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Wilhelm Beers Werk vom Friedenschluss.
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Wilhelm Beers Werk vom Friedenschluss.

Historie

Üppiges Diner zur Feier des Friedens

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Die Vertragsunterzeichnung im Hotel Zum Schwan hatte eine kurze Vor- und eine lange Nachgeschichte.

Es war ein Bonbon von Reichskanzler Otto von Bismarck. Der offizielle Friede zwischen dem neu geschaffenen Deutschen Reich und Frankreich sollte in Frankfurt besiegelt werden. Jener Stadt, der Preußen knapp fünf Jahre zuvor bei der Annexion übel mitgespielt hatte. Im Deutschen Krieg von 1866 bekannte sich die Freie Stadt Frankfurt zum Deutschen Bund, was Preußen als feindliche Handlung auslegte und die unbewachte Stadt im Juli 1866 mit preußischen Truppen besetzte. Drei Monate später folgte die Annexion. Frankfurt sollte mehr als 30 Millionen Gulden Repressalien zahlen. Die Forderungen gingen so weit, dass sich der damalige Frankfurter Bürgermeister Karl Fellner das Leben nahm. Die Befindlichkeiten des stolzen Frankfurts fasste Mundartdichter Friedrich Stoltze so zusammen: „No immerhin, die alte Frei-, Reichs-, Wahl-, Krönungs-, Meß- und Hannelsstadt is jetzt e preußisch Provinzstadt worn.“

Nach dem Krieg zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich 1870 wurde im Februar 1871 in Versailles ein Vorfrieden unterzeichnet. Für den Schauplatz des offiziellen Friedensschlusses erkor Bismarck das von ihm zuvor so gepeinigte Frankfurt. Die Friedensverhandlungen waren mehr ein formeller Akt, aber auch dafür musste eine Lokalität in Frankfurt gefunden werden. Zunächst war der Russische Hof an der Zeil vorgesehen, doch weil der dortige Hausflur eine Baustelle war, stieg dort lediglich die französische Delegation um Außenminister Jules Favre ab. Der Englische Hof am Roßmarkt war so belegt, dass er die erforderlichen 14 Zimmer nicht zur Verfügung stellen konnte. So wurde es das Hotel zum Schwan im Steinweg.

Ich hoffe, der Frieden von Frankfurt wird zugleich ein Friede mit Frankfurt und für Frankfurt sein.

Reichskanzler Otto von Bismarck

Das Hotel verfügte über Tradition seit 1791 und empfing seine Gäste bis zur Zerstörung bei einem Bombenangriff 1944. 1871 war es gerade frisch umgebaut und empfing für das Deutsche Reich die bevollmächtigten Verhandlungsführer Bismarck und Graf Harry von Arnim, für die Französische Republik Außenminister Jules Favre, Finanzminister Augustin Pouyer-Quertier und den Bevollmächtigten Marc-Eugène de Goulard. Die Gespräche waren natürlich nicht öffentlich, aber der Frankfurter Maler Wilhelm Amandus Beer konnte zumindest zeitweise einen Blick erhaschen. Bismarcks Adjutant Graf von Wartensleben hatte ihm gestattet, sich in einem der Räume neben dem Verhandlungszimmer aufzuhalten. Wann immer Graf von Wartensleben den Verhandlungssaal verließ, um im links davon gelegenen „Kartenzimmer“ eine gewünschte Karte zu holen, erhaschte Beer einen Blick auf die Verhandlungen. Der Graf hatte die Güte, die Tür jedes Mal sehr langsam zu öffnen und noch langsamer zu schließen. So konnte Beer die Szenerie mit hastigen Strichen festhalten. Den Fürsten Bismarck, so erzählte es Beer viele Jahre später dem Schriftsteller Rudolf Presber, habe er schon am Morgen zuvor im Speisesaal porträtieren können, als er mit Frankfurts Oberbürgermeister Daniel Heinrich Mumm von Schwarzenstein eine Flasche Frankenwein leerte.

Plakette an der Buchhandlung Hugendubel in Erinnerung an das ehemalige Hotel Schwan.

Aktuelles

Das Institut für Stadtgeschichte lädt am heutigen Montag, 18 Uhr zu einem Online-Vortrag zum Friedensschluss in Frankfurts ein, den der Historiker Henning Roet de Rouet hält. Der Vortrag „Frankfurt im preußischen Krieg 1870/71“ ist Teil der Reihe “…außer der Reihe“, die das Institut mit der Gesellschaft der Frankfurter Geschichte veranstaltet. Weitere Informationen finden sich unter www.stadtgeschichte-ffm.de. Der Link zur Veranstaltung: https://youtu.be/KvfOfnNZnb4 statt.

Das Frankfurter Diakonissenhaus erinnert daran, dass der 10. Mai nicht immer dem Frieden diente, weil an just diesem Tag 1933 in Frankfurt Bücher verbrannt wurden. Da das Diakonissenhaus 1870 nur kurz vor dem Frankfurter Frieden gegründet wurde, wird es in Gedenken an beide Ereignisse auf dem Römerberg einen Blumenkranz niederlegen und ein mehrsprachiges Friedensgebet sprechen. ote

Zu den offiziellen Feierlichkeiten nach der Vertragsunterzeichnung durfte Oberbürgermeister von Schwarzenstein in sein Domizil im Oeder Weg 57 einladen. Es war eine opulente Feier, an der die Frankfurter Gesellschaftselite teilnehmen wollte. Außer den Begleitern Bismarcks waren unter anderem auch Polizeipräsident Guido von Madei, Mediziner Georg Varrentrapp, Bankierstochter und Schriftstellerin Maria Bellin Gontard und Dombaumeister Franz Josef von Denzinger zugegen.

Bürgermeistergattin Clara Mumm genoss das üppige Dinner mit 18 Gängen an der Seite Bismarcks. Ihrem Tagebuch vertraute sie wenig später an: „Die lange Tafel schmückte rundherum ein Lorbeerkranz mit Maiblumen und roten Apfelblüten, in der Mitte prangte der schöne silberne Aufsatz, ebenfalls mit Lorbeer, Palmen und Vergißmeinnicht ausgefüllt.“ Ihr Tischnachbar schloss seine Dankesrede mit dem gönnerhaften Satz: „Ich hoffe, der Friede von Frankfurt wird zugleich ein Friede mit Frankfurt und für Frankfurt sein.“

Das sogenannte Friedenszimmer ist im Historischen Museum zu besichtigen.

Der Friede von Frankfurt hielt bis zum Ersten Weltkrieg. Für dessen Ausbruch war das in Frankfurt unterzeichnete Vertragswerk nicht unmaßgeblich. Denn Frankreich verlor dadurch das Elsass und einen Teil Lothringens und damit wichtige Eisenerzvorkommen, und während in Frankfurt festlich diniert wurde, tobte in Paris ein blutiger Kampf der Kommunarden über die künftige politische Ausrichtung Frankreichs. Ähnlich wie der 1919 geschlossene Versailler Vertrag die Unzufriedenheit in Deutschland manifestierte und den Nährboden für den Zweiten Weltkrieg bereitete, tat es der Frankfurter Friede in Frankreich und für den Ersten Weltkrieg. Es ist daher eine besondere, wenn auch sehr mittelbare Volte der Geschichte, dass das Hotel zum Schwan, in dem der Frankfurter Friede geschlossen wurde, im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog im Schwan ein Kino ein, heute residiert dort die Buchhandlung Hugendubel. Eine Plakette im Steinweg 12 erinnert an den dort geschlossenen Frankfurter Frieden, auf den die Bürgerrinnen und Bürger der Stadt besonders stolz waren. Devotionalien des Treffens, wie etwa ein Tintenfass aus dem Verhandlungssaal, waren sehr begehrt. Das sogenannte Friedenszimmer ist seit 2017 wieder dauerhaft im Historischen Museum in der Ausstellung „Frankfurt einst?“ zu besichtigen. Wo sich das Werk von Wilhelm Beer heute befindet, war für diesen Artikel nicht in Erfahrung zu bringen.

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