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Bildungsstätte Anne Frank: Gegen Antisemitismus auf Tiktok

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Von: Kathrin Rosendorff

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Die Bildungsstätte Anne Frank startet auf Tiktok eine Aufklärungskampagne für junge Menschen und gegen rechten Hass.

Das Profilbild ist eine Katze mit Hitlerbart. Unter einem Video sind zwei Blitz-Emojis als Kommentar hinterlassen. Oder es gibt auch vermeintlich lustige Filter, wo die Nase pinocchiomäßig vergrößert wird und das dann plötzlich trendet und alle nachmachen. Antisemitismus ist längst bei Tiktok angekommen: Manchmal nicht auf den ersten Blick erkennbar, manchmal sehr offensiv, von der Holocaust-Relativierung über Gewaltandrohungen wie beispielsweise an eine jüdische Tiktok-Creatorin - „Pass auf, dass aus dem Wasserhahn wirklich Wasser rauskommt“- bis hin zu Kommentaren wie „Ich hasse alle Juden“. Von solchen Beispielen berichteten am Dienstag Vertreterinnen der Bildungsstätte Anne Frank sowie Tiktok-Creator:innen. Um ein Gegengewicht zu setzen, hat seit wenigen Tagen die Bildungsstätte Anne Frank im Auftrag der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ die Aufklärungskampagne #GemeinsamgegenAntisemitismus – zusammen mit sieben reichweitenstarken Creator:innen auf Tiktok gestartet.

„Wir wollen Tiktok aktiv mitgestalten und nicht den Hassprediger:innen überlassen“, sagt Deborah Schnabel, die Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank. TikTok sei das Leitmedium für Jugendliche und längst nicht mehr bloß reine „Entertainment- und Spaßplattform“. Dort werde auch Meinung gebildet .

Algorithmen sorgten dafür, dass auch an Jugendliche, die ganz andere Interessen hätten, rechte Inhalte auf Tiktok herangespült würden. Oft wüssten junge Menschen eben nicht, dass beispielsweise die zwei Blitz-Emojis ein Symbol für die SS sind. „Höchst erfolgreich verbreiten sich antisemitische Codes – von Verschwörungserzählungen über Geschichtsrevisionismus und Shoa-Leugnung bis hin zu israelbezogenem Antisemitismus“, so Schnabel.

Deshalb sei Aufklärung eben so wichtig. Eltern und Lehrer:innen hätten oft wenig Ahnung, was auf Tiktok passiert, auch sie sollen in die Aufklärungsarbeit miteinbezogen werden. Es soll auch ein E-Book veröffentlicht werden, das Lehrkräfte bei der Aufklärung im Unterricht hilft. Für das Bildungsprojekt „Safer TikTok“ samt Kampagne gibt die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ 300 000 Euro .

Eine der sieben Tiktok-Creator;innen, Rosa Jellinek, klärt nicht nur auf dem queer-jüdischen Account @keshet_de über Antisemitismus auf, sondern gibt auch auf dem Account der Bildungsstätte Anne Frank Tipps zum Umgang mit Antisemitismus auf Tiktok: „Bezieh Stellung.“ „Schreib nette Kommentare bei Creatoren, die gerade viel antisemitische Comments“ bekommen.“ „Informier dich: Schau nach, was Antisemitismus ist und wie du ihn erkennst“. „Melde antisemitische Inhalte und Profile.“

Alle sind sich darüber einig: Gegen rechte Trolle könne man nicht Nichts tun. Rosa Jellinek betont: „Dann würden wir den rechten Menschen zu viel Macht geben.“

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