1. Startseite
  2. Frankfurt

Bierdeckel gegen Peter Feldmann

Erstellt:

Von: Katja Sturm

Kommentare

Die Grünen verteilen Bierdeckel am Merianplatz für die Abwahl von OB Peter Feldmann.
Die Grünen verteilen Bierdeckel am Merianplatz für die Abwahl von OB Peter Feldmann. © Monika Müller

Grüne ziehen durch Kneipen in der Berger Straße, um für die Abwahl des Frankfurter Oberbürgermeisters zu werben. Der Großteil der Angesprochenen reagiert positiv auf die Aktion.

Im „Weinladen“ sind die Bierdeckel sehr gefragt. „So viele, wie ihr wollt“, soll das Grüppchen „Grüner“ in dem Lokal an der Berger Straße lassen. Sven Kögler hinter der Theke hat zudem noch ein paar Tipps für Eintracht-Kneipen parat. Dort, ist er überzeugt, dürften die Pappkärtchen, die mit Sprüchen wie „Feldmann muss gehen, aber der Pokal bleibt hier“ oder „Keine weiteren Eigentore für Frankfurt“ für die Abwahl von Oberbürgermeister Peter Feldmann werben sollen, ebenso reißenden Absatz finden.

Am Freitag haben die Frankfurter „Grünen“ mit der abendlichen Tour durch Gaststätten begonnen, die zusammen mit Plakaten, Flyern, Aufrufen in den sozialen Medien und Information an Ständen möglichst viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt dazu bringen soll, am 6. November oder schon vorher für den vorzeitigen Abschied des SPD-Politikers aus dem Amt zu stimmen. Sechs Parteimitglieder beginnen am Merianplatz im Nordend; zwei Stunden später wird Kreisvorstandsmitglied Burkhard Schwetje am Friedberger Platz ein aus Sicht der Veranstalter erfreuliches Zwischenfazit ziehen.

„Der Typ ist unmöglich“

Der Großteil der Angesprochenen hat positiv reagiert. Einige haben ihre Stimme bereits abgegeben. „Unbedingt“ müsse Feldmann gehen. „Weg muss der“, lauten die harmloseren Forderungen. „Der Typ ist unmöglich“, sagt ein Auswärtiger, obwohl er gar nicht mitbestimmen darf. „Wir sind schon im Team“, heißt es aus einer Gruppe im „Mera Masala“ im Sandweg heraus.

Nico, Mitarbeiter im „Mosebach“, findet, Feldmann passe zur Stadt: „Korrupt und schmierig.“ Die Aktion der „Grünen“ findet er „super“ und verspricht, die eigenen Bierdeckel durch die neuen zu ersetzen. Nur ein Trio, das auf der Berger Straße draußen sitzt, winkt entschieden ab. „Bei uns sind Sie damit an der falschen Adresse“, erklärt eine der Frauen, ohne dem noch etwas hinzuzufügen.

Heute FR-Stadtgespräch

Geht er – oder bleibt er? Am 6. November geht es in einem Bürgerentscheid um die Zukunft von Oberbürgermeister Peter Feldmann. Die Stadtverordneten haben die Abwahl des unter Korruptionsanklage stehenden SPD-Politikers beschlossen. Stimmt nun noch die Mehrheit der Bevölkerung zu – und beträgt diese Mehrheit mindestens 30 Prozent der Wahlberechtigten – dann muss Feldmann gehen. Ansonsten bleibt er vermutlich bis Sommer 2024 im Amt.

Die FR lädt für den heutigen Montag, 10. Oktober, 19 Uhr, zu einem Stadtgespräch zum Bürgerentscheid ein. Für die Podiumsdiskussion zugesagt haben vier Gäste.

Tina Zapf-Rodriguez (Grüne): Die Vorsitzende der größten Fraktion im Römer hatte nach erfolglosen Gesprächen mit Feldmann die Abwahl maßgeblich vorangetrieben.

Yanki Pürsün: Der Fraktionschef der FDP gilt als Experte für den AWO-Skandal und stellte dazu als Erster im Stadtparlament kritische Fragen an den Oberbürgermeister.

Michael Erhardt: Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Frankfurt hofft, dass Feldmann im Amt bleibt.

Bernd Reisig: Der Vorsitzende der Stiftung „Helfen helfen“ kennt Feldmann seit Jahrzehnten und wirbt für einen fairen Umgang im Wahlkampf.

Die Diskussion beginnt um 19 Uhr im Haus am Dom (Domplatz 3) und ist live im Stream zu sehen: fr.de/eventvideo

Nicht jeder ist informiert. „Hat er nichts anderes gemacht, als sexistische Sprüche abzugeben?“, fragt ein Mann nach. Ganz offenbar erscheint ihm dies allein nicht Grund genug für einen erzwungenen Abgang des Oberbürgermeisters. Andere interessieren sich, wie sie sagen, nicht für Politik; die Bierdeckel finden sie trotzdem „cool“. Dass jeder sich selbst noch Slogans überlegen und bis 18. Oktober an abwahl@gruenefrankfurt.de schicken kann, von denen der beste ebenfalls gedruckt und verteilt werden soll, stiftet zu ersten Ideensammlungen an. Insgesamt etwa zehnmal wollen die Grünen ihre Kneipentour in verschiedenen Stadtteilen durchziehen, sagt Schwetje. Am Samstag war das Bahnhofsviertel dran.

Ohne Gegenwind kommen die Engagierten nicht durch bei ihrer Mission. Die Bundespolitik, die Energiekrise schüren die Stimmung gegen die eigene Partei. Mancher, der sich gegen Feldmann ausspricht, weist die Gaben zurück, sobald klar ist, wer sie verteilt. „Ich finde euch super populistisch“, sagt ein Mann am Luisenplatz. „Aber trotzdem besser als die AfD.“ Viel Kritik zielt auf Wirtschaftsminister Robert Habeck ab. Henrik Alt aus dem Kreisvorstand der „Grüne Jugend“ und seine Kollegen erinnern immer wieder daran, dass die Ampelkoalition noch nicht mal ein Jahr regiert. Die Klagen und Vorwürfe schmälert das nicht.

Es gibt Nachfragen, ob man auch andere aus dem Kreis der Stadtoberen abwählen kann. „Am liebsten alle“, sagt ein Mann. René, 33, der mit Freunden am Friedberger Platz steht, würde der Aktion gegen Feldmann grundsätzlich zustimmen, mahnt jedoch an, dass man dann eine bessere Alternative anbieten müsste. Die Frage, wer das bei den Grünen sei, kann Alt ihm nicht beantworten; das sei noch nicht entschieden. Aus Sicht seines Gesprächspartners stellt genau das das Problem dar.

„Viele Leute wissen schon Bescheid, aber wir müssen sie motivieren, an der Abwahl teilzunehmen“, betont Schwetje. Bei anderen habe man es geschafft, sie darauf aufmerksam zu machen. Die Premiere des Kneipenwahlkampfs sei „ein voller Erfolg“ gewesen.

Auch interessant

Kommentare