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Esel Rosalie und Schafe durften an Heiligabend nicht fehlen. 

Bockenheim

Bockenheim: Erst Klimagerechtigkeit, dann Krippenspiel

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Beim Weihnachtsgottesdienst am Kirchplatz werden auch politische Botschaften verbreitet.

Am Nachmittag von Heiligabend auf dem Kirchplatz: Der junge Kameramann scheint alles mitzufilmen. Sei es der politische Prolog oder das launisch inszenierte Krippenspiel. Bei dem schon traditionellen Weihnachtsgottesdienst unter freiem Himmel vor der Sankt-Jakobs-Kirche der Evangelischen Gemeinde wird die Bühne von Konfirmanden und „Krippenspielkindern“ für ihre politischen und christlichen Botschaften genutzt. Zu den Akteuren zählt auch der Jugendliche mit der großen Kamera auf der Schulter und der Sonnenbrille auf der Nase, der Teil der Inszenierung ist. Dazwischen stimmt der Posaunenchor „Blech im Takt“ weihnachtliche Lieder an.

Zunächst einmal begrüßen aber Pfarrerin Pia Baumann und ihr Kollege Rüdiger Kohl die mehreren Hundert Besucher. Viele von ihnen sind mit kleinen Kindern da. „Stoßgebete zum Himmel“ hätten sie gesendet, dass es trocken bleibt, berichtet Rüdiger Kohl. Etwas ungemütlich und nasskalt ist es, Regen bleibt dagegen aus. Pia Baumann freut sich, dass „alle zusammen auf den Kirchplatz“ gekommen sind, um die Weihnachtsgeschichte zu erleben. „Mit ganz viel Mühe und Herzblut haben die Kinder und Jugendlichen dafür gesorgt, dass dies ein besonderer Abend wird“, ergänzt Kohl.

Zu Beginn der Aufführung wollen junge Reporterinnen mit fiktiven Straßenumfragen dem Sinn von Weihnachten auf die Spur kommen. Was für sie Weihnachtsstimmung sei, fragen sie ein Pärchen. „Ich bekomme gerne Geschenke“, antwortet er. „Schenken und beschenkt werden ist die Devise“, so lautet die Zusammenfassung einer Darstellerin.

Jugendlichen kommen als Demonstranten

Szenenwechsel. Die nächsten Jugendlichen kommen als Demonstranten auf die Bühne. Sie halten Schilder mit Aufschriften wie „Geschenkpapier, nicht mit mir“ in die Höhe. Nach Appellen für Klimagerechtigkeit sagt eine Demonstrantin: „Wir sollten auf unsere schöne Umwelt besser aufpassen, denn sie ist unser schönstes Geschenk“.

In weiteren Dialogen, bei denen einige der jungen Darsteller vor Aufregung teilweise zu schnell sprechen und einige Silben verschlucken oder an anderer Stelle die Mikrofone versagen, wird an die erinnert, die es an den Feiertagen weniger schön haben, arbeiten müssen oder kein Dach über dem Kopf haben.

Das anschließende Krippenspiel, bei dem, wie in den Vorjahren, ein Esel und Schafe nicht fehlen dürfen, wird unkonventionell vorgetragen. So gibt es die Heiligen Drei Könige doppelt und in weiblicher Ausführung mit „Melchiora“ und „Balthasara“, was für Lacher sorgt. „Gegendert“, also geschlechterbewusst formuliert, sagt ein Mann im Publikum. Als es dämmert, werden zum Abschluss von allen Akteuren auf der Bühne Wunderkerzen entzündet und Hunderte Kerzen davor unter den Zuschauern. Gemeinsam intoniert die Menge „Stille Nacht“. Damit scheint dann alles im Kasten zu sein.

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