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Blut am Schuh im Niddapark Frankfurt

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Gutachter belastet Angeklagten Jan M. im Prozess um Mord im Niddapark. Das Gericht würde die Beweisaufnahme gerne schließen, doch die Verteidigung gibt noch nicht auf.

Am 24. Verhandlungstag dreht sich alles um einen linken Schuh. Jenen linken Schuh, den die ermordete Irina A. am 8. Mai 2018 im Niddapark trug. Ein schwarzer Sneaker, Größe 37. Die Schuhe, die am Mittwoch in einem Karton auf der Richterbank des Landgerichts platziert wurden, gehörten nicht dem Opfer, sondern einer Freundin. Irina A. hatte sich bei ihr umgezogen, hatte bequeme dunkle Klamotten und Schuhe angezogen, bevor sie im Niddapark auf ihren Mörder traf.

Die Verteidigung wollte die Schuhe gründlich untersucht haben und wissen, ob sich daran ein Hinweis auf einen möglichen anderen Tatverdächtigen fände, als jenen Jan M. der seit August 2019 auf der Anklagebank sitzt.

Ein Experte untersuchte die Schuhe daraufhin und fand am linken Schuh knapp ein Dutzend DNA-Spuren vom Blut des Angeklagten. In einem Diavortrag präsentierte der Spurenexperte seine Ergebnisse am Mittwoch. Ansonsten wies der Schuh nur noch Blut des Opfers auf. Dass sich nur am linken Schuh Blut fand, nicht aber am rechten, könnte damit zusammenhängen, dass M. sich an der rechten Hand verletzt hatte und das Opfer an den Füßen durch das Gras des Niddaparks zog.

Vor dem Vortrag des DNA-Experten hatte die Kammer die Besetzungsrüge der Verteidigung als unbegründet abgelehnt. Die Verteidigung hatte moniert, dass einer der beisitzenden Richter während des Prozesses Anfang des Jahres ans Bundesjustizministerium nach Berlin abgeordnet wurde.

Der Vorsitzende Richter Volker Kaiser-Klan wies in der sehr ausführlichen Ablehnung der Besetzungsrüge darauf hin, dass die Kammer anfangs durchaus die Hoffnung hatte, den Prozess noch im Jahr 2019, also mit dem nun abgeordneten Richter beenden zu können. Nach den Ausführungen des Gutachters erklärte Kaiser-Klan, die Beweisaufnahme sei „von Amts wegen“ abgeschlossen.

Das sieht die Verteidigung anders und kündigte für die kommende Woche einen weiteren Antrag an, auch wenn wohl noch nicht so ganz klar ist, zu welchem Thema. Verteidiger Hans Euler wollte sich auch noch nicht festlegen, ob der linke Schuh nicht auch auf Fingerabdrücke untersucht werden sollte. Der Gutachter hatte zuvor ausgesagt, dies sei möglich, habe aber so gut wie keine Aussagekraft, da sich daran allerhand Spuren finden lassen könnten. Richter Kaiser-Klan gab zu Bedenken, dass er den Schuh zwischenzeitlich selbst in der Hand gehabt habe. Trotzdem wollte die Verteidigung „in Ruhe“ überlegen, ob ein entsprechender Antrag gestellt werden soll. „Wo soll die Ruhe hinführen?“, fragte Kaiser-Klan.

Die Frage blieb am Mittwoch unbeantwortet. Der Prozess wird am 12. Februar fortgesetzt.

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