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Bewährtes Handwerk

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Von: Joel Schmidt

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Sei es Frischwurst zu jeder Tageszeit oder Gebäck wie anno dazumal: In Kalbach schätzen die Bewohner die gute Qualität der Einzelhändler, die mit ihren Geschäften die Kalbacher Hauptstraße beleben.

Was lange währt, wird endlich gut, könnte das Motto der Kalbacher Hauptstraße lauten, die sich fast von einem Ende des Stadtteils zum anderen schlängelt. Zwar ist, wie in vielen anderen eher randständigen Stadtteilen, der Anteil an Kleingewerbe auch in Kalbach in den vergangenen Jahren weiter sichtbar zurückgegangen. Doch diejenigen Einkaufsmöglichkeiten, die auf der Kalbacher Hauptstraße noch vorhanden sind, haben sich nicht ohne Grund behaupten können.

„Früher gab es hier in unmittelbarer Nähe einen Schreib- und Gemischtwarenladen, einen Kiosk und einen Obstladen“, erinnert sich Alexander Kaiser, einer der beiden Eigentümer der Metzgerei Kaiser in der Hauptstraße 8. Doch seit vor mehr als fünf Jahren der Rewe-Markt an der Langen Meile eröffnete, haben sich diese Läden nicht mehr halten können. Eine Entwicklung, die nicht ungewöhnlich ist. Dennoch mache Kaiser sich keine Sorgen für sein eigenes Geschäft. Auch den Supermarkt sieht er als keine bedrohliche Konkurrenz an.

„Dadurch, dass die Leute Qualität und Beratung wollen“, habe seine Metzgerei einen großen Vorteil, „denn wir können auf die individuellen Wünsche unserer Kunden eingehen“, sagt er. Etwa, wenn für den Kindergeburtstag extra Krokodilfleisch geordert wird.

Auch der Wurstautomat, der vor der Metzgerei steht, ist bei den Bürgern in Kalbach beliebt. Dort können sie sich nicht nur außerhalb der Öffnungszeiten bedienen, sondern auch samstags, wenn es im Laden selbst zu voll ist. „Unser Geschäft besteht seit 1966 und wird bereits in der zweiten Generation geführt, die einzigen Sorgen, die wir haben, ist die schlechte Parkplatzsituation“, sagt Kaiser mit einem Blick auf die Baustelle gegenüber seines Ladens.

Neueröffnung inmitten alteingesessener Läden

Wenige Meter weiter von der Metzgerei entfernt, kurz bevor die Kalbacher Hauptstraße einen scharfen Knick macht, befindet sich Munir Hachs Kiosk mit angeschlossener Postfiliale. Im Gegensatz zur alteingesessenen Metzgerei hat Hach seinen Kiosk im ehemaligen Gebäude der örtlichen Schlecker-Filiale erst im Herbst eröffnet. Zwar werde die Post „sehr gut genutzt“, doch der Kiosk selbst „nicht so gut, wie zunächst gedacht“, schildert der Inhaber.

Da die Räumlichkeiten des ehemaligen Drogeriemarktes längst nicht durch das Kiosk-Angebot sowie den Postschalter ausgeschöpft sind, spielt er mit dem Gedanken, ebenfalls ein kleines Café in seinen Laden zu integrieren. „Es gibt zwar die nötigen Einkaufsmöglichkeiten für den alltäglichen Gebrauch in Kalbach, was aber fehlt ist ein gemütliches Café, oder?“, fragt er eine am Postschalter stehende Kundin.

Wie selbstverständlich antwortet die angesprochene Frau zustimmend: „Ja, seit das Eiscafé geschlossen hat, fehlt so ein Ort wirklich.“ Wenn sie spontan mit Freunden Kaffee trinken wolle, lade sie diese mangels Alternativen zu sich nach Hause ein. Doch wenn Hach seine Café-Idee umsetzen sollte, versichert sie, würde sie ihre Verabredung sofort dorthin verlegen.

Bevor die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, den Laden verlässt, sagt sie: „Auch wenn wir hier zwar im Dorf Frankfurts sind, haben wir den weltbesten Bäcker, den weltbesten Metzger und“, wie sie mit einem Augenzwinkern hinzufügt, „ebenfalls die weltbeste Postfiliale der Stadt“.

Besagte weltbeste Bäckerei befindet sich nur wenige hundert Meter von Hachs Kiosk entfernt. Der Familienbetrieb Gangel existiert bereits seit 1860 und dürfte damit wohl zu einer der ältesten Bäckereien der Stadt gehören. Aus der Tür der Traditionsbäckerei kommt, mit zwei Papiertüten bepackt, ein Anwohner und steigt in sein vor dem Geschäft geparktes Auto.

Was er an der Bäckerei schätze seien vor allem zwei Dinge: „Zum einen ist das hier noch ein richtiger Kommunikationsort, zum anderen gibt’s hier auch noch richtige Handwerkskunst und nicht so ein Gebäck aus der Retorte“, lobt er die Familie Gangel beim Einsteigen und fährt los. Die Kalbacher Hauptstraße hinunter, Richtung Metzgerei, Kiosk und Postfiliale.

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