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Alle mal kurz die Welt retten

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Von: Thomas Stillbauer

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Neue, alte Auenlandschaft im Fechenheimer Mainbogen.
Neue, alte Auenlandschaft im Fechenheimer Mainbogen. Für Sonntag, 14 Uhr lädt die HGON dorthin ein, Bestandteil der Woche „Biologische Vielfalt erleben“. © Renate Hoyer

Am Sonntag ist der „Internationale Tag der biologischen Vielfalt“. In Frankfurt und Rhein-Main lässt sich viel dafür tun.

Einmal im Jahr richtet das Umweltnetzwerk „BioFrankfurt“ den Scheinwerfer ganz hell auf das, was in der Stadt, aber auch in der Region wächst und gedeiht. Pflanzen, Tiere – und spannende Projekte, die die Biodiversität stützen. Das Ganze nennt sich Aktionswoche „Biologische Vielfalt erleben“, orientiert sich zeitlich stets am „Internationalen Tag der biologischen Vielfalt“ (22. Mai) und dauert diesmal vom 20. bis zum 29. Mai.

Das trifft sich gut, denn der Freitag ist zugleich Welttag der Bienen. Und die sind gefährdet. „Ohne Bienen keine Äpfel, ohne Äpfel kein Apfelwein“, sagt Klima-und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) als Beispiel. Als Blütenbestäuber hätten Bienen eine Schlüsselfunktion in unseren Ökosystemen, betont sie.

In der Biowoche beschäftigen sich mehrere Angebote mit Insekten und ihrer Rolle fürs große Ganze. Außerdem bieten viele Partner im Rhein-Main-Gebiet Exkursionen und Mitmach-Aktionen für alle Altersgruppen an, die meisten davon kostenlos.

Da lässt sich beispielsweise lernen, wie und warum man Vögel beringt oder wie man selbst auf kleinstem Raum einen Kräutergarten anlegen kann. Er freue sich, dass die Aktionswoche nach zwei Jahren Corona-Pause wieder besondere Naturerlebnisse anbieten könne, sagt Peter Dommermuth, der Umweltamtsleiter und Vorsitzende von „BioFrankfurt“. Neu dabei ist in diesem Jahr etwa der „Erlebnisacker Taunus“, auf dem nachhaltige Landwirtschaft spielerisch zu entdecken ist. Erprobte Partner wie Senckenberg, Palmengarten und Zoo, Mainäppelhaus, BUND und Stadtwaldhaus haben sich viel einfallen lassen. In Hanau gibt es eine Führung bei den Wildpferden. Und wer besonders fleißig ist in der Aktionswoche, kann in diesem Jahr wieder etwas gewinnen: Für die Teilnahme an mindestens drei verschiedenen Veranstaltungen vor Ort winken Preise bei einer Verlosung.

Krautschau Bei allen beliebt und doch so oft übersehen: Mauerblümchen. Was winzig wächst in Ritzen und Spalten, soll am Sonntag, 22. Mai, ganz groß herauskommen: bei der bundesweiten „Krautschau“. Rhein-Main ist wieder dabei.

„An das letzte Tier, das sie gesehen haben, erinnern sich die meisten Menschen“, vergleicht Julia Krohmer vom Senckenberg-Forschungsinstitut, das mit Partnern zum Suchen einlädt, „aber wie ist das bei Pflanzen?“ Viele Menschen nähmen die Stadtflora allenfalls als grünen Hintergrund oder „Straßenbegleitgrün“ wahr. Deshalb soll die Krautschau helfen, ein Bewusstsein für die Stadtbotanik zu schaffen.

Krautschau | Frankfurt am Main | 15.07.2021
„Krautschau“, hier vorigen Sommer mit Julia Krohmer. © Peter Jülich

Das Ganze schon zum zweiten Mal. Vorigen Sommer kamen Pflänzchenfreundinnen und -freunde bereits an mehreren Orten zusammen und fanden das Niederliegende Mastkraut, den Stumpfblättrigen Ampfer und viele andere Kräuter auf Trottoirs und in Mauerritzen. Senckenbergerin Krohmer koordiniert die Aktion gemeinsam mit Alexandra-Maria Klein von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Krautschau | Frankfurt am Main | 15.07.2021
Klein, aber wertvoll: Krautschau-Ritzenkraut. © Peter Jülich

„In Deutschland haben sich etwa 500 Arten an die extremen städtischen Bedingungen angepasst“, sagt Julia Krohmer. Sie trotzten tapfer Fußtritten und Autoreifen, Hitze, Bodenverdichtung und Schmutz – und seien wertvolle Mikro-Ökosysteme für Insekten und andere Organismen. Etwa für den Menschen. Kopfsteinpflaster halte besser mit Fugenbewuchs. Grün sei auch einfach schön. Bei der Krautschau werden die winzigsten Pflänzchen akribisch mit Kreide markiert, fotografiert – und gefeiert.

Treffpunkte für Spaziergänge am Sonntag in Frankfurt: 10 Uhr Lucaestraße (Aufgang U-Bahn-Station Hügelstraße); 11 Uhr Merianplatz (am Brunnen); 11 Uhr Johanniskirchplatz in Bornheim; 17 Uhr Bockenheimer Warte (Treff Bockenheimer Depot). Spaziergänge in Rhein-Main: Bad Homburg, 15 Uhr, Museum Sinclair-Haus; Darmstadt: 14 Uhr, Riegerplatz (Martinsviertel); Trebur: 14 Uhr, Laurentiuskirche. Übersicht aller Treffpunkte und Zeiten: www.senckenberg.de/de/ krautschau

Grünes Wissen wächst Die Gartensaison ist voll im Gange, das muss selbstverständlich gefeiert werden. Warum nicht mit einem großen Frühlingsfest der Goethe-Uni auf dem Gelände ihres Wissenschaftsgartens auf dem Riedberg? Dort sind am Sonntag, 22. Mai, von 11 bis 17 Uhr alle eingeladen zu Führungen, Livemusik und Vorträgen. Es geht unter anderem um Ökologie, Arzneipflanzen, den Eichenwald der Zukunft und um Honigbienen.

Am Stand der Kulturregion Rhein-Main und ihres Projekts Garten Rhein-Main gibt es außerdem beispielsweise Fühlboxen, in denen Kinder etwa Rinde, Blätter und Schneckenhäuser (aber ohne Schneckenbewohner:innen) ertasten können, kündigt Projektleiterin Valentina Moll an. Wer mag, darf auch Samenbeutel für Wiesenblumen mitnehmen.

Der Wissenschaftsgarten der Goethe-Uni, immer einen Besuch wert. Sonntag wird gefeiert.
Der Wissenschaftsgarten der Goethe-Uni, immer einen Besuch wert. Sonntag wird gefeiert. © Renate Hoyer

Die Veranstaltung zählt zum großen Garten-Rhein-Main-Jahresprogramm mit mehr als 650 Tipps, wo man bis Dezember Gartenmärkte, Wanderungen, Führungen, Workshops, Vorträge und Feste erleben kann. Das Jahresmotto: „Grünes Wissen wächst“. Allein für dieses Wochenende, Freitag bis Sonntag, sind 29 Veranstaltungen ins dicke Programmheft eingetragen. Das geht los mit dem Auftakt zur Bio-Frankfurt-Aktionswoche (siehe weiteren Bericht auf dieser Seite) und mehreren Führungen durch den Friedrichsdorfer Stadtwald, über den Tag verteilt. Geht weiter beispielsweise mit dem Bio-Pflanzenmarkt auf dem Hattersheimer Schlockerhof am Samstag. Setzt sich fort mit einer „botanischen Weltreise“ durch den Hanauer Schlossgarten. Und endet noch längst nicht mit der Ausstellung „Mohn und andere Blütenschönheiten“ im Dieburger Klostergarten am Sonntag.

Für viele der Garten-Rhein-Main-Veranstaltungen ist eine Anmeldung nötig. Das ganze Programmheft gibt es online oder zu bestellen unter www.krfrm.de

Die Przewalski-Pferde bei Campo Pond sind ebenfalls in der Biowoche dabei.
Die Przewalski-Pferde bei Campo Pond sind ebenfalls in der Biowoche dabei. © Monika Müller

Grüne Eine „existenzielle Bedrohung für uns Menschen“ nennt Thomas Schlimme den Verlust der biologischen Vielfalt. „Gleichzeitig sind gerade wir Menschen aber die Hauptverursacher dieses dramatischen Artensterbens“, betont der umweltpolitische Sprecher der Grünen im Römer.

Zum „Internationalen Tag der biologischen Vielfalt“ an diesem Sonntag, 22. Mai, erinnert er daran, was der Biodiversität zu schaffen macht: Monokulturen, Massentierhaltung, Abfall und Abwässer aus Industrie und Haushalten, zu viele Düngemittel und Pestizide in der Landwirtschaft, Autobahnen, kanalisierte oder trockengelegte Gewässer.

Das Programm

Die Veranstaltungen der Aktionswoche „Biologische Vielfalt erleben“ vom 20. bis zum 29. Mai gibt es im Internet unter www.biofrankfurt.de – auch als Flugblatt zum Herunterladen.

Das Netzwerk „BioFrankfurt“, gegründet 2004, hat das Ziel, die Bedeutung der Biodiversität bekanntzumachen. Seit 2013 ist es als Verein eingetragen und hat ein Dutzend Mitgliedsorganisationen, darunter das Frankfurter Umweltamt, Goethe-Uni, Zoo, Senckenberg, Palmengarten, HGON, Mainäppelhaus, Hochschule Geisenheim und den Deutschen Olympischen Sportbund. FR

Viele Arten seien akut bedroht, auch in Frankfurt. „Es ist deshalb unsere gemeinsame Aufgabe, ihre Lebensräume zu schützen, zu erweitern und miteinander zu vernetzen“, sagt Schlimme. Das Arten- und Biotopschutzkonzept, das Umweltdezernentin Rosemarie Heilig im Herbst für Frankfurt vorlegte, trage dazu bei.

Der klimapolitische Grünen-Sprecher David Edelmann verwies auf die 59 sogenannten Verantwortungsarten, für die Frankfurt besondere Sorge tragen muss, darunter etwa der Feldhamster. Frankfurt wolle helfen, „dass diese Art bei uns und damit weltweit erhalten werden kann“.

Der Erhalt der biologischen Vielfalt sei unser aller Verantwortung, sagen Schlimme und Edelmann. „Hören wir beispielsweise damit auf, unsere Gärten zu versiegeln, legen wir Dachbegrünungen an, pflanzen wir, wo immer möglich Blühwiesen.“

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