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Nicht jeder hat genug Geld, um die Eintrittspreise zu bezahlen.

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Kultur in Frankfurt: Bildung bleibt dringlich

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Noch ist die kulturelle Emanzipation gerade für Menschen aus bildungsfernen Schichten nicht verwirklicht, noch gibt es Schwellen, die den Zugang zur Kultur erschweren.

Das Buch „Kultur für alle“, das der Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann 1979 im Frankfurter S. Fischer Verlag veröffentlicht hatte, geriet für mindestens zwei Generationen von Kulturpolitikern und Angehörigen der Kulturszene zum Leitbild. Es formulierte den Anspruch, dass kulturelle Institutionen für alle Menschen zugänglich sein müssten. Gerade den „bildungsfernen Schichten“ müsse es ermöglicht werden, durch Fort- und Weiterbildung Zugang zu Kunst und Kultur zu erhalten.

Noch der hochbetagte Hoffmann wusste genau, dass dieses Ziel in der kapitalistischen Gesellschaft der 2000er Jahre nicht erreicht war. Noch immer ist die kulturelle Emanzipation etlicher Menschen nicht verwirklicht.

Ein nicht unwesentlicher Grund dafür sind auch Eintrittspreise. Insofern ist das neue städtische Kultur- und Freizeitticket, das Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren den freien Eintritt in Frankfurter Museen gewährt, ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ein guter und wichtiger Schritt.

Es ist bedauerlich, dass die Frankfurter CDU sich nicht dazu durchringen konnte, auch den jungen Leuten von außerhalb Frankfurts den kostenlosen Zugang zu ermöglichen. Für die internationale Kulturstadt Frankfurt, die doch stolz darauf ist, Menschen aus aller Welt in ihren Museen zu empfangen, mutet das arg provinziell an.

Die städtischen Juristen vermuten, dass bald Eltern von außerhalb Frankfurts für ihre Kinder den freien Zugang vor Gericht erstreiten werden.

Wie auch immer: Die kulturelle Bildung im Sinne einer „Kultur für alle“ bleibt eine dringliche Aufgabe für die Kommunalpolitik in Frankfurt. Das gilt umso mehr in einer Zeit, da Rechtsextreme und Rechtspopulisten die Bildung gerade von Migranten und Geflüchteten einschränken oder ganz verweigern wollen.

Es gab eine Zeit in Frankfurt, da musste niemand für den Besuch der Dauerausstellung eines städtischen Museums Eintritt bezahlen. Erst im Jahr 1993 änderte das der damalige rot-grüne Magistrat im Zuge einer sogenannten Liste der Grausamkeiten. Es sollte ein Ziel der Kommunalpolitik bleiben, diesen freien Zugang zu kommunalen Häusern wieder herzustellen.

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