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Sarah Sieber (Nr. 20) soll die jungen Mitspielerinnen in Guatemala führen.
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Sarah Sieber (Nr. 20) soll die jungen Mitspielerinnen in Guatemala führen.

Carl-von-Weinberg-Schule

Die Besten in der Republik

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Die Fußballerinnen der Carl-von-Weinberg-Schule gewinnen die Deutsche Meisterschaft der Schulmannschaften und sichern sich mit diesem Sieg das Ticket zur WM nach Guatemala.

Diesmal konnten die Mädels aus Goldstein dem Abonnement-Meister aus Potsdam ein Schnippchen schlagen. Im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft der Schulmannschaften schlug die Carl-von-Weinberg-Schule die Sportschule Potsdam nach hartem Kampf mit 1:0. Das Finale gegen Saarbrücken war dann fast nur noch Formsache und wurde von den Fußballerinnen aus Frankfurt mit 2:0 gewonnen. Der Jubel bei den 15- und 16-jährigen Mädchen war groß nach dem Gewinn der ersten Deutschen Meisterschaft.

Er wurde noch größer. Denn was Trainer Niko Arnautis seinen Spielerinnen vor dem Finale nicht gesagt hatte: Der Deutsche Meister qualifiziert sich automatisch für die Weltmeisterschaft in Guatemala. „Ich musste sie ja nicht zusätzlich motivieren. Vielleicht hätte ich es in der Halbzeit erwähnt, wenn wir zurückgelegen hätten“, sagt Arnautis, der nicht nur Lehrer an der Carl-von-Weinberg-Schule ist, sondern gleichzeitig auch noch Cotrainer der U17-Junioren von Eintracht Frankfurt.

Der Erfolg der Carl-von Weinberg-Schülerinnen ist keine Cinderella-Story von Mädchen, die schon seit Kindertagen zusammen kicken und nun die große Kaderschmiede besiegt haben. Die integrierte Gesamtschule ist selbst eine Eliteschule des Sports, die Talente von überallher anzieht. Seit Jahren schon ist die Schule ein Olympiastützpunkt, seit vergangenem September auch eine Eliteschule des Fußballs. „Das hat noch mal einen richtigen Schub gegeben“, sagt der Sportkoordinator der Schule, Frank Thierolf.

Kooperation mit 1. FFC Frankfurt

Von diesem Schub weiß auch der 1. FFC Frankfurt zu berichten. Der Spitzenverein im Frauenfußball hat im Nachwuchsbereich eine enge Kooperation mit der Gesamtschule. „Wir bekommen im Moment sehr viele Anfragen von Eltern, auch aus anderen Bundesländern und von namhaften süddeutschen Vereinen“, verrät FFC-Jugendkoordinator Chris Heck. Denn der FFC und die Carl-von-Weinberg-Schule können mit ihrem Gesamtpaket aus sportlicher und schulischer Förderung wuchern. „Im Frauenfußball können sie nie so viel verdienen, dass sie später die Füße hochlegen können, daher ist eine berufliche Perspektive mehr als wichtig“, betont Heck und ergänzt: „Ohne die Carl-von-Weinberg-Schule würde keines der Nachwuchstalente zu uns kommen.“

Umgekehrt wäre die Deutsche Schulmeisterschaft ohne die Spielerinnen des FFC wohl nicht möglich gewesen. 14 der 18 Spielerinnen, die Anfang April nach Guatemala reisen, spielen auch für den FFC, die anderen vier bei Eintracht Frankfurt. Insgesamt gehen derzeit 26 Spielerinnen des FFC auf die Carl-von-Weinberg-Schule. Viele von ihnen kommen von außerhalb und sind im Internat des DFB in der Otto-Fleck-Schneise oder bei Gastfamilien untergebracht. Chris Heck etwa ist auch Gastvater von Spielerin Kim Olafsson, die aus Luxemburg nach Frankfurt gezogen ist, um beim FFC an ihrer sportlichen Karriere zu arbeiten.

Neben den Übungseinheiten in ihren Vereinen haben die amtierenden Deutschen Meisterinnen noch drei Mal die Woche Training in der Schule, dienstags bis donnerstags von 8 bis 9.30 Uhr. An diesem Morgen steht in Halle A der Carl-von-Weinberg-Schule das Kurzpassspiel im Vordergrund. Zweimal in der Woche ist auch Chris Heck beim Schulsport dabei. „So kann ich die Trainingsintensität in Schule und Verein besser steuern“, sagt Heck.

An diesem Morgen hat Arnautis alleine das Sagen. Während die Mädchen nach seinen Anweisungen durch die Halle flitzen, werden sie von einem Kamerateam von Sat 1 verfolgt. Die Geschichte von Schülerinnen, die zum Fußballspielen nach Guatemala reisen, wird gerne erzählt. Dabei herrscht wegen der Reise nach Mittelamerika nicht nur Begeisterung. „Wir waren zunächst skeptisch“, sagt Trainer Arnautis. In Gesprächen mit der Deutschen Botschaft und Elternabenden klärte die Schulleitung zunächst ab, inwieweit eine Reise nach Guatemala Gefahren birgt und wie die Erziehungsberechtigten dazu stehen. „Wir werden da jetzt auch nicht mit zwei Tonnen Gold rumlaufen“, verspricht Arnautis.

WM ist Thema Nummer eins

Natürlich ist die anstehende Reise auch in den Familien der Schülerinnen Thema Nummer eins. „Wir reden da zu Hause die ganze Zeit drüber und meine Eltern sind sich sicher, dass das eine tolle Erfahrung für mich wird“, sagt Sarah Sieber. Die 17-Jährige ist nicht nur eine der Ältesten im Team, sondern auch noch eine der wenigen waschechten Frankfurterinnen. Die Schwanheimerin begann bereits im Alter von vier Jahren mit dem Kicken. Von ihrem Vater und dem älteren Bruder war sie so lange auf Fußballplätze mitgenommen worden, bis sie selbst Lust hatte, gegen den Ball zu treten. In der Schulmannschaft wie in der zweiten Mannschaft der U 23 beim FFC ist Sarah Sieber der Mittelfeldmotor. Bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin konnte die 17-Jährige mit ihren klugen Pässen nicht glänzen, denn für das Finale waren nur die Jahrgänge 98 und 99 spielberechtigt. Bei der WM in Guatemala dürfen aber auch die 97er ran. Die beiden Trainer freut es. „Ich bin froh, dass sie dabei ist, Sarah kann mit Druck umgehen und mit ihrer Erfahrung eine Stütze des Teams sein“, sagt Heck. So also wird sich die Schwanheimerin vom 10. bis zum 21. April mit Spielerinnen aus Brasilien, China, Frankreich oder Dänemark messen können.

Beide Trainer trauen ihren Schützlingen übrigens das Halbfinale zu, obwohl sie die anderen Mannschaften nicht kennen. „Wir haben ein recht junges Team, aber die Mädchen können über sich hinauswachsen, ich habe das gegen Potsdam gesehen“, sagt Arnautis.

Ein bisschen über sich hinauswachsen mussten auch die Verantwortlichen der Schule – bei der Finanzierung der Reise. Um den Gesamtetat von gut 40 000 Euro zu stemmen, bedurfte es der Hilfe einiger Sponsoren. Der DFB stellt die Ausrüstung; die Unterstützung der Stadt Frankfurt und des hessischen Kultusministeriums ist aber eher symbolischer Natur. Noch immer gibt es eine kleine Unterdeckung, aber immerhin habe der Olympiastützpunkt Frankfurt signalisiert, eine mögliche Deckungslücke zu schließen, freut sich Sportkoordinator Thierolf.

Das Vormittagstraining ist mittlerweile beendet. Die Mädchen gehen jetzt zurück in ihre jeweiligen Klassen. Während der Morgeneinheit hatten die Klassenkameradinnen frei oder parallel ebenfalls Sportunterricht. So einfach ist es nicht immer. Denn wenn die Spielerinnen mit ihrem Verein in der Junioren-Bundesliga unterwegs sind, fehlen sie schon mal zwei Tage in der Schule. Dann müssen die Lehrer den Fußballerinnen Stütz- und Nachführunterricht anbieten, in dem der versäumte Stoff nachgeholt wird, oder auch mal eine Klassenarbeit nachschreiben lassen, was mit erheblichem Mehraufwand verbunden ist. „Das Kollegium steht aber hinter dieser Idee“, betont Thierolf. Nur wegen dieser Bereitschaft war es überhaupt möglich, die streng reglementierte Auszeichnung als Eliteschule des Fußballs zu bekommen. Ende April wird der DFB der Schule das Zertifikat auch offiziell überreichen. Gut möglich, dass die Mädchen aus Goldstein dem Serienmeister aus Potsdam zukünftig häufiger ein Schnippchen schlagen werden.

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