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Bittere Posse in der Kulturstadt Frankfurt

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Die Fliegende Volksbühne, deren Spielstätte in diesem Jahr nun doch nicht eröffnen kann, spielt nicht das erste Mal in einer bitteren Posse mit. Am Ende müssen die Steuerzahler den Schaden begleichen. Der Kommentar.

Es ist die Kulturstadt Frankfurt, die selbst immer wieder die schönsten Possen inszeniert. Michael Quast, der Meister des zeitgenössischen Volkstheaters, musste 2012 schon einmal wider Willen in einem solchen Stück mitspielen.

Damals hatte sich der große Komödiant Hoffnungen darauf gemacht, mit seiner Fliegenden Volksbühne dauerhaft im Paradieshof in Sachsenhausen landen zu können. Allein, die seinerzeit regierenden Fraktionen von CDU und Grünen strichen das Projekt – es sollte gespart werden.

Die Stadt hatte etwas gutzumachen. Deshalb versprach sie der Fliegenden Volksbühne einen neuen ständigen Landeplatz – diesmal den historischen Cantatesaal am Großen Hirschgraben.

Die Art und Weise, wie die Eröffnung des Theaters dort nun bis auf Weiteres wieder gescheitert ist, gibt der Posse einen bitteren Beigeschmack. Der Kulturstadt Frankfurt, die sich doch so gerne mit großen, internationalen Maßstäben messen lassen möchte, gelingt nicht einmal die rechtzeitige Eröffnung einer kleinen, aber wichtigen Mundartbühne.

Dass sich mit dem temperamentvollen und impulsiven Schauspieler Michael Quast und dem kühl kalkulierenden ABG-Manager Frank Junker zwei sehr unterschiedliche Charaktere treffen, musste allen Informierten klar sein.

Es wäre Aufgabe des Kulturdezernats gewesen, die Verhandlungen beider Seiten über das neue Theater von Anfang an zu begleiten und nötigenfalls korrigierend einzugreifen. Doch das scheint nicht geschehen zu sein. Statt dessen prallten Quast und Junker aufeinander und konnten sich offenkundig über lange Zeit überhaupt nicht einigen.

Am Ende greift Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) jetzt doch ein und führt die Kontrahenten in ihrem Büro zusammen. Am Ende müssen jetzt die Steuerzahler den Schaden begleichen, der vermeidbar gewesen wäre.

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