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In den Schaufenstern von Peugeot in der Kleyerstraße weist ein Plakat auf andere Standorte in der Region hin.

Automarkt in Frankfurt

Nach BMW geht auch Peugeot

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Statt zur Galluswarte sollen die Kunden in die Hanauer Landstraße fahren. Hier findet sich Deutschlands Automeile Nummer eins.

Das Gallusviertel verliert zwei Autohäuser: Die BMW-Niederlassung in der Kleyerstraße gibt es jetzt seit einem Jahr nicht mehr, das benachbarte Peugeot-Haus wird – vermutlich zum Jahresende – schließen, wie Pressechef Stephan Lützenkirchen auf Anfrage bestätigte. Der französische Automobilhersteller wolle sich „strategisch neu ausrichten“. „Sichtbarkeit“ und „Parkplätze“ seien Kriterien, die, so legt Lützenkirchen nahe, in der Kleyerstraße nicht ausreichend erfüllt worden seien. Über das Schicksal der rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werde mit dem Betriebsrat verhandelt.

Die Kunden werden derzeit mit Plakaten an den Schaufenstern auf die bevorstehende Schließung vorbereitet: Ein Umleitungsschild weist auf andere Standorte in Hofheim, Oberursel, Neu-Isenburg und Frankfurt hin. In Frankfurt ist es die Hanauer Landstraße 411. Auch nebenan, am ehemaligen Gebäude von BMW, hängen Plakate: „Wir sind umgezogen“, heißt es da. Und wieder ist von der Hanauer Landstraße die Rede, diesmal geht es um die Hausnummer 255.

Die Hanauer Landstraße ist bundesweit die Automeile Nummer eins. Nach Angaben von Ralph Haerth, dem Sprecher der Interessengemeinschaft Hanauer Landstraße, sind hier 34 Fahrzeugmarken in 26 Autohäusern vertreten. Im vergangenen Jahr wurden, so Haerth, mehr als 50 000 neue und gebrauchte Autos verkauft und ein Umsatz von mehr als 1,1 Milliarden Euro erzielt. „Als die Interessengemeinschaft 1994 gegründet wurde, gab es gerade mal acht Autohäuser.“ Damals war die Mainzer Landstraße, einschließlich der Galluswarte und der Kleyerstraße, Frankfurts Automeile.

Allerdings werden in der Hanauer Landstraße auch Autohäuser dichtgemacht: Mercedes wird seine Dependancen in der Hanauer 121 und 425 und in Offenbach schließen – wenn im nächsten Jahr der Neubau am Kaiserlei steht: 54 Millionen Euro investiert das Unternehmen an der Stadtgrenze von Frankfurt zu Offenbach, ein 16 Meter hoher Stern soll Strahlkraft verleihen.

Ein solcher Zusammenschluss von drei Niederlassungen ist nach Einschätzung des Frankfurter IG-Metall-Chefs Michael Ehrhardt typisch für die Branche. „Es gibt einen Konzentrationsprozess.“ Die Autos seien komplizierter geworden, es würden mehr Spezialisten benötigt, die nicht jeder Standort vorhalten könne: „Wer überleben will, muss groß sein.“

BMW hat im vergangenen Jahr seine Niederlassungen bundesweit neu sortiert und gebündelt. Zum Niederlassungsverbund „Mitte“ gehören jetzt unter anderem Frankfurt, Offenbach, Darmstadt und Kassel. Ein Ziel sei die Erreichbarkeit. Der Kunde erwarte, dass die nächste BMW-Niederlassung maximal 50 Kilometer von seiner Haustür entfernt ist, erläutert Bernhard Ederer von der BMW-Pressestelle in München.

Weil sich die Kunden im Internet schlau machen, würden sie weitaus seltener kommen: Suchten sie früher vor einer Kaufentscheidung bis zu zehn Mal ein Autohaus auf, seien es jetzt im Durchschnitt eineinhalb Besuche, sagt Ederer. Auch Peugeot-Sprecher Lützenkirchen spricht von „weniger Traffic im Showroom.“ Die wenigen Besuche aber sollen Erlebnischarakter haben, der Auftritt muss stimmen, Ederer betont in diesem Zusammenhang die „Wertschätzung“ des Kunden.

Gewerkschafter Ehrhardt spricht von Konsumtempeln der gehobenen Klasse. Vorbild sei die Autostadt von VW in Wolfsburg. Offenbar sind die neuen Auto-Paläste aber doch so personalintensiv, dass die Zahl der Arbeitsplätze laut Ehrhardt kaum abgenommen hat.

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