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Bescheidenes Dasein

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Agnes T. leidet unter Altersarmut, weil ihr verstorbener Mann krank war. Sein Tod war eine Zäsur, doch die Folgen der vorausgegangenen Jahrzehnte zogen ihre Spuren bis in die Gegenwart.

Jetzt habe ich es gut, aber das Geld fehlt“, konstatiert Agnes L. (Name geändert) beim Rückblick auf ihr bewegtes Leben, das nach der Schule eigentlich sehr vielversprechend begann. Mit 17 Jahren lernte sie in ihrer Geburtsstadt Gelsenkirchen den Sohn einer angesehenen und wohlhabenden Kaufmannsfamilie kennen. Aus der Beziehung sei schon bald eine Ehe und eine kleine Familie mit der Geburt der Tochter entstanden. Doch bald habe sich ein Schatten aufgetan. Die beruflichen Karriere ihres Mannes scheiterte früh an seiner unzuverlässigen und wankelmütigen Persönlichkeit, die sich im Laufe seinen Lebens immer stärker zu einer Psychose entwickelt habe. „Er war bipolar hoch drei. In den 60er-Jahren wusste man jedoch noch nicht so viel über diese Erkrankung, um ihm zu helfen“, sagt L..

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Überweisungen erbitten wir an: „Not gemeinsam lindern“ Alten- und Weihnachtshilfe der Frankfurter Rundschau e.V.

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Über die Website fr-altenhilfe.de können Sie sich informieren, wie der Verein Menschen in Not unterstützt. FR

Die Stellung im elterlichen Betrieb, einem Großhandel, schmiss er. Die dreiköpfige Familie zog nach Frankfurt, wo L.s Mann eine Stelle bei einem Versandhaus annahm. „Wir haben in Frankfurt ganz klein und mit Kind neu angefangen“, sagt 76-Jährige. Aber das Glück kehrte dennoch bei den L.s nicht ein. In diesem Job habe er es auch nicht lange ausgehalten. „Er hat nirgendwo fest Fuß fassen können, weil er das Angestelltendasein nicht aushalten konnte“, berichtet Agnes L.. Daraufhin habe sich ihr Mann eines Tages entschlossen, sich selbstständig zu machen. Aber alle Unternehmungen unter anderem mit einem Frühstücksservice seien gescheitert, wegen seiner seelischen Erkrankung. Das Geld sei somit knapp gewesen. Die Ehe sei nicht allein dadurch belastet worden. „Er war auch ein Trinker und gewalttätig gegen mich“, sagt L.. 1995 verstarb ihr Mann an Krebs.

In L.s Leben war dies eine Zäsur, doch die Folgen der vorausgegangenen Jahrzehnte zogen ihre Spuren bis in die Gegenwart. „Mein Mann hat nur ganz wenig in die Rentenkasse einzahlen können“, bemerkt die Witwe. Die Tochter sei zudem nicht im Stande, sie finanziell zu unterstützen. L. muss ein Rentnerinnenleben führen, das so gar nicht den Klischees aus der Werbung entspricht. „Ohne die Grundsicherung im Alter würde ich heute nicht über den Monat kommen“, sagt L.. Für Anschaffungen sei ohnehin kein Geld da.

Ihr bescheidenes Dasein lebt sie in einer kleinen Wohnung. Die Tage sind nun von Abwechselung begleitet. Sie genieße die Ruhe nach den turbulenten Jahren mit ihrem Mann. „Ich lese wieder viel, das habe ich schon in meiner Kindheit gern getan“, sagt sie. Für die 200 Euro Spende vom Lichterkasten hat L. noch keine konkrete Verwendung. „Ich hebe das Geld erst einmal auf, für alle Eventualitäten“, sagt L.

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