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Regenbogenfarben und politische Forderungen waren auch im vergangenen Jahr gut sichtbar auf dem Christopher Street Day.

Veranstaltung

CSD Frankfurt: Besinnung auf die Ursprünge

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Der Christopher Street Day erinnert in diesem Jahr an die Aufstände vor 50 Jahren in New York. Es soll gefeiert, aber in Diskussionen auch Verbesserungen angestrebt werden.

Was 1992 mit einem kleinen Solidaritätsfest in der Klingerstraße begann, ist mittlerweile zu einer riesigen Veranstaltung auf der Konstablerwache geworden: der Frankfurter Christopher Street Day (CSD). Auch bei der 27. Auflage, die bereits am heutigen Abend beginnt, rechnen die Veranstalter wieder mit mindestens 150 000 Besuchern. Der Fokus liegt diesmal auf den Ursprüngen des CSD. Vor 50 Jahren kam es zu den Unruhen in der Christopher Street in New York und der dortigen Bar „Stonewall Inn“. Aus dem damaligen Widerstand entstand die Tradition der CSDs.

Die Unruhen 1969 sind nicht nur das Motto des diesjährigen CSD, sondern sind auch Thema beim heutigen Freiluftkino. Per Beamer werden zwei Filme auf eine Leinwand auf der Bühne projiziert. Die Gäste sitzen auf Bänken davor, wer möchte, kann auch Decken mitbringen. Ab 20 Uhr wird es zunächst eine Gesprächsrunde mit Gästen aus der Community geben. „Sie werden ihre eigenen Erfahrungen mit dem CSD wiedergeben“, sagt Joachim Letschert vom Vorstand des Vereins CSD Frankfurt.

Auch die Outfits beim CSD brechen mit Geschlechternormen.

Gegen 21 Uhr folgt dann die Arte-Dokumentation „Fünf Tage in New York – Gay Pride am Hudson“. In der Reportage geht es zurück an den Ursprungsort des Protestes. Als sich bei einer Razzia am 28. Juni 1969 die homosexuellen Menschen plötzlich wehrten und sich der Schikane der Polizei widersetzten, veränderte sich auch das Bewusstsein in der Bevölkerung. Nach dem fünf Tage und Nächte dauernden Aufstand wurden die Diskriminierten plötzlich als Opfer wahrgenommen. Die Regisseure der Doku waren bei den Feierlichkeiten in New York dabei, haben mit Zeitzeugen von damals gesprochen und zeigen was vom Mythos Stonewall noch übrig ist.

Im Anschluss an die etwa 50-minütige Dokumentation gibt es noch den Spielfilm „Mario“ zu sehen. Darin verliebt sich Titelheld Mario in Leon, den neuen Stürmer seiner Fußballmannschaft. Als sich beide auf ihre Gefühle zueinander einlassen, stellt sich auch die Frage, wie und ob das Schwulsein mit der Profikarriere vereinbar sein kann. „Das Thema des Dramas ist durchaus aktuell“, sagt Letschert. Da die Gastro-Stände bereits aufgebaut sind, können sich die Zuschauer auch mit Speisen und Getränken versorgen.

CSD wird am Freitag offiziell eröffnet

Am Freitag wird der CSD dann offiziell um 15 Uhr eröffnet. Bis 1 Uhr gibt es dann DJs und Bands zu hören, die das Publikum mit ihrer Musik zum Tanzen und manchmal auch zum Nachdenken anregen wollen.

Der Samstag beginnt mit der großen Demonstration durch die Frankfurter Innenstadt. Das Adjektiv hat in diesem Jahr wirklich seine Berechtigung, weil die Zahl der Teilnehmer mit mehr als 90 Gruppen deutlich über der des Vorjahres (64) liegt. Start ist gegen 12.15 Uhr auf dem Römerberg. Nach dem Hissen der Regenbogenfahne am Rathaus, setzt sich der Zug in Bewegung angeführt von einem Cabrio mit Stadträtin Sylvia Weber (SPD) an Bord. Letschert erwartet tolles Wetter zur Demo und dadurch entsprechend viele Zuschauer. Auch bei der Demonstration soll das Thema „50 Jahre Stonewall“ wieder eine Rolle spielen.

Auf der Hauptbühne erwarten die Besucher am Samstag nicht nur viele Musikdarbietungen sondern auch Diskussionsrunden. Um 15.55 Uhr debattieren beim Communi-Talk Mitglieder der LGBTIQ-Community mit Stadträtin Sylvia Weber. Bei diesem neuen Format sollen die Beteiligten die zurückliegenden CSD-Jahre nochmals Revue passieren lassen, außerdem soll darüber gesprochen werden, wo die Community in Frankfurt steht und was die Stadt noch machen müsste. „Am Ende würden wir gern ein Perspektivpapier mit Zielen haben“, erklärt Letschert.

In der Großen Friedberger Straße wird wie gewohnt der Basar der Vielfalt beziehungsweise die Infostraße aufgebaut. Dort werden Vereine, Parteien, Sponsoren und Kleinkünstler ihre Stände haben. Auch die Kulturbühne ist dort zu finden. Mit viel Musik aber auch Poetry Slam und Karaoke wird wieder abwechslungsreiches Programm geboten. Auch der traditionelle Stöckelschuhlauf wird dort abgehalten. „Dabei nehmen wir das Klischee auf den Kieker. Und die Männer sind oft auch schneller“, sagt Letschert. Spaß und ernste Themen gingen Hand in Hand beim Event. „Genau darum geht es beim CSD. Feiern, aber auch zeigen, was noch zu tun ist.“

Glossar

LGBTQI: Die aus dem Englischen kommende Abkürzung steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans(gender), Queere, Intersexuelle - andere Buchstabenkombinationen/-Reihenfolgen, die deutschen Buchstaben LSBTQIA oder ergänzende Pluszeichen/Sternchen werden auch verwendet.

Queer steht im Englischen als Adjektiv für Dinge oder Personen, die von der Norm abweichen. Die LGBTQI-Bewegung hat sich das einstige Schimpfwort als Selbstbezeichnung angeeignet für sexuelle Identitäten und Orientierungen abseits der Heteronorm. (msa)

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