Bringt die Lachmuskeln in Bewegung: Costa Meronianakis.
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Bringt die Lachmuskeln in Bewegung: Costa Meronianakis.

Costa Meronianakis

Beruhigt euch!

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Costa Meronianakis war in den 90ern Rapper. Als „Illmatic“ spielte er im Vorprogramm von Michael Jackson. Dann hat der Frankfurter das Fach gewechselt.

Beruhigt euch“, sagt keiner so cool wie Costa Meronianakis. Außer vielleicht Chuck Norris. Der Frankfurter Comedian trägt ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift „FRNKFRTBRDI“ (Frankfurter Brudi) und eine umgedrehte Baseball-Cap. Er steht inmitten klatschender und johlender Zuschauern im Restaurant Chez Ima im Bahnhofsviertel. Er ist der Gastgeber und Mitbegründer der Show „Chuzpe“, zu der er Comedians der neuen Generation aus der ganzen Republik einmal im Monat nach Frankfurt einlädt. Ansonsten hat Meronianakis Auftritte deutschlandweit.

Neu-Fans brauchen ein paar Tage, um ihn überhaupt auf Facebook zu finden, sagt der 43-Jährige. Der TV-Sender Eins Festival kündigte ihn neulich als „Costa M., Nachname zu kompliziert zu merken“ bei der Comedyshow „Nightwash“ an. Selbst Moderatoren haben Probleme mit seinem Namen. „Ich wurde schon als Onaniernakis angekündigt. Kein Witz.“

Früher war das leichter. Da nannte er sich Illmatic und war erfolgreicher Rapper bei Moses Pelhams Label 3 P. Damals hatte er noch ein Boyband-Gesicht und einen schwarzen Lackmantel. Es waren die 90er. Mit Sabrina Setlur durfte er sogar mal als Vorband von Michael Jackson im Waldstadion auftreten.

Wegen seines Plattenvertrags kam der gebürtige Niedersachse mit 22 Jahren überhaupt nach Frankfurt. Das erste Graffito, das er am Hauptbahnhof sah, lautete: „Ich fege deine Mutter.“ „Ich dachte, was entgegnet man da, wenn das tatsächlich einer zu mir sagt. Kannst du auch staubsaugen?“ Er lacht. Auch das ist ein Gag in seinem Programm.

Ein Künstlername als Comedian kam nicht in Frage: „Es hat mich früher total genervt, dass meine Fans „Ey Illmatic!“ über die Zeil riefen. Und schon da dachte ich, wenn ich mal etwas anderes als Rap starte, dann sollen die Leute meinen verdammten Namen lernen. Auch wenn ich, bis sie ihn ausgesprochen haben, schon in Sachsenhausen bin“, sagt er und lacht beim Interview im Restaurant „Der Grieche“.

„Die Rapszene hat mich irgendwann einfach gelangweilt“, erzählt er. Bereits auf seiner „Freunde der Sonne“-Platte mit Kool Savas gab es lustige Skits, so nennt man Hörspiele auf HipHop-Alben: „Das war mehr so ein Schwachsinns-Gelaber zwischen einem Perser und einem Griechen. Ohne richtige Pointe. Plötzlich wollten super viele Rapper so ein „Ali-und-Stavro“-Skit auf ihrem Album haben.“ Er wollte aber Gags mit Pointe. Klassischen Stand-Up wie Eddie Murphy, Chris Rock oder Jerry Seinfeld machen. „Die habe ich immer sehr gefeiert.“ Wie sie wollte er authentisch, real sein. Er spielt keine Rolle, braucht keinen rosa Jogginganzug, um lustig zu sein.

Auf der Bühne entschuldigt sich Meronianakis gleich mal, dass er Grieche ist, erzählt, dass er sich seit der Finanzkrise in dem Heimatland seiner Eltern immer wieder dumme Sprüche anhören muss oder folgendes erlebt: „Ich war neulich in Berlin. Nachts. Und dann wollte mich ein Türke ausrauben. Da habe ich zu ihm gesagt: Alter, was machst du da, ich bin Grieche, übst du? Dann hat er mir einen Döner gekauft. Der war lecker.“ Er grinst. Alle lachen.

In die Ethno-Comedy-Schublade will er sich nicht einsortieren lassen. „Am Ende sind es vielleicht drei Griechen-Jokes in meinem Programm. Vor allem sind diese Klischee-Kanaken-Witze überhaupt nicht mehr wahr. Ich will eher etwas von mir und meiner Welt erzählen.“

Zu dieser zählen auch seine Eltern, die in den 70ern als Gastarbeiter von Kreta nach Deutschland kamen, oder auch „Frankfurter Gangstertauben“, die keinerlei Angst vor Menschen haben. Und obwohl er Frankfurt liebt, regt es ihn immer noch auf, wenn Hessen das Wort „als“ für „dauernd“ missbrauchen. Auf der Bühne erzählt er, wie er einmal zu spät zu einem Date kam: „Da sagte sie zu mir: ‚Ich habe als auf dich gewartet.‘ Ich antwortete: ‚Als was? Sahst du vorher anders aus?‘“

Zuerst hobbymäßig, versuchte er sich vor sechs Jahren als Comedian. Das Video von seinem ersten Zehn-Minuten-Auftritt in Darmstadt schickte er Henni Nachtsheim von Badesalz zu, den er über einen gemeinsamen Musikerkollegen kannte. Costa Meronianakis wollte wissen, ob es überhaupt Sinn ergibt, dass er Comedy weitermache. Nachtsheim sagte Ja. „Ich glaube, hätte Henni damals Nein gesagt, hätte ich tatsächlich nicht weiter gemacht.“

Am 8. April spielt Meronianakis im Berliner Quatsch Comedy Club sein 45-minütiges Halb-Solo. „Beruhigt euch“ soll sein 90-minütiges Solo heißen, an dem er gerade schreibt. Nebenbei macht er auch Hörspiele oder spricht Soldaten bei Ballerspielen. In einem polnischen Zeichentrickfilm, der bald auf DVD rauskommt, hat er gerade eine Ratte synchronisiert.

Die Tanznummer gehört zu seinen populärsten Gags: „Die Beobachtung im Club hat jeder schon mal gehabt. Da tanzt einer, aber nicht zu der Musik, die gerade läuft. Dann gibt es die Beyoncé-Frauen, also die den ganzen Abend gelangweilt an ihrem Drink schlürfen, bis ihr Lied kommt. Und dann rufen: „Das ist Beyoncé! Das ist mein Lied. Das sagen sie dann aber so, als ob sie gerade Krebs geheilt hätten.“ Dann imitiert er, wie sie ihre Handtasche auf dem Boden abstellen und lostanzen, als wären sie Teil eines sexy HipHop-Clips. Vor seiner Rapper-Karriere war er Background-Tänzer. „Mein Ansatz ist nicht, zu zeigen, dass ich singen oder tanzen kann, sondern Komik in einer alltäglichen Situation zu finden.“

Über seine „Chuzpe“-Veranstaltungen im Chez Ima sagt Meronianakis: „Ich finde es gut, wenn Comedians ihre eigenen Veranstaltungen machen, dann kann man sich auch gegenseitig buchen und ist auch nicht so abhängig von den traditionellen Häusern. Und die Leute lernen auch abseits von Bülent Ceylan neue Comedians kennen.“

Auf der Bühne erzählt er oft von seinem Ex-Kollegen Xavier Naidoo, mit dem er früher auf Tour war. „Wir chillen im Hotelzimmer und Xavier schaut mich plötzlich an und sagt: ‚Costa, Phil Collins ist der Teufel.‘“ Das Publikum lacht. Dann sagt Meronianakis: „Seitdem habe ich noch mehr Angst zu sterben, weil ich mir vorstelle, wie Phil Collins in der Hölle auf mich wartet.“

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