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Diese ehemaligen Schülerinnen wurden 1947 eingeschult - nun nahmen sie Abschied.

Hauptschule

Frankfurt-Bockenheim: Sophienschule schließt nach 135 Jahren

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Viele Ehemalige sind zum letzten Tag der Sophienschule gekommen. Die Hauptschule wird in eine IGS umgewandelt, was viele Lehrer, Schüler und Bockenheimer traurig macht.

Zum Abschied gab es Kuchen, Pizza, Würstchen, Bier und Sekt. Nach 135 Jahren ging gestern ein Kapitel Frankfurter Schulgeschichte zu Ende: Zum letzten Mal wurde das Gebäude der Sophienschule an der Falkstraße als Hauptschule genutzt. Die Politik will es so. Ab dem neuen Schuljahr soll das Gebäude für drei Jahre zur Übergangsheimat für die neue „IGS im Frankfurter Norden“ werden, langfristig zu einer Grundschule.

Heute wird die Schule offiziell aufgehoben, wie es im Amtsdeutsch heißt, mit einem Festakt im Palmengarten. Doch bereits gestern nahmen Schüler, Lehrer, Eltern und Gäste Abschied.

Sie taten das zum Beispiel auf dem Schulhof. Dort gab es neben Essen und Getränken auch ein Kinderkarussell oder Infowände zum „Café Mayday“, einer – bei der Gründung 1994 ziemlich innovativen – Einrichtung der Schulsozialarbeit, die nach 25 Jahren ebenfalls schließen muss.

Das betrauerten neben aktuellen Schülern auch ehemalige. Zum Beispiel Teile des Abschlussjahrgangs 1946, die sich an einem Tisch eingefunden hatten und über alte Zeiten sinnierten.

Oder drei Damen, die Anfang der 70er Jahre die Sophienschule verlassen hatten. Sie bewegten sich durch das Schulgebäude, „auf der Suche nach alten Fotos“, wie eine von ihnen sagte. Sie alle sind 62 Jahre alt, wohnen zwar nicht mehr in Bockenheim, sind aber noch befreundet. „Heute wollen wir Abschied nehmen“, sagen sie einstimmig.

Kinder konnten sich auf einem Karussell austoben.

Abschied nimmt auch Schulleiter Martin Ostmann. Er tut es mit Wehmut und Ernüchterung. Sauer ist er nicht, die Entscheidung der Politik, Hauptschulen zu schließen, die sei eben so gefallen. Was ihn ärgert: „Wir sind ja schon lange keine klassische Hauptschule mehr.“ Man sei viel mehr eine inklusiv arbeitende Schule. An der könne man die gleichen Abschlüsse wie an einer Gesamtschule machen; nicht wenige Schüler hätten in der Vergangenheit den mittleren Bildungsabschluss nach der zehnten Klasse erreicht. „Eine Umwidmung wurde nie genehmigt“, sagt der Schulleiter.

Zuletzt haben rund 100 Schüler dort gelernt, seit vier Jahren wurden keinen neuen mehr aufgenommen. Zwölf Lehrer kümmerten sich um sie, deren Zukunft weitestgehend geklärt ist. Manche gehen in den Ruhestand, andere haben eine andere Anstellung gefunden. Martin Ostmann selbst ist seit einem Jahr bereits Konrektor an der IGS Eschersheim, das macht er weiter.

Drei seiner neuen Kolleginnen waren zum Abschied gestern da. An die Sophienschule wird er noch oft denken. An das „große System, das wir außerhalb des Unterrichts aufgebaut haben“, wie er sagt. An Lerncoaches, Bewerbungstraining, Ranzencheck. Auch an das Jogginghosenverbot, das an der Schule galt. Oder an die Fotos, die zeigen, wer früher auch mal diese Schule besucht hat: Aymen Barkok und Manni Binz, später Profis bei Eintracht Frankfurt.

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