dem Gebäude so zu realisieren, wie es die Gruppe plant.

Interview: Boris Schlepper

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