+
120 Klimaaktivistinnen und -aktivisten in weißen Maleranzügen wollen mit ihren Körpern den Schriftzug „Lasst Frankfurt aufatmen“ bilden.

Demonstration

Blockade an der Friedberger Landstraße: „Lasst Frankfurt aufatmen“

  • schließen

Bei der Demonstration zeigt sich: Protest fürs Klima kann bunt und kreativ sein - er endet aber auch irgendwann.

Protest ist nicht einfach. Vor allem nicht, wenn er kreativ und eindrucksvoll sein soll. Die Menschen, die sich am Freitagnachmittag auf die gesperrte Friedberger Landstraße in Frankfurt legen, müssen jedenfalls genau zuhören, was Alex Wenzel ihnen sagt. Wenzel ist bei Greenpeace aktiv und koordiniert bei der Blockade der Ausfallstraße die Choreographie. 120 Klimaaktivistinnen und -aktivisten in weißen Maleranzügen wollen mit ihren Körpern den Schriftzug „Lasst Frankfurt aufatmen“ bilden. Doch mal sind die Buchstaben zu weit auseinander, mal sind sie kaum zu erkennen. Die Personen, die das L bilden, müssten sich bitte etwas „ineinander schieben“, gibt Wenzel über sein Megafon durch. Das klingt, nun ja, interessant, aber am Ende passt alles. Der Schriftzug steht, und Wenzel ist hochzufrieden.

Fridays For Future blockierte mit

Protest kann musikalisch sein. Eine Gruppe von Attac-Aktivisten (orangefarbene Anzüge, bunte Perücken) zieht wie an einer Schnur aufgereiht über die Friedberger Landstraße und trägt ein Lied vor. Es heißt „Gutes Leben für alle“, und man singt es auf die Melodie von „Ich will keine Schokolade“ (Trude Herr, 1959). Eine Zeile lautet: „Dann wird die Luft für alle besser, die Straßenbahn nimmt alle mit!“ Stimmt aber nicht. Eine Stunde lang nimmt die Straßenbahn am Freitag aber gar keinen mit, zumindest nicht auf der Friedberger Landstraße. Die Sperrung gilt zunächst auch für die Trams. Als sich gegen 17 Uhr eine Bahn der Linie 18 nähert, ruft ein Aktivist über Megafon. „Die Straßenbahnen dürfen jetzt wieder fahren, macht bitte schnell die Schienen frei.“ Die rund 300 Demonstrantinnen und Demonstranten gehorchen aufs Wort. Protest braucht auch klare Ansagen.

Protest kann sehr wissenschaftlich sein. Jürgen Eisel trägt ein Schild um den Hals. „Ask me, I’m a Scientist“, steht darauf geschrieben, darunter hat Eisel seine Fachgebiete aufgeschrieben: Energiewende und Wasserstoff. Eigentlich sei er ja Wirtschaftswissenschaftler, sagt Eisel, zuletzt habe er aber Bücher über Nachhaltigkeit geschrieben.

Wunsch nach einer klimafreundlicheren Stadt

Protest ist in diesen Tagen - oder besser: seit gut einem Jahr - meistens ziemlich jung. Auch die Bewegung Fridays For Future (FFF) schließt sich nach einer Demonstration der Blockade der Friedberger Landstraße an. „Die Friedberger Landstraße ist eine der verschmutztesten Straßen Deutschlands“, sagt Angelina Fiehl von FFF. Der von der EU vorgegebene Stickstoff-Grenzwert von 40 Mikrogramm werde an der Messstation regelmäßig überschritten.

Protest muss nicht immer regelmäßig sein. Das Bündnis FFF hatte eigentlich angekündigt, nicht mehr wie üblich jeden Freitag zu demonstrieren. „Wir haben uns dazu entschieden, wenn es thematisch passt, trotzdem eine Demo zu organisieren“, sagt Dominik Ullrich vom Organisationsteam. An diesem Freitag passt es thematisch. „Es gibt ja bereits die Probesperrung am Mainkai. Wir wollen, dass diese ausgeweitet wird. Bis hin zu einer autofreien Innenstadt natürlich“, sagt Angelina Fiehl.

Protest ist manchmal auch ziemlich bunt. Am Matthias-Beltz-Platz sitzen Kinder auf der Straße und bemalen die Fahrbahn. Zu sehen sind etwa Menschen, denen es gut geht, weil sie augenscheinlich in einer klimafreundlicheren Stadt leben. Die Kunstwerke lassen erahnen, was man in einer autofreien Innenstadt alles machen kann. Doch bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg, wie sich um 18 Uhr zeigt, als die Polizei die Straße wieder freigibt.

Protest ist eben auch endlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare