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Überraschender Sieg

Binnen Minuten zum Hoffnungsträger

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Wie Oliver Strank SPD-Bundestagskandidat im Frankfurter Westen wurde / Kämpfer gegen TTIP und Ceta will Wahlkreis von der CDU zurückerobern

Am Ende steht der Überraschungssieger glücklich und aufgeregt vor dem Parteitag, hebt die Arme – und bekennt: „Ich bin überhaupt nicht vorbereitet!“ Tatsächlich hatte Oliver Strank mit diesem Sieg nicht gerechnet. Der 37-jährige Rechtsanwalt ist überraschend der SPD-Bundestagskandidat für die westlichen Stadtteile geworden.

Und so kann er denn all die drängenden Fragen gar nicht beantworten, die das Parteitagspräsidium ihm stellt: Wer denn sein Wahlkreissprecher werde und wer dessen Stellvertreter …

Binnen Minuten ist der gebürtige Frankfurter zum neuen Hoffnungsträger seiner Partei avanciert. Unterbezirkschef Mike Josef schaltet schnell und gibt schon kurz nach der Kür Stranks die Parole aus: „Mit Olli und Ulli“ werde die SPD 2017 die beiden Frankfurter Bundestagswahlkreise von der CDU zurückerobern, mit Ulli Nissen also und Strank.

Tatsächlich kommt der Ortsvorsteher des Ortsbezirks 1 politisch keineswegs aus dem Nichts. Er hat sich lange vorbereitet. Nur das Parteiestablishment hatte ihn nicht auf der Rechnung. Da galt Ansgar Dittmar als Favorit, der Bundesvorsitzende der Schwulen und Lesben in der SPD. Selbstbewusst hatte Dittmar in seiner Rede schon angekündigt, wer alles mit ihm 2017 Wahlkampf in Frankfurt machen wolle: SPD-Generalsekretärin Katarina Barley, Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, Bundesjustizminister Heiko Maas … Es kam anders.

Mit einer persönlichen, am Ende bewegenden Rede gelang Strank der knappe Erfolg mit 79 zu 71 Stimmen. Er erinnerte an seine Eltern „aus sehr einfachen Verhältnissen“. Er sei aufgewachsen „im festen Glauben an das Aufstiegsversprechen durch Bildung“. Genau dieser Glaube drohe, durch die soziale Situation heute für viele „wie eine Seifenblase zu zerplatzen“.

Als Strank sagt: „Ich habe meine Doktorarbeit selbst geschrieben“, gibt es Beifall und Gelächter. Das ist heute bei Politikern nicht selbstverständlich. Strank präsentiert sich als Mann der Basis, der im sozial schwierigen Gallus eine gymnasiale Oberstufe erkämpft hat. FR-Leser kennen den Sozialdemokraten seit 2011 aus regelmäßigen Gastbeiträgen. Da zeigt sich eine andere Seite des Politikers: Er kämpfte für den Parteiausschluss des Rechten Sarrazin, gegen die Freihandelsabkommen TTIP und Ceta.

Stranks Sieg ist ein Lehrstück über die neue Frankfurter SPD. Mit seinem Studium des Wirtschaftsrechts in London und Oxford, mit seinen zahlreichen Auszeichnungen für wirtschaftswissenschaftliche Arbeiten wäre er früher als Parteirechter abgestempelt worden. Heute gelten diese alten Einordnungen weniger denn je. Die Delegierten sind heute unabhängig genug, sich für eine überzeugende Persönlichkeit zu entscheiden. Bei der Bundestagswahl 2017, deren Ausgang durch die AfD unwägbar ist, hat Strank durchaus eine Chance, den Wahlkreis zu erobern. jg

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