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Helferinnen und Helfer nehmen die riesige Zahl an Sachspenden an und teilen sie in Kartons auf. 

Bockenheim

Pfennigbazar in Bockenheim

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Rund 150 Ehrenamtliche helfen beim letzten Sammeltermin für den Pfennigbazar.

Unter einem Haufen Kinderklamotten taucht plötzlich ein Staubsaugerbeutel auf. Der hat da nichts zu suchen, bringt aber diejenigen Frauen zum Lachen, die an einem Holztisch dreckige und kaputte Kleidungsstücke aussortieren. Jedoch nur für einen kurzen Moment, denn es ist viel los an diesem Dienstagvormittag auf dem Gelände der Spedition Fermont an der Rödelheimer Landstraße. Der letzte Tag der Spendenannahme für den Pfennigbazar bedeutet hier: Autoschlangen, sich stapelnde Kartons – und 150 umherwuselnde Helferinnen und Helfer, bei über 30 Grad.

Eine von ihnen heißt Charlotte Hederich. Schon seit 2004, dem ersten Jahr des Second-Hand-Marktes, ist sie dabei. Und denkt überhaupt nicht daran, mit ihrem Ehrenamt aufzuhören: „So lange es einem gut geht, kann man sich einbringen.“ Ihr gefällt der gemeinnützige Zweck des Pfennigbazars: Der überwiegende Teil der Verkaufserlöse fließt an die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), die damit von der Nervenkrankheit Betroffene in Hessen unterstützt. Aber auch das Hospitz im Katharinenkrankenhaus profitiere von der Benefizaktion, sagt Hederich.

Kein Fleck oder Loch? Die Kleidung wird genau geprüft.

Hederich passt gut in das Bild einer typischen Helferin: Weiblich, schon etwas älter – und mit Herzblut dabei: „Wenn es ein tolles Kleidungsstück ist, nehmen wir es mir nach Hause und waschen es.“ Sind die Flecken danach alle weg, kann es doch noch verkauft werden. Der Markt steigt in diesem Jahr am dritten und vierten September, im Dominikanerkloster am Börneplatz.

Brigitte und Dieter Krämer aus Nied fahren mit ihren Fahrrädern vor, um zu spenden. „Wir haben heute nicht viel“, sagt sie, und deutet auf den Karton im Gepäckträger. Darin befindet sich ein ostfriesisches Teeservice, „so ein bisschen rustikal“. Ein schönes Mitbringsel aus dem Urlaub, der schon einige Jahre zurückliegt. Das einzige Problem: Bis heute haben sind aus den Krämers keine Teetrinker geworden. Oder wie er es formuliert: „Es steht halt nur im Schrank herum, dass muss nicht sein!“

Andere liefern Spenden in weitaus größeren Dimensionen an. Cornelia und Ralph Miller haben gerade sechs Kisten voll mit Kleidung, Haushaltsgegenständen und Deko abgegeben. Jetzt müssen sie schnell weiterfahren, damit es in der Autoschlange voran geht. „Wir sammeln das ganz Jahr über“, sagt sie. Auch Freundinnen und Freunde würden bei ihnen Sachen abgeben. Vor zehn Jahren war Cornelia Miller zum ersten Mal auf dem Speditionsgelände. Sie sagt, dass damals nur zehn Helferinnen zugegen waren.

Auch Schuhe werden verpackt.

Jetzt sind es fünfzehn Mal so viele. Organisiert sind sie in Abteilungen wie „Boutique“ und „Nippes“, also Kunsthandwerk, wo Brigitte Schif-Thomé gerade einen Karton von einer Kollegin gereicht bekommt. Hinein packt sie ein Schreibset mit zwei Tintenfässern, aus dunklem Marmor. Sie sagt: „Unsere Abteilung ist die mit den schweren Sachen.“

Immer wieder landen hier auch besonders wertvolle Gegenstände. Dann übernimmt Lieselotte Bagnoli die Regie. Sie hat gute Kontakte zu Auktionshäusern und Antiquitätenhändlern, die anscchließend den Verkauf zugunsten der DMSG übernehmen. Laut Bagnoli hätten so in den letzten Jahren ein Kronleuchter und ein Jugendstil-Tafelaufsatz 2000 Euro eingebracht – jeweils einzeln, wohlgemerkt.

Als um zwölf Uhr mittags die Schranke zum Speditionsgelände schließt, stehen noch immer viele unsortierten Kartons und Tüten herum. „Es wurde definitiv mehr gespendet als in den Jahren zuvor“, sagt Christine Groh. Eilig fährt ein Logistiker mit einem großen Extracontainer vor, in den die Helferinnen und Helfer alles packen, was noch nicht sortiert ist. Nachgeholt wird das entweder im September während des Pfennigbazars, erklärt sie. Oder im nächsten Jahr.

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