+
Viele Besucherinnen und Besucher machen zur Erinnerung mit ihren Smartphones Bilder von Stoffmustern.

Messe

Frankfurt Heimtextil: Schlafen wie Brad Pitt und Cristiano Ronaldo

  • schließen

Auf der Heimtextil in Frankfurt lernt man viel über Nachhaltigkeit, Lamborghini-Tapeten und darüber, wie die Promis so schlafen.

Auf die „Greta“-Daunendecke wird an diesem Mittwoch mit Sekt und Orangensaft in Halle 11 der Heimtextil angestoßen. Und das nicht nur, weil diese so kuschelweich ist, sondern weil der Hersteller Billerbeck aus dem baden-württembergischen Kraichtal den „Blauen Engel“ verliehen bekommt.

Seit 1978 gibt es das Umweltzeichen der Bundesregierung. Bei der 50. Ausgabe der Heimtextil, der größten internationalen Fachmesse für Heim- und Haustextilien, geht es eben nicht nur um „Star Wars“-Tapeten, schnieke Samtkissen und knallige Farben wie die Trendfarbe Classic Blue. Auch das Thema Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt. Fachbesucherinnen und -besucher bekommen, wenn sie es denn möchten, ein „Green Directory“ (Deutsch: grünes Inhaltsverzeichnis), eine Broschüre mit all den Herstellern für nachhaltige Produkte, in die Hand gedrückt.

Und in Halle 12.0 ist dann auch das Green Village, das grüne Dorf. „Die Daten der Aussteller wurden im Vorfeld der Messe mit den entsprechenden Nachhaltigkeitszertifikaten auf Gültigkeit und Echtheit überprüft“, heißt es im Vorwort des Green Directory.

Ausgerechnet zum 50. Jubiläum ist die Zahl der Aussteller bei der Frankfurter Messe Heimtextil gesunken. Nach Messeangaben zeigen in diesem Jahr 2952 Unternehmen aus 66 Ländern noch bis Freitag ihre Neuheiten auf der Fachmesse für Wohn- und Objekttextilien. Im Vorjahr wurden noch 3025 Aussteller gezählt.

Der Geschäftsführer der Messe Frankfurt, Detlef Braun, äußerte sich dennoch zufrieden. Die Heimtextil stehe trotz der wirtschaftlich herausfordernden Zeiten zu ihrem 50. Jubiläum in sehr guter Form da. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr das Thema „nachhaltig produzierte Textilien“. dpa

Zurück zur „Greta“-Daunendecke. Ingo Strube vom Bundesumweltministerium ist zur Urkundenüberreichung auf die Frankfurter Messe angereist „Die ,Greta‘-Daunendecke ist nicht nur in der Herstellung umweltfreundlich, sondern die Hersteller verwenden auch keine Federn von lebenden Gänsen oder Enten, die gerupft wurden“, so Strube. Lebend rupfen sei oft noch Standard bei Daunendecken. Die Daunen und Federn kommen laut Hersteller aus artgerechter Haltung. Auch Abwasserstandards und soziale Kriterien spielten bei der Vergabe des Blauen Engels eine wichtige Rolle, so Strube.

Weiß eigentlich die berühmte Namensgeberin Greta Thunberg, dass eine Daunendecke nach ihr benannt wurde? Eine Mitarbeiterin von Billerbeck sagt: „Nein, wir fanden den Namen einfach schön und stimmig.“ Ab 199 Euro bekommt man die „Greta“-Daunendecke. Aus Mumbai ist Jaideep Sajdeh mit seinen Stofftaschen und Stoffbeuteln namens „I am not a virgin“ („Ich bin keine Jungfrau“) angereist. „Diese sind 100 Prozent upgecyclt. Wir verwenden dazu von Hotels aus Europa und USA aussortierte Bettwäsche, Tischdecken, Stoffservietten. Pro Monat sind es allein 50 bis 100 Tonnen an Bettwäsche, die wir bekommen. Viele Hotels sortieren alle sechs Monate ihre Bettwäsche aus“, erzählt Jaideep Sajdeh. Seine Firma heißt Texool. Zu seinen Kunden zählt auch das bekannte US-Schuhdesigner-Label Steve Madden, das bei ihm Schuhbeutel für seine Kunden kaufte. Netflix habe bei ihnen Werbebeutel für die Serie „House of Cards“ bestellt. „In Indien selbst verkaufen wir die Beutel nicht als ‚I am not a virgin‘. Der Witz mit ‚Ich bin keine Jungfrau‘, weil die Beutel eben aus wiederverwendeten Stoffen sind, wird dort als zu krass empfunden. Wir nennen unser Beutel dort deshalb ‚I am so wasted‘“, sagt Sajdeh.

Auch das ist ein Wortspiel. Der Satz ist einmal der Slangausdruck für „Ich bin hinüber“ nach einer durchzechten Nacht. „Wasted“ steht aber eben auch gleichzeitig für Verschwendung.

Apropos, für Leute, die es nun gerne krachen lassen, wäre die Lamborghini-Tapete des italienischen Herstellers Zambaiti Parati vielleicht etwas. Nein, darauf ist natürlich nicht der Luxuswagen selbst abgebildet. Das wäre dann doch vielleicht ein wenig prollig. „Wir haben beispielsweise Lamborghini-Farben wie hellgelb für die Tapete benutzt“, sagt eine der Damen am Stand. Es sei bereits die zweite Lamborghini-Tapetenkollektion. Wie teuer ist denn so eine Lamborghini-Tapete fürs Wohnzimmer? „Also, das verhandeln wir mit den Kunden immer direkt. Aber auf jeden Fall ist es günstiger als das Auto selbst“, sagt sie und lacht.

Die bunte Seite der Macht: „Star Wars“-Fototapete.

Bezahlbar ist auf jeden Fall die Fototapete mit „Star Wars“ der deutschen Marke Komar. Online kostet diese ab 62 Euro. „Seit 52 Jahren ist das Unternehmen in Familienhand“, sagt der Herr am Stand. Sie exportierten aus Rosenheim in 110 Länder. Fürs Kinderzimmer gibt es eine Fototapete von Disneys „Frozen 2“. Laut Hersteller sei der Anteil an nachwachsenden Rohstoffen bei der Fototapete besonders groß. Und die Tapeten selbst seien vollständig recyclebar.

Auf der Suche nach Inspiration ist derweil Bettwäsche-Designerin Stephanie in Halle 3.0. Dafür ist sie aus dem australischen Sydney nach Frankfurt gereist. „Ich suche Muster, die nicht so kommerziell sind“, sagt sie. Unweit von ihr quietschen zwei Italienerinnen. Die Fachbesucherinnen liegen in einer Art Plastik-Bettwäsche, die sich bewegt. Wenn man dran vorbeiläuft, sieht es zunächst aus wie in einem Horrorfilm, wo Monster oder Ratten in der Bettwäsche versteckt sind. Aber keine Sorge, es sind bloß versteckte Massagegeräte. „Mir ist die Massage zu hart“, sagt die ältere der beiden Frauen. Die Jüngere sagt: „Ich liebe die Massage sehr.“

Zu kaufen gibt es diese besondere Bettwäsche nicht. Vielleicht im nächsten Jahr, ist ja noch eben in der Trendzone. Aber dafür können Sie ab jetzt schon so kuschlig schlafen wie Brad Pitt. Ganz genau. Denn er gehört wie das schwedische Königshaus oder Starfußballer Cristiano Ronaldo zu den Promikunden des schwedischen Bettenherstellers Hästens.

„All unsere Betten sind hand-designt und extrem bequem. Los geht es ab 5000 Euro bis hoch zu 189 000 Euro“, sagt Sanja Tegeltija am Stand von Hästens. 350 Arbeitsstunden steckten in dem 189 000-Euro-Bett. Klar, alles auf die Liegebedürfnisse des Kunden angepasst. Am wichtigsten sei, dass der untere Teils des Rückens gut liege. „Der Kunde muss zum Bettentest kommen, dann erst wird das Bett gebaut.“ Auch runde Betten sind im Angebot.

Im Familienunternehmen, das 1852 gegründet wurde, arbeitet bereits die sechste Generation. „Bis in die 2000er produzierten wir vor allem für den skandinavischen Markt. Dann entdeckte uns US-Rapper Dr. Dre und machte uns in den Promikreisen bekannt.“ Sein Bett sei übrigens drei mal drei Meter groß.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare