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Victor Starr vor der Weißfrauen Diakoniekirche an der Gutleutstraße 20.

Weißfrauen Diakoniekirche Frankfurt

Bescherung für Wohnungslose

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Die Weißfrauen Diakoniekirche im Frankfurter Bahnhofsviertel bietet in der Heiligen Nacht Kost und Logis. 70 Helfer stehen bereit, die Vorräte reichen für 400 Besucher und darüber hinaus.

Bereits Ende September beginnt Victor Starr mit seinen Vorbereitungen für Heiligabend, fängt an Kleiderspenden zu sammeln und alles für den einen besonderen Abend des Jahres vorzubereiten. Und wenn dann in der Weißfrauen Diakoniekirche die letzten Orgeltakte des Gottesdienstes verklungen sind, beginnt die lange Nacht, in der der US-Amerikaner wenig schläft.

Das Gotteshaus wird gleichermaßen zu Esszimmer, Schlaf- und Aufenthaltsraum. Seit zehn Jahren bietet Starr mit weiteren Ehrenamtlichen in der Kirche an der Ecke Gutleut-/Weserstraße nach dem abendlichen Gottesdienst Wohnungslosen eine Nacht Kost und Logis.

In diesem Jahr rechnet Starr mit „mindestens 350 Gästen“. Vor drei Jahren seien es 850 gewesen, als viele Geflüchtete kamen. „Hauptsächlich hängt die Zahl vom Wetter ab, ob es kalt ist“, berichtet der 59-jährige Bornheimer. Gut gerüstet seien er und seine 70 Helfer.

Als gelernter Fluglotse, der bei der Flugsicherung in Langen arbeitet, liege ihm das vorausschauende Organisieren. Hühner-Frikassee, Rindergulasch und vegetarische Gerichte haben sie für etwa 400 Personen bei einem Caterer bestellt. Als Reserve gibt es Dosen mit Gulasch und Suppe. „Die ganze Nacht können Leute kommen und bekommen etwas zu essen“, sagt Starr. Am Morgen gibt es dann Frühstück mit belegten Brötchen und Obst – auch zum Mitnehmen.

Über die Feiertage seien einige Einrichtungen für Obdachlose geschlossen, berichtet Starr, daher sei es gefragt, Verpflegung mitnehmen zu können. Nicht nur Essen und einen trockenen und warmen Schlafplatz will Starr bieten. „Unser Ziel ist, dass jeder die Möglichkeit für einen Chat hat“, sagt er. Die bunt zusammen gewürfelte Gruppe von Helfern sei vielsprachig und jederzeit bereit für einen Plausch.

Rund 20 Prozent der Besucher spreche kein Deutsch, so Starr. Neben Englisch und Türkisch seien Bulgarisch und Rumänisch gefragt. Auch in Bengali, Französisch, Thai oder Hindi könnten sich einige Helfer verständigen. Gefunden haben sie sich, ähnlich wie Starr, als er vor mehr als zehn Jahren nach Frankfurt gekommen war und etwas Gutes tun wollte. „Schicksal“, nennt er es, das ihn und den damaligen Diakoniepfarrer Gerald Hintze zusammen geführt habe. Hintze war Initiator der langen Nacht für die Obdachlosen. Nachdem Hintze bei einem Fahrradunfall tödlich verletzt worden war, übernahm Starr die Organisation.

Anfangs seien rund 60 bis 80 Besucher gekommen, über die Jahre wurden es immer mehr. Ebenso stieg die Zahl der Unterstützer, vom Blumenladen, der für die Deko zum Selbstkostenpreis arbeite, über Kirchen und Schulen, die Geld für das Essen sammelten bis zu den Teilnehmern bei einem „Pub-Quiz“, dessen Gewinnsumme an das Projekt geht. „Ich bin selbst erstaunt, wie sich das über die Jahre entwickelt hat“, sagt Starr. Sein Helferteam sei komplett, so Starr. Aber wenn jemand am 24. Dezember ganz alleine sei, könne er zum Helferteam in der Kirche dazu stoßen.

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