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Namen sind nur Schall und Rauch (Symbolbild).

Betrüger-Prozess

Erbe sucht ehrlichen Geldempfänger

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Ein mutmaßlicher Spam-Mail-Betrüger steht in Frankfurt vor Gericht und demonstriert auch dort seine Fantasie.

Der Angeklagte heißt nach eigenen Angaben Anslem A., wurde 1979 in Nigeria geboren und ist von Beruf Kraftfahrer. Wenn Anslem A. in seinem Leben aber zwei Sachen gelernt hat, dann wohl diese: Namen sind Schall und Rauch. Und den Leuten kann man viel erzählen, wenn der Tag lang ist.

Nehmen wir etwa Dr. W. aus Basel. Der erhielt im September 2010 eine E-Mail von einem gewissen „Clifford George“. Mr. George teilte dem erfreuten Dr. W. mit, dass dieser solch ein Glückspilz sei, dass er in einer Lotterie, bei der er gar nicht mitgespielt hatte, 2,5 Millionen US-Dollar gewonnen habe. Vorab seien lediglich pro forma „diverse Geldeinzahlungen“ seitens des Dr. W. zu leisten, und so überwies Dr. W. knapp 550 000 Euro an Clifford Georges beste Mitarbeiter „Mike Dallas“ und „Robert Anthony“. Auf den Lottogewinn wartet der Dr. noch heute.

Kurzzeitig schien auch Monika G. das Glück zu lächeln. „Herbert Drumond“ teilte ihr per sozialem Netzwerk mit, dass er sich unsterblich in sie verliebt habe. Sobald seine lebensgefährliche Krankheit von den besten Ärzten Nigerias geheilt worden sei, werde er unverzüglich nach Deutschland jetten, um sein „ernsthaftes Interesse“ an ihr vor dem Standesamt in die Tat umzusetzen. Monika G. überwies mehr als 20 000 Euro an Herbert Drumonds beste Freunde „Anthony Taylor“ und „James Davidson“, doch leider schlug die Behandlung wohl nicht an. Zum Standesamt jedenfalls schaffte es Herbert Drumond nicht mehr.

Nicht schlecht staunte auch Heinz L., als ihn der ihm bis dato unbekannte „Harry Thompson“ anschrieb. Thompsons Problem: Er habe knapp zehn Millionen US-Dollar geerbt, liege aber ärgerlicherweise gerade selbst auf dem Sterbebett. Darum habe er das Erbe in eine Kiste mit Zahlenschloss gesteckt und an Heinz L. geschickt, von dem er nur Gutes gehört habe – in der Hoffnung, dass L. nun ebensolches mit dem Geld tue. Für 18 000 Euro verrate sein Freund „James Davidson“ Heinz L. die Ziffernkombination des Schlosses. Tat er aber nicht. Es kam auch keine Kiste.

Es überrascht auch nicht wirklich, dass der Erste Offizier „Andy Morisson“ auf einem Schiff seinen Dienst versieht, das ständig von Piraten angegriffen wird, und er daher seine Goldbarren alle naslang in letzter Sekunde per Hubschrauber ausfliegen lässt, zuvor aber noch nach alter Seemannssitte die Adressaten per Facebook bittet, sich an den Kosten zu beteiligen - was sowohl Frau O. (7000 Euro) als auch Frau S. (5000 Euro) taten. Die Goldbarren bleiben bis heute so verschollen wie Käptn Flints Schatz.

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass Anslem A. & Freunde hinter all dem stecken. A. sagt dazu nichts, weil er sich, wie sein Verteidiger sagt, „durch die lange Haft nicht mehr an seinen Lebenslauf erinnern“ könne. Als er nämlich anno 2000 nach Europa gekommen sei, um wie seine sechs Geschwister politischer Verfolgung zu entfleuchen, da habe er erst mal als Kraftfahrer gearbeitet. Leider hatte er bei einer Fahrt nach Großbritannien einen Anhalter mitgenommen, der fuderweise Drogen mit sich führte, und so schmachtete Anselm A. ein paar Jahre lang unschuldig in den Kerkern Albions. Bis man ihn dort rauswarf und nach Deutschland abschob. Seit 2006 hat Anslem A. nämlich die deutsche Staatsbürgerschaft, verrät sein Dolmetscher. Verheiratet ist der vierfache Vater aber nach wie vor „nach nigerianischem Recht“.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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