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Betonklötze werden ersetzt

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Die alten Schutzelemente haben ausgedient.
Die alten Schutzelemente haben ausgedient. © Dennis Pfeiffer-Goldmann

Bis Mai sollen neue Sperren her. Auch die Polizei dringt bei der Stadt Frankfurt auf neue Lösung.

Bis zu den Feiern des Paulskirchenjubiläums im Mai sollen die ersten neuen Terrorsperren in der Stadt einsatzfähig sein. Nach jahrelangen Debatten erarbeitet die Stadt ein Konzept, um die riesigen Betonklötze zu ersetzen. Wie die neuen Sperren aussehen, ist aber noch offen.

Sieben Jahre werden die Betonklötze im Sommer alt, und viele Freunde haben die hässlichen Teile nicht. Sie werden als Müllablagen verwendet, als Untergrund zum Sprayen, als Zielpunkt beim Urinieren. Trotz viel Kritik und politischer Debatten blieb die Stadtregierung hartleibig, schob sich gegenseitig die Zuständigkeit zu. Der frühere Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) lehnte jede Änderung aus Kostengründen ab.

Nach anderthalb Jahren unter der Ägide seines Nachfolgers Stefan Majer (Grüne) kommt nun Bewegung in die Sache. „Wir geben aktuell ein Konzept in Auftrag“, erklärt Majers Verkehrsreferentin Ulrike Gaube. Es gehe dabei um neue stationäre Terrorsperren in der Innenstadt, wofür das Mobilitätsdezernat, das Stadtplanungsamt und das Amt für Straßenbau und Erschließung zuständig seien. Fürs Sicherheitskonzept für Veranstaltungen sei die Tourismus+Congress GmbH (TCF) zuständig, für die Sicherheitsanforderungen der Fußball-EM 2024 das Sportdezernat. Alle säßen mit am Tisch, betont Gaube – ebenso wie Polizei, Ordnungsamt, Feuerwehr und Rettungsdienst.

So ganz freiwillig kommt die Stadt dabei nicht in die Gänge. Nach Informationen dieser Zeitung drängt die Polizei seit kurz vor dem Weihnachtsmarkt darauf, die Betonklötze zu ersetzen. Zu groß sei die Gefahr, dass sich bei einem Lkw-Aufprall Betonteile lösen und Passant:innen verletzen. Die Klötze hatte die TCF nach den Terroranschlägen von Nizza und Berlin 2015 und 2016 schnell angeschafft. „Das System hat seinen Zweck voll erfüllt, effektiv Veranstaltungen zu schützen“, sagt TCF-Geschäftsführer Thomas Feda. Allerdings sei es „nicht mehr up-to-date“, und nun liege eine „Empfehlung“ der Polizei vor, auf zeitgemäßen Schutz umzustellen.

Der Herr über insgesamt 800 Tonnen Terrorschutz klingt erleichtert darüber, dass er die Betonklötze los wird. „So ein Betonelement schützt, aber es ist halt nicht schön“, erläutert Feda. Es gebe inzwischen Hunderte bessere und effektivere Systeme. Der TCF-Chef hofft nun auf ein flexibles, leichtes, von der Polizei selbst zertifiziertes Pollersystem. „Wir hätten dann deutlich geringere Kosten.“ Schließlich wiegt jeder Betonklotz rund 2,4 Tonnen, der Aufsatz weitere 1,2 Tonnen. Auf- und Abbau seien zwar „eingespielt“, aber jedes Mal ein sehr großer Aufwand, sagt Feda.

Wie der neue Terrorschutz aussehen könne, solle das Gutachten aufzeigen, erklärt Referentin Gaube. Für die festen Standorte in der Innenstadt und die flexiblen Notwendigkeiten für Feste und Veranstaltungen solle es verschiedenartige Lösungen geben. Selbst bezüglich der stationären Sperren „wird es nicht eine Lösung für alle geben können“, da die Ansprüche an die Sicherheit und die Gestaltung zu unterschiedlich seien, so Gaube.

Den Anfang machen daher zwei Pilot-Standorte in der Großen Eschenheimer Straße an der Hauptwache sowie an der Zufahrt in die Freßgass aus Richtung Rathenauplatz/Biebergasse. Das seien „eher Standardsituationen“, während etwa auf dem Opernplatz noch mehr Wert auf passende Gestaltung gelegt werden müsse. Vermutlich würden Poller genutzt, wie es sie schon vielfach in der Stadt gebe, „nur mit größerem Durchmesser“, sagt Gaube.

Auf Basis der dann gemachten Erfahrungen sollten danach weitere Standorte angegangen werden. Wann, mag die Referentin noch nicht einschätzen. Das Gutachten prüfe auch alle vorhandenen Standorte, ob diese notwendig seien. Neben Opernplatz und Hauptwache geht es auch um den Römerberg, das Mainufer und Alt-Sachsenhausen. Klar ist: „Wir wollen das Paulskirchenfest schon mit neuen Pollern schützen“, sagt Thomas Feda.

Bei der Stadt denkt man auch über Lösungen nach, die auf den ersten Blick nicht als schützendes Bollwerk zu erkennen sind. So haben Deutsche Bank und EZB ihre Vorplätze mit erhöhten Pflanzenrabatten und mit Wasserflächen so geschützt, dass kein Attentäter mit einem Fahrzeug durchkäme.

Solche Umbauten seien aber teuer, aufwendig und nur langfristig umsetzbar, räumt Ulrike Gaube ein. Das gelte auch für das Entschärfen von Straßen, die auf gefährdete Orte zuführen und als „Anlaufstrecken“ genutzt werden könnten – wie die Bockenheimer Landstraße Richtung Opernplatz.

Feda und Gaube sind für einen Platz voll des Lobes, den allerdings viele Frankfurter:innen eher hässlich finden: das erhöhte Plateau an der Konstablerwache. „Da brauchen wir keinen Schutz“, erklärt die Majer-Referentin. So oft die Treppenstufen rundherum auch kritisiert werden: Sie schützen Markt- und Festbesucher:innen effektiv vor jeder Fahrzeugattacke.

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