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Museumsdirektor Jan Gerchow freut sich über das Geschenk von Ulrike Schiedermair.
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Museumsdirektor Jan Gerchow freut sich über das Geschenk von Ulrike Schiedermair.

Museen in Frankfurt

Bild kehrt als Geschenk nach Frankfurt zurück

  • Anja Laud
    VonAnja Laud
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Mäzenin kauft einst restituiertes Gemälde und schenkt es dem Historischen Museum in Frankfurt.

Das Historische Museum kann sich über ein besonderes Präsent freuen. Die Frankfurter Mäzenin Ulrike Schiedermair hat dem Haus ein Gemälde des Frankfurter Malers Karl Peter Burnitz (1824–1886) geschenkt, das dort über Jahrzehnte in der Sammlung hing. Zu Unrecht, denn das Bild gehörte dem jüdischen Frankfurter Juwelier Hermann Netter, der von den Nationalsozialisten enteignet worden war. 2019 wurde das Bild an dessen Erben zurückgegeben. Jetzt ist es wieder in der Sammlung.

„Das Gemälde ist Teil der Museumsgeschichte. Es erzählt von der aktiven Beteiligung der Stadtverwaltung an der Ausraubung ihrer jüdischen Bürgerinnen und Bürger und von der Rolle, die auch das Museum dabei spielte“, sagte Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums, gestern bei der Übergabe des Bildes. Und an dessen wechselvolle Geschichte soll auch erinnert werden, wenn es wieder in der Ausstellung hängt.

Das „Motiv aus dem Frankfurter Stadtwald“, so der Titel des Burnitz-Gemäldes, war Teil der Kunstsammlung von Hermann Netter gewesen, einem bis zur Machtübernahme der Nazis hochangesehenen Bürger Frankfurts und Förderer der Städel-Stiftung. Er war Mitinhaber des Unternehmens von Hofjuwelier Robert Koch gewesen, „dem Cartier Deutschlands“, so Gerchow, der Adelshäuser mit edlem Geschmeide belieferte. Vor seiner Emigration nach Großbritannien ließ Netter seine Sammlung von dem Frankfurter Kunsthändler Wilhelm Henrich schätzen, um die „Reichsfluchtsteuer“ zahlen zu können, mit denen die Nazis ihre Opfer um Hab und Gut brachten. Als er am 17. Juli 1939 Deutschland verließ, gingen alle Gemälde in Henrichs Besitz über.

Gleich am Tag von Netters Abreise bot Henrich das Burnitz-Bild der Stadt an. NS-Oberbürgermeister Friedrich Krebs hatte schon Monate zuvor sein Interesse daran bekundet. Das Stadtgeschichtliche Museum, aus dem das Historische Museum hervorging, kaufte es an. Krebs hängte es sich in seine Dienstwohnung. Im Kriege wurde es vor den Bombenangriffen in Sicherheit gebracht. Vermutlich 1967 kam das Gemälde dann auf Umwegen in das Historische Museum.

Streit um Welfenschatz

Als das Haus zwischen 2010 bis 2015 dabei war, mit finanzieller Hilfe der damaligen Arbeitsstelle für Provenienzforschung in Berlin die Herkunft aller seiner nach 1933 erworbenen Gemälde auf ihre Herkunft zu untersuchen, fragte 2012 ein Familienangehöriger Netters an, ob es Angaben zu dem Burnitz-Bild machen könne. Die Anfrage endete mit der Übergabe des Bildes im Juni 2019 an den rechtmäßigen Erben. Die Restitution sorgte für Schlagzeilen. Netter, so Gerchow, war „stiller Teilhaber“ eines Konsortiums gewesen, darunter drei jüdische Frankfurter Kunsthändler, das 1929 den „Welfenschatz“ erworben hatte. Teile davon hatte das Konsortium vor der Machtübernahme der Nazis verkauft, über die Restitution der übrigen Objekte stritten Nachfahren der Kunsthändler, die sie 1935 an Preußen verkauft hatten. Die Erben gingen dabei bis zum US-amerikanischen Supreme Court.

In puncto Rückgabe hat Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) eine klare Meinung. „Wir müssen uns dieser Aufgabe stellen und die Provenienzforschung weiter vorantreiben. Sie ist ein Zukunftsthema für jedes moderne Museum, und ich bin froh, dass die Frankfurter Museen es geschlossen angehen“, sagte sie.

Ulrike Schiedermair sah das Burnitz-Gemälde in einer Auktion und ersteigerte es für das Historische Museum. Besuche dort bereiteten ihr so viel Freude, deshalb wolle sie dem Haus etwas zurückgeben. Die Mäzenin, die auch Mitglied des Saalhof-Clubs ist, der das Museum unterstützt, ließ das Bild von Stefanie Gundermann auch restaurieren. „Es hatte sich eine dicke Nikotinschicht darauf gebildet“, sagt die Restauratorin. Aus einem Herbstbild sei so ein Frühlingsbild geworden, freut sich Schiedermair.

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