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Oft fotografiert: der Kaisersaal im Frankfurter Rathaus.
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Oft fotografiert: der Kaisersaal im Frankfurter Rathaus.

Ferien zu Hause

Zu Besuch bei OB Feldmann

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann lädt in sein Dienstzimmer und in den Kaisersaal ein. Dabei gibt es nicht nur Kaffee und Kuchen für die Leserinnen und Leser. der Frankfurter Rundschau.

Dieser Raum hat viel an politischer Geschichte erlebt. Und er erzählt auch etwas über die Menschen, die hier arbeiten. Das Dienstzimmer des Stadtoberhaupts von Frankfurt, der fünftgrößten deutschen Kommune, liegt im ersten Stock des Rathauses am Römerberg. Für die Frankfurter Rundschau und ihre Leserinnen und Leser öffnet Oberbürgermeister Peter Feldmann am 2. August die Tür zu seinem Büro. Und er stellt sich nach dieser Führung der Diskussion mit den Besuchern in einem anderen, sehr wichtigen Raum: dem Sitzungssaal des Magistrats, also der Stadtregierung.

Als der CDU-Politiker Walter Wallmann 1977 überraschend zum Oberbürgermeister gewählt worden ist, lässt er im Sommer als Erstes die weiße Plastikverkleidung von den Wänden seines Dienstzimmers reißen. Zum Vorschein kommt wieder die alte, klassische Holztäfelung. Der bürgerliche Politiker Wallmann liebt das großbürgerliche Interieur. Der damalige Stadtkämmerer Ernst Gerhardt (CDU), heute 95 Jahre alt, erinnert sich: Das OB-Zimmer habe zuvor gewirkt wie die Kommandozentrale eines Kraftwerks. Einfach unmöglich.

Nach Wallmann ziehen die Sozialdemokraten Volker Hauff und Andreas von Schoeler in den Raum ein – und das Holz verschwindet wieder unter Putz. Dabei belässt es auch Petra Roth (CDU), die in der OB-Wahl 1995 unerwartet von Schoeler schlägt. In ihrer 17-jährigen Amtszeit setzt Roth in ihrem Büro andere Akzente. Sie lässt wichtige Gemälde moderner Kunst aufhängen, darunter sogar ein Werk des deutschen Maler-Papstes Gerhard Richter. Denn die Stadtoberhäupter von Frankfurt genießen ein einmaliges Privileg: Sie dürfen sich für die Dauer ihrer Amtszeit Stücke aus den Beständen der Frankfurter Museen und Kulturinstitute ausleihen.

Ein Jahr lang hängt im OB-Büro: nichts

Als Peter Feldmann im Jahr 2012 die OB-Wahl gewinnt und am 1. Juli sein Amt antritt, hängt in den ersten zwölf Monaten an den Wänden seines Zimmers: nichts. Sie bleiben einfach weiß. Wenn ich Feldmann in dieser Zeit besuchte, verwies er immer ein wenig verlegen darauf, dass ihm die Einrichtung des Raumes nicht wichtig sei. Und dann fiel öfter der schöne Satz, er wolle ja „ein arbeitender Oberbürgermeister“ sein, keiner, der nur repräsentiere. Das war natürlich ein Seitenhieb gegen seine Vorgängerin, mit der er sich aber eigentlich gut verstand.

Heute sind die Wände des OB-Büros nicht mehr kahl. Nach einigem Drängen seiner engsten Mitarbeiter – schließlich werden hier ja internationale Besucher empfangen – entschied sich Feldmann für moderne Fotografie. Ein langgestrecktes schwarz-weißes Werk hängt an der linken Wand. Verwischte Konturen signalisieren die Dynamik einer Großstadt. „Tokio Driving“ von Martin Liebscher. Die japanische Hauptstadt also – aus Feldmanns Sicht könnte es auch Frankfurt sein.

Dann gibt es noch einen großen Tisch, an dem der OB zu Besprechungen mit Mitarbeitern sitzt, vor allem aber gerne Interviews gibt. Der schmucklose, einfache Schreibtisch schräg gegenüber ist sauber aufgeräumt, allenfalls Frankfurter Tageszeitungen liegen dort aufgefächert. Das Möbelstück stammt noch aus der Zeit des OB Hauff. Doch zum Lesen bleibt Feldmann hier kaum Zeit.

Denn in Wahrheit hält sich der Oberbürgermeister in seinem Büro so oft nicht auf. Sein Terminkalender lässt ihn zwischen Sindlingen und Silicon Valley pendeln, zwischen Praunheim und Philadelphia. Auch auf dem Römer-Balkon, von dem aus man einen wunderbaren Blick auf den Paulsplatz und die Innenstadt hat, steht Feldmann nur selten. Obwohl ein Liegestuhl zum Verweilen einlädt.

Seine internationalen Gäste empfängt der OB im repräsentativen Kaisersaal. Dessen Wände zieren Porträts von 52 gekrönten Häuptern des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, von Karl dem Großen bis Franz II. Hier war in der Nachkriegszeit der Dalai Lama ebenso zu Gast wie John F. Kennedy, Francois Mitterrand oder Jassir Arafat. Ein paar Schritte entfernt geht es würdevoll zu: Täfelung, langer polierter Tisch, schwere Vorhänge, tiefe Polsterstühle. Hier im Magistratssitzungssaal tagt die Stadtregierung. Die weihevolle Atmosphäre verhindert nicht, dass es manchmal laut wird.

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