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Spurensuche am Tatort.
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Spurensuche am Tatort.

Messerstecherei an der Hauptwache

Bluttat wohl politisch motiviert

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Die Messerstecherei an der Hauptwache in Frankfurt war offenbar eine Auseinandersetzung zwischen Kurden und Türken.

Die Polizei hat zwei der mutmaßlichen Messerstecher von der Hauptwache festgenommen. Es handelt sich um einen 43 Jahre alten Mann und seinen 15 Jahren alten Sohn. Sie wurden am späten Sonntagabend von einem Sondereinsatzkommando in deren Wohnung in Nied festgenommen.

Bei der Messerstecherei waren am Samstagabend in der B-Ebene der Hauptwache vier Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren verletzt worden, drei von ihnen schwer. Die Polizei vermutet nach wie vor „private Streitigkeiten“ als Auslöser der Bluttat.

Die kurdische Nachrichtenagentur Firatnews Agency (FNA) hingegen meldet, dass der Hintergrund des Streits ein durchaus politischer gewesen sei. Die beiden Parteien seien im Nachgang der samstäglichen Kurden-Demo zuerst in der C-Ebene verbal aneinandergeraten. Am Samstag hatten etwa 500 Kurden in Frankfurt demonstriert, die Veranstaltung hatte am späten Nachmittag in der Innenstadt geendet. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Demo ohne polizeirelevante Zwischenfälle verlaufen.

Die Meldung der kurdischen Nachrichtenagentur ist aber wohl nicht ganz neutral und mit Vorsicht zu genießen: Nach Angaben der FNA handelt es bei den Opfern um „vier türkische Faschisten“, bei den zwei Festgenommenen um Kurden.

Die FNA erhebt zudem schwere Vorwürfe gegen die Frankfurter Polizei. Diese habe bei der Festnahme nicht nur massive Gewalt gegen die Haustüre ausgeübt, indem sie diese eingetreten habe. Sie sei zudem auch nicht sanft mit der Familie umgegangen. Ein 13 Jahre alter Sohn dieser Familie sei bei dem Einsatz verletzt und mit Verdacht auf Hirnblutung in ein Krankenhaus gebracht worden. Und die Polizisten hätten den herbeigerufenen Sanitätern zuerst den Zugang zu der Wohnung verweigert.

Die Polizei ist über diese Vorwürfe gelinde gesagt erstaunt. Wahr sei, dass eine Spezialeinheit die Festnahme vorgenommen habe und sich diese naturgemäß etwas konfliktreicher gestalte als ein üblicher Hausbesuch. Von Verletzten aber ist der Polizei nach eigenen Angaben nichts bekannt, geschweige denn von einer Behinderung der Arbeit irgendwelcher Sanitäter. Einen möglichen politischen Hintergrund wollte ein Sprecher der Polizei am Montagnachmittag allerdings auch nicht explizit ausschließen. Der bisherige Ermittlungsstand lege ihn aber nicht nahe.

Ein Mitglied der betroffenen Familie sprach hingegen in einem Telefonat mit der FR von relativ massiver Polizeigewalt. So sei etwa auch die völlig unbeteiligte Ehefrau des festgenommen Vaters geschlagen worden. Ebenso wie der Sohn, der zwar entgegen der Agenturmeldung nicht in ein Krankenhaus, sondern direkt zur Wache gebracht worden sei – das allerdings mit und trotz einigermaßen massiver Kopfverletzungen. Und die Polizei habe tatsächlich den Rettungsfahrzeugen den Zugang versperrt. Nach Angaben des Mannes werde die Familie, die sich schon länger für die Interessen der Kurden einsetze, „schon seit Jahren politisch verfolgt“.

Nach Angaben des Familienmitglieds, das seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte, hätten die beiden Festgenommenen an der Demonstration gegen die Festnahme des Bürgermeisters der kurdischen Stadt Diyarbakir teilgenommen – und seien später in der C-Ebene der Hauptwache von „irgendeiner faschistischen Gruppe“ angegriffen worden, gegen die sie sich zur Wehr gesetzt hätten.

Nach zwei weiteren mutmaßlichen Mittätern ist die Polizei nach wie vor auf der Suche.

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