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Mit den Absperrgittern vor der Drogenhilfeeinrichtung Niddastraße soll der Mindestabstand eingehalten werden.

Drogenkonsum

Beschäftigte der offenen Drogenhilfe in Frankfurt klagt Zustände an

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Es mangelt an Schutz für Beschäftigte und Angebote für Konsumenten. Die Leitung der Integrativen Drogenhilfe sucht gemeinsam mit der Stadt nach Lösungen.

Seitdem bundesweit die Kontaktsperre gilt, wurde die Zahl der Konsumräume der Einrichtung in der Niddastraße wegen der Infektionsgefahr drastisch reduziert: Statt vormals 19 gibt es nur noch 6 davon. Die Folgen sind ein verknapptes Angebot, lange Wartezeiten und unbeaufsichtigter Drogenkonsum vor der Einrichtung. So berichtet es Angela Grünzel, Mitarbeiterin der Drogenhilfeeinrichtung Niddastraße im Bahnhofsviertel. Sie ist Mitverfasserin des offenen Briefs, der unter anderem an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Gesundheitdezernent Stefan Majer (Grüne) adressiert ist. Darin beklagen die Verfasserinnen und Verfasser die „unhaltbaren Zustände“, die sich vor und in der Einrichtung abspielen. „Wenn die Ausbreitung des Coronavirus verzögert werden soll, müssen diese Zustände sofort abgestellt werden“, schreiben sie.

Der normale Betrieb funktioniere nicht mehr, sagt Grünzel. „Die Klienten müssen draußen warten, weil sich im Aufenthaltsbereich maximal drei Personen aufhalten dürfen.“ Vor dem Eingang stünden Absperrgitter. Die Polizei fahre vorbei und fordere über Lautsprecher auf, die Abstände einzuhalten. Doch vor dem Konsumraum hielten sich regelmäßig 20 bis 50 Personen auf. Die von der Polizei aufgestellten Absperrgitter trügen in keiner Weise dazu bei, den empfohlenen Abstand einzuhalten.

Aber es sind nicht nur die reduzierten Konsumräume und die Absperrgitter, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen, sondern auch ihre Sicherheit und die der Klienten. „Wir haben keine Schutzkleidung und am Tresen vor der Auslage keine Plexiglasscheibe“, sagt Grünzel.

Im Bereich des Konsumraums, wo gebrauchte Spritzen gegen saubere getauscht werden können, fehlt ebenfalls eine Trennscheibe. „Gleichzeitig müssen wir den Konsum beaufsichtigen und Soforthilfe leisten, wenn ein Konsument eine Überdosis hat.“ Auch hier seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter völlig ungeschützt. „Der Konsument kann in einem solchen Moment husten oder sich übergeben“, sagt Grünzel. Darüber hinaus bräuchten die Konsumenten Hilfe, die in den Einrichtungen nicht mehr ausreichend gewährleistet werden könne. Grünzel fordert daher, die leerstehenden Hotels für die wohnungslosen Drogensüchtigen zu öffnen und allen Einzelzimmer zur Verfügung zu stellen.

Die Stadt suche derweil eine Unterkunft für Infizierte und „separate Quarantäneeinrichtungen“, sagt Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne). „Als Soforthilfe haben wir aus städtischen Beständen Mund-Nasen-Schutz für Drogenhilfeeinrichtungen zur Verfügung gestellt.“ Zudem seien weitere Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Drogenhilfeeinrichtungen vorgenommen worden wie etwa das Einsetzen von Plexiglasscheiben.

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