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Im Nordpark in Bonames weisen solche Robinien-Drillinge den Weg und schaffen Blickachsen.

Hintergrund

Frankfurt: Blickachsen für den wilden Nordpark

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Auch ein Spielplatz ist geplant. Die  Eröffnung ist im August vorgesehen.

Wildnis im Bonameser Nordpark? Für Ortskundige ist das schon lang nichts Neues mehr. „Da muss man nur mal am Montagmorgen nach einem sonnigen Wochenende hier vorbeikommen“, sagt ein Mann, der gerade acht Hunde (!) gleichzeitig Gassi führt. „Dann ist hier regelmäßig jede Menge Wildnis.“

Er meint den Müll der Feierbiester. In der Tat: wild, wie es da mitunter aussieht. Die Unordnung auf und neben dem Grillplatz an der Homburger Landstraße, kurz vor der Einfahrt nach Bonames, ist allerdings schon ein wenig geringer geworden, seit häufiger saubergemacht wird – und seit im Sommer über weite Strecken Grillverbot herrscht. Auch jetzt darf gerade mal wieder nicht gegrillt werden. Zu groß die Gefahr, dass ein Funke sich selbstständig macht und die strohtrockene Umgebung entflammen lässt.

Möglich, dass ein anständiger Regen an diesem Wochenende die Brandgefahr ein wenig lindert. Möglich aber auch, dass die Teilnehmerkommunen am Projekt „Städte wagen Wildnis“ einen kleinen Schritt in die Richtung gehen, die Klimaerwärmung und Trockenheit langfristig zu mildern. Frankfurt gehört zu den Projektpartnern. „Zieht sich der Mensch zurück, übernimmt die Natur das Steuer – und das selbst mitten in einer Großstadt“, heißt es in der Beschreibung des auf zunächst fünf Jahre angelegten Versuchs. Und weiter: „Wie sich die Natur inmitten einer menschengemachten Umgebung entwickelt, kann niemand genau vorhersehen.“ Das ist sicher richtig. Aber fest steht auch: Besser, als es der Mensch in den vergangenen hundert Jahren gemacht hat, wird es die Natur garantiert hinkriegen. Also kann man sie ja mal machen lassen.

In den ersten drei Projektjahren „Städte wagen Wildnis“ war davon freilich nicht allzu viel zu sehen. Während andernorts in der Stadt Wildwiesen sprießen – und den Leuten auch erklärt wird, warum das Grünflächenamt da nicht mehr so oft mäht, zum Wohl der Insekten nämlich – hat sich im Nordpark fast nichts gegenüber dem Ursprungszustand verändert. Gut, die Brücke über den Nidda-Altarm ist erneuert, der Zickzackweg saniert, ein kleiner Pavillon aufgestellt worden. Letzterer half beim Aktionstag im Juni wenigstens ein bisschen, als es den ganzen Vormittag schüttete wie aus Gießkannen. Wer rechnet denn noch mit so etwas? Regen, mitten im Sommer?

Ein Plan wird kommen

Aber ansonsten: derselbe Nordpark wie eh und je. Bis vor wenigen Tagen, da kamen die neuen Robinien-Stelen, neben der Sondermann-Statue (Teil der „Komischen Kunst im Grüngürtel“) nun auffälligste Parkmöblierung. Sie markieren für Besucher die Ränder der Wildnis. „Die Bauten sollten ursprünglich schon zum Start kommen“, sagt Projektleiter Frieder Leuthold. Das verzögerte sich dann eine Weile, nun aber soll es zügig vorangehen. Ein Übersichtsplan ist versprochen: Was soll das alles hier? Wo sind Besonderheiten zu entdecken? Wie leben Biber und Eisvogel?

„Dezente Infoveranstaltungen“ plant die Projektgruppe und feilt am Veranstaltungsprogramm. Ein Spielangebot für die Kinder werde kommen, verspricht Leuthold, der Naturspielplatz „ein bisschen wilder als normale Spielplätze“, ein „Balancier-Mikado“ zum Klettern.

Das klingt wieder nicht danach, die Natur ganz in Ruhe zu lassen. Aber letztlich geht es bei dem Projekt ja auch viel eher um Umweltbildung: Die Leute, besonders die jungen, sollen lernen, wie wichtig es ist, die Natur nicht zu zerstören, sondern im Einklang mit ihr zu leben. Und das würde vermutlich niemandem auffallen, wenn man sie einfach links liegen lässt (beziehungsweise: nördlich und südlich liegen lässt, in Bonames und Sachsenhausen), und nicht mehr darüber spricht. Es bleibt schwierig. Aber immerhin: Man arbeitet dran.

Die feierliche Eröffnung des neu und wild gestalteten Nordparks ist am 26. August, 9.30 Uhr, mit Schulklassen und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig.

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