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Warum schreit Sylivia Weber?

Römerbriefe

Frankfurt: Warum schreit Sylivia Weber?

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    Georg Leppert
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Fotos sprechen ihre ganz eigene Sprache. Das sollten unsere Politiker nutzen. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Göpfert:Da ist ein Bild. Zu den Römerbriefen. Gab es das schon mal?

Leppert:Nein. Ich habe beim Abschied von Nikolaus Münster mal eines gemacht, aber das war so schlecht, dass es nicht erscheinen durfte.

Göpfert:Aber dieses Bild ist ja richtig gut.

Leppert:Deshalb schreiben wir ja auch drüber.

Schauen Sie sich dieses Foto an, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Ein Gemälde, oder? Rechts sehen Sie Jan Schneider (CDU) den Baudezernenten, leicht süffisant grinsend. In der Mitte: ein Roboter, der jetzt in der Stadtbücherei arbeitet. Und links: Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Nun wissen Sie als treue Leserinnen und Leser der Römerbriefe, dass sich Schneider und Weber nicht besonders mögen, weil… lange Geschichte. Und jetzt schauen Sie sich mal Webers Gesichtsausdruck an.

Das Tolle an wirklich guten Bildern ist ja, dass sie einem jede Menge Interpretationsmöglichkeiten lassen. Wieso schaut Weber so, was ist da passiert? Wir verraten es Ihnen nicht, sondern geben Ihnen drei mögliche Antworten vor.

A) Schauen Sie mal auf Schneiders linke Hand. Der verstellt da irgendetwas am Roboter. Daraufhin greift das Gerät Webers Hand. Und dann? Fester Händedruck? Leichter Stromschlag? Eingebaute Reißzwecke? Alles möglich.

B) Wie bei Lösung A. Nur tut der Roboter Weber nicht weh. Aber Schneider lässt ihn sprechen: „Herr Schneider hat drei Schulstandorte gefunden, aber er sagt Ihnen nicht, wo die sind. Kaufen Sie morgen die Frankfurter Rundschau.“

C) Weber schreit nicht vor Schmerzen oder Wut, sondern vor Freude. Weil nämlich Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der neben dem Fotografen steht, ihr gerade sagt, dass sie nun auch für den Bau von Schulen zuständig ist und Schneider diese Kompetenz verliert. Schneider lässt seinen Frust am Roboter aus und aktiviert den Modus zur Selbstzerstörung.

Ja, so ein Bild kann wirklich viel aussagen. Vielleicht sollten unsere Politiker in diesen Instagram-Zeiten auch mehr Bilder veröffentlichen, um mit ihnen Botschaften zu transportieren. Hier kommen unsere Vorschläge.

Peter Feldmann und Bürgermeister Uwe Becker (CDU) stellen sich nebeneinander – mit Schultüten in der Hand. Botschaft: Nächstes Jahr wollen wir beide unsere langweiligen Schulgeschichten in der „Bild“-Zeitung erzählen.

Annette Rinn und Stefan von Wangenheim (beide FDP) sitzen auf der Magistratsbank. Botschaft: Nach der Kommunalwahl 2021 wollen wir aber in die Koalition.

Elke Tafel-Stein (FDP) stellt sich grinsend vor Rinn und Wangenheim. Botschaft: Wo ihr hinwollt, war mein Mann schon.

Ein Rettungsboot schippert über den Main. Hinter dem Steuer kauert ängstlich Grünen-Fraktionschef Sebastian Popp, alle seine Parteifreunde verstecken sich unter Deck. Botschaft: Wir würden Frankfurt ja zu einer sicheren Hafenstadt machen. Aber wir haben so fürchterlich Schiss, dass die CDU dann böse auf uns ist und irgendwann wirklich die FDP mit denen regiert.

Sie sehen, Bilder sprechen ihre ganz eigene Sprache. Aber ein Foto zu den Römerbriefen bleibt trotzdem die Ausnahme.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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