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Der Bausachverständige setzt sich als Mediator für den Schwanheimer Tierpark ein.

Frankfurt-Schwanheim

Besser in den Wald einfügen

Der Bausachverständige Willi Becker vermittelt zwischen dem Kobelt-Zoo, Forst und Naturschutzbehörde. Es geht darum, dass sich der Tiergarten gut in den Wald einfügt.

Von Ferdinand Sander

Herr Becker, Sie sind kein Mitarbeiter des Kobelt-Zoos. Trotzdem kümmern Sie sich um die Sanierung und vermitteln zwischen Zoo, Unterer Naturschutzbehörde und Forst. Wieso?
Meine Frau ist Schwanheimerin, ich lebe seit 43 Jahren im Ort, meine Tochter und meine Enkelkinder wuchsen hier auf. Als Familie sind wir in unserer Freizeit oft durch den Zoo gegangen, und als der Zoo Hilfe brauchte, konnte ich natürlich nicht Nein sagen. Er liegt in einem Waldgebiet und ist öffentlich zugänglich. Deswegen kümmert sich unser Revierförster darum, dass keine morschen Äste herabfallen und Menschen verletzen. Förster und Naturschutzbehörde sind ein eingespieltes Team mit bestimmten Vorstellungen. Da kommt es schon mal vor, dass Forst und Zoo aneinander vorbeireden. Der Zoo fühlte sich überfordert, der Förster unverstanden. Und da hinein stießen die Vorgaben der Unteren Naturschutzbehörde. Es gab Missverständnisse und die Stimmung war aufgeheizt, sodass die drei Parteien nicht mehr miteinander reden konnten. Da kam der Zoo auf mich zu und fragte, ob ich vermitteln könne. Mit Plänen und Auseinandersetzungen kenn’ ich mich als Bausachverständiger aus.

Die Vorgaben sind nötig, weil der Zoo in einem Landschaftsschutzgebiet liegt. Worauf müssen Sie jetzt achten?
Es geht vorrangig darum, den Zoo so zu gestalten, dass er sich gut in den Wald einfügt. Das bedeutet, gemauerte Wände mit Holz zu verkleiden. Damit haben wir schon angefangen. Die Büro-Container und das Papageienhaus sind schon fertig. Außerdem müssen wir Pflaster im Ponygehege aufbrechen. Der Waldboden darf dort nicht versiegelt sein.

Das Pflaster gab es, um das Pony John-Boy zu schützen, das sonst alles vom Boden gefressen und Koliken bekommen hätte.
Das stimmt. John-Boy ist ein „Sandfresser“. Darum zieht er demnächst in ein Gehege um, in dem der Boden vor vielen Jahren noch mit Genehmigung gepflastert worden ist. Das jetzige Ponygehege wird vollständig entsiegelt. Das ist eine Heidenarbeit. Immerhin haben wir jemanden gefunden, der etwas mit den Steinen anfangen kann. Sonst müssten wir sie entgeltlich entsorgen.

Welcher Schritt ist der nächste?
Der Teich ist ein weiteres großes Projekt. Er ist ein Stehgewässer und setzt sich schnell mit Schmutz zu. Wir wollen eine Pumpe einbauen, die das Wasser bewegt. Ich spreche gerade mit der Freiwilligen Feuerwehr. Vielleicht kann sie den Teich leer pumpen, damit man ihn reinigen kann. Zwei Studenten von der Justus-Liebig-Universität Gießen haben mit Unterstützung von Professor Rainer Waldhardt für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement Vorschläge für die Neugestaltung des Teichs ausgearbeitet.

Ohne ehrenamtliches Engagement geht also gar nichts.
Richtig, ohne die fleißigen Helfer geht überhaupt nichts! Die Mitarbeiter vom Zoo arbeiten hier täglich mehrere Stunden, die ganze Woche. Das ist wie ein zweiter Beruf. Und die Bauarbeiten finanzieren wir ausschließlich über Spenden. Rund 15 000 Euro haben wir schon investiert. Wenn wir fertig sind, haben wir bestimmt 100.000 Euro ausgegeben.

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