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Besetztes Haus an der Günderrodestraße könnte Notunterkunft für Wohnsitzlose werden

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Von: George Grodensky

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In die Günderrodestraße 5 im Gallus könnten demnächst Wohnsitzlose einziehen.
In die Günderrodestraße 5 im Gallus könnten demnächst Wohnsitzlose einziehen. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Das Kollektiv „Freiräume statt Glaspaläste“ verhandelt mit Stadt, Mieterin und Eigentümerin des Gebäudes. Auch andere leerstehende Häuser möchte das Kollektiv nutzbar machen.

Das Haus an der Günderrodestraße 5 bleibt vorerst besetzt. Wobei das Wort „besetzen“ eigentlich nicht mehr passt. Schließlich befindet sich das Kollektiv „Freiräume statt Glaspaläste“, das sich der Räume bemächtigt hat, in ernsthaften Verhandlungen darüber, das Gebäude in ein Sozialprojekt zu verwandeln. Wohnsitzlose sollen dort unterkommen, zumindest als Nothilfe für die Wintermonate. Die Gruppe berichtet am Dienstag Abend von konstruktiven Gesprächen mit der aktuellen Mieterin, der Grundstücks-Entwicklungsgesellschaft KEG. Entsprechende Signale kommen auch von der eigentlichen Hauseigentümerin, der FAZ.

Die FAZ hat mit der Stadt zusammen angeboten, eine Nutzungsüberlassung für die Günderrodestraße 5 bis zum 31. März zu ermöglichen, informiert die Zeitung. Die Stadt sitzt mit am Verhandlungstisch, weil just dort, wo das besetzte Haus steht, in naher Zukunft eine Grundschule hin soll. Auch, weil die FAZ ja ein ganzes Areal räumt, worauf künftig das Quartier Hellerhöfe entstehen soll. Bisher gab es dort 47 Wohneinheiten, verdeutlicht die FAZ, im neuen Wohnquartier entstünden nach aktueller Planung 506 Wohnungen, davon rund 177 geförderte.

Darum sei es Stadt und FAZ wichtig, „dass die Belegung der Wohnräume über die bewährten Prozesse der KEG gesteuert und verantwortet wird.“ Die KEG hat die Räume in den vergangenen 18 Jahren an die Evangelische Wohnraumhilfe untervermietet, die dort wiederum sozial Bedürftige untergebracht hat. Die FAZ würde nun den Mietvertrag mit der KEG verlängern, die wiederum eine Nutzungsvereinbarung mit dem Kollektiv „Freiräume statt Glaspaläste“ treffen soll, gültig bis 31. März. Oder mit deren Vertretungen.

Das Kollektiv hat bereits Bande geknüpft mit Initiativen, die Erfahrung mit Wohnsitzlosen mitbringen: die Ada-Kantine aus Bockenheim und das „Project Shelter“. Der vorgelegte Vertrag enthalte auf den ersten Blick auch nichts, was das Kollektiv nicht annehmen könne. „Grundsätzlich ist das positiv gelaufen“, freut sich Jule, die für das Kollektiv mit der Presse spricht. Überhaupt in Verhandlungen zu stehen und eine Kommunikation miteinander etabliert zu haben, sei schon erfreulich.

Gleichwohl gibt es von Seiten des Kollektivs noch Klärungsbedarf. Der Gruppe ist aufgefallen, dass auf dem Areal nicht nur ein Haus leer steht. „Mindestens noch drei weitere Wohnhäuser“, sagt Jule. Da würde es sich anbieten, auch die zu bespielen. „Sie werden ja auch nicht gleichzeitig abgerissen“, vermutet Jule.

Bespielen heißt, Wohnsitzlose dort unterzubringen. Aber auch, die Räume als kulturellen Ort für den Stadtteil zu öffnen, als Diskursraum und überhaupt als Anlaufstelle für die Nachbarschaft, erklärt Matthias, der ebenfalls das Kollektiv nach außen vertritt. Langfristig soll aus der akuten Nothilfe ein richtiges Projekt werden, wünscht sich das Kollektiv. Es soll ermöglichen, dass auch andere leer stehende Häuser zur Zwischennutzung für Wohnsitzlose dienen könnten. „Wir zeigen, dass das möglich ist“, sagt Jule.

Allerdings berichten die beiden auch, dass die Gegenseite nicht über die neuen Ideen jubiliert hat, weitere Häuser für eine Zwischennutzung zu öffnen. Darum ist auch ein weiterer Verhandlungstag anberaumt, in der kommenden Woche soll der sein. Wobei die FAZ bereits erklärt, dass „eine Nutzungsüberlassung über die städtische Beteiligungsgesellschaft KEG auf das Gebäude in der Günderrodestraße 5 beschränkt bleiben muss“.

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