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Noch viel zu tun: das Gerippe des Chinesischen Pavillons im Bethmannpark. Im Juli soll das rekonstruierte Gebäude wieder stehen. 

Bethmannpark

Chinesischer Pavillon: Wiederaufbau mit schwer entzündlichem Holz

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Zum Wiederaufbau des abgebrannten Chinesischen Pavillons im Bethmannpark verwenden die Fachleute schwer entzündliches Holz. 

Der neue Pavillon reiste in sechs Seecontainern übers Meer, von Schanghai über Rotterdam nach Frankfurt. Jetzt ist eine 19-köpfige Delegation damit beschäftigt, die Teile zusammenzusetzen. Wieder aufzubauen, was vor fast zwei Jahren niederbrannte. Arbeiter aus der Provinz Anhui, sie wohnen vor Ort in Containern, und sie können Sachen, da staunt Martin Beilmann. „Wie die Chinesen arbeiten, das ist fantastisch. Das ist wie aus einer anderen Zeit, wenn ich sehe, was sie handwerklich machen.“

Beilmann koordiniert mit den Kollegen aus Fernost die Baustelle. Er war es auch, der 2007/2008 die Sanierung des Chinesischen Pavillons im Bethmannpark anleitete. Damals, vor dem Feuer.

„Es jährt sich demnächst zum zweiten Mal, dass der Pavillon abgebrannt ist“, erinnert Rosemarie Heilig, die Umweltdezernentin, an Ort und Stelle. Überall liegen noch verkohlte Teile des vor 30 Jahren errichteten Wahrzeichens. „Wir wissen immer noch nicht, wer es war.“ Die Grünen-Politikerin ist auch nach 22 Monaten noch mitgenommen: „Die Ereignisse gingen tief ins Herz, weil wir diesen Ort sehr lieben.“ 

Reste der Tat: verkohlte Bauteile des niedergebrannten Pavillons.

Am 1. Juni 2017 habe vielen das Herz geblutet, sagt auch Bernd Roser vom Grünflächenamt. Die Sanierung war 2007 eine der ersten Aufgaben, die er in Frankfurt am neuen Arbeitsplatz zu betreuen hatte, zehn Jahre später lag das Werk in Asche. Bis Mitte Juli soll es wieder stehen, schön wie einst, bis Herbst soll auch das Außengelände wieder auf Vordermann gebracht sein.

Wasserpavillon des geläuterten Herzens. Brücke des halben Bootes. Jaspisgrüner Teich. Schon die Namen der einzelnen Elemente singen eine helle Melodie aus dem Land des Lächelns. Den beiden Architekten, die aus China angereist sind, steht beim Pressetermin aber nicht der Sinn nach Baukunstlyrik. „Wir haben elf Leute für traditionellen Holzbau dabei“, lässt Huishen Shen übersetzen, der Landschaftsarchitekt, und dass solche Fachleute auch in China nicht mehr leicht zu finden seien. Sein Kollege Chen Yang, der heißt wie ein früherer Spieler der Eintracht, bestätigt auf Nachfrage: Ja, der Frankfurter Chinesische Garten genieße einen hohen Stellenwert drüben im Reich der Mitte, auch weil es ihn schon so lang gebe. Weil er einer der ersten seiner Art war.

Das neue Holz, massive Eukalyptusstämme, lagert neben dem verbrannten. Ein Kran wuchtet die größten Teile durch die Luft, Dachaufbauten, jede eine halbe Tonne schwer. Und welch ein Kontrast: die Kunstfertigkeit der Arbeiter, die den Zierrat direkt vor Ort feilen und schmirgeln, mitgebrachte Tonziegel aus China aufsetzen. Kein einziger Nagel werde übrigens das Gesamtwerk halten, sagt Beilmann, sondern ausschließlich Holzzapfen: „Alles wird verzapft.“ 

Alles Handarbeit: Der Zierrat entsteht in Frankfurt vor Ort. 

Der Brandstifter, berichtet der Bochumer Architekt, habe zunächst versucht, möglichst nahe am westlichen Zugang zu zündeln. Das misslang offenbar, also drang er weiter aufs Gelände vor und vollendete dort sein zerstörerisches Werk. Was, wenn er es wieder tut? „Eukalyptusholz ist relativ schwer brennbar“, sagt Beilmann. Schwerer als das Ginkgoholz der ursprünglichen Anlage. Aber vor allem: „Wir bauen einen Alarm ein.“ Wer künftig abends nach Torschluss das Gelände betritt, tut das nicht mehr unbemerkt und wird, flüstert man hinter vorgehaltener Hand, von sieben chinesischen Drachen gejagt. Nimm dies, Feuerteufel.

Vom alten Pavillon bleibt die vordere, zum Bethmannpark zeigende Mauer stehen. Was ebenfalls bleibt: der Name „Garten des himmlischen Friedens“. Eine Zeitlang versuchten chinesische Diplomaten, diesen Titel in den Gesprächen über einen Wiederaufbau wegzuverhandeln. Er erinnert an das Massaker am Tian’anmen-Platz in Peking 1989, als die chinesische Regierung gegen Demonstranten vorging und Hunderte tötete – in dem Jahr, als auch der Garten in Frankfurt entstand. Für Stadträtin Heilig war es erklärtermaßen kein Thema, auch nur über eine Namensänderung nachzudenken. Daraufhin gab es aus China keinerlei Spenden für die Rekonstruktion des Wasserpavillons, anders als etwa aus Korea für den koreanischen Pavillon am Grüneburgpark.

Die Arbeiten im Chinesischen Garten werden komplett von der Versicherung bezahlt, alles inklusive: 1,31 Millionen Euro. Die Qualitätsbestimmungen sehen vor, dass das Neue „nach gleicher Art und Güte“ dem Alten entsprechen muss. Die Behörden setzen auf „Bewahrung der Authentizität der Bauweise“. Klingt, zugegeben, nicht ganz so schön wie die chinesische Gebäudelyrik.

Mitarbeit: Elias Schön

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