Ansgar Dittmar, hier mit Jasmin Kasperkowitz.
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Ansgar Dittmar, hier mit Jasmin Kasperkowitz.

AWO-Skandal  

AWO-Skandal: Hessen-Süd-Geschäftsführer Ansgar Dittmar muss sofort gehen 

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Der AWO-Geschäftsführer des Bezirks Hessen-Süd muss sofort gehen, aber auf die 80 Einrichtungen der Wohlfahrtsorganisation soll das keinen Einfluss haben.

Frankfurt - Nach wochenlangen Querelen um seine Zukunft trennt sich der Bezirksverband Hessen-Süd der Arbeiterwohlfahrt (AWO) jetzt von seinem Geschäftsführer Ansgar Dittmar. Der Vorstand beschloss die Abberufung des 49-jährigen Managers „mit sofortiger Wirkung“.

Als „Hintergrund“ nannte das Führungsgremium „unter anderem“, dass der AWO-Bundesverband zuletzt keine Fördermittel mehr nach Südhessen überwiesen hat. Geld soll es erst wieder geben, wenn eine „ordnungsgemäße Geschäftsführung“ gewährleistet sei, heißt es aus der Berliner Zentrale.

Der Bezirksvorstand mit dem früheren Stadtkämmerer von Gießen, Willy Jost (SPD), an der Spitze erklärte weiter, er wolle sich mit der Ablösung Dittmars „deutlich von den Missständen bei den Kreisverbänden Frankfurt und Wiesbaden distanzieren“.

Gegen führende Funktionäre beider AWO-Verbände ermittelt die Staatsanwaltschaft, unter anderem wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue. Es geht unter anderem in Frankfurt darum, dass die AWO städtisches Fördergeld für Flüchtlinge nicht ordnungsgemäß eingesetzt haben soll.

Der Sozialdemokrat Ansgar Dittmar war bis Dezember parallel zur Geschäftsführung in Hessen-Süd auch Vorsitzender des AWO-Präsidiums in Frankfurt gewesen. Vorwürfe gegen die dortige AWO betreffen neben den Zuschüssen für die Flüchtlingsheime unter anderem überhöhte Gehälter und Luxuswagen für höhere Funktionäre.

AWO-Skandal: Angebote haben Bestand

Dittmar war als Geschäftsführer für 80 Einrichtungen in Südhessen mit 3300 Beschäftigten zuständig. Der Bezirksverband versprach, dass die Vakanz an der Spitze „keine Auswirkungen auf Angebote und soziale Dienstleistungen für die Menschen“ haben werde. Die Gesellschaften des Bezirksverbands würden weiterhin von den operativen Geschäftsführern geleitet. Das Tagesgeschäft in der Zentrale in Frankfurt übernehme jetzt der geschäftsführende Bezirksvorstand „in enger Abstimmung mit den Fachbereichs- und Abteilungsleitungen“.

Erst im Juni soll eine Bezirkskonferenz zusammenkommen, der die Vertreter aller Kreisverbände angehören. Zuvor, so die Ankündigung, werde der Vorstand einen Personalvorschlag für eine neue Geschäftsführung unterbreiten.

Da Dittmars Vertrag als Geschäftsführer wegen einzuhaltender Kündigungsfristen erst am 15. März 2020 ende, werde er bis dahin von seiner Tätigkeit freigestellt.

Bei der SPD im Römer vertrat Geschäftsführer Holger Tschierschke die Ansicht, „Dittmar hätte selbst schon früher die Konsequenzen ziehen müssen“. Die Abberufung sei jetzt „der nötige Schritt gewesen“.

Bei den Sozialdemokraten im Rathaus herrscht die Sorge, dass die Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt ihre Gemeinnützigkeit verlieren könnte. Das lasse sich nicht ausschließen, urteilte der Geschäftsführer. In diesem Fall könne die Organisation ihre sozialen Einrichtungen, darunter alleine 18 Kindertagesstätten, nicht mehr weiterbetreiben. „Das“, sagte Tschierschke, „würde erhebliche Probleme für die Stadt mit sich bringen.“

Nun versucht die AWO einen Neustart: Die renommierte Compliance-Anwältin Sylvia Schenk (SPD) moderiert am Samstag den geplanten Neuanfang bei der AWO in Frankfurt. Im Interview erklärt sie, worauf es dabei ankommen wird.

Petra Rossbrey, neue Vorsitzende des AWO-Präsidiums Frankfurt, spricht im Interview mit der FR über ihre Aufklärungsarbeit sowie die Verunsicherung und Hoffnung bei den Beschäftigten.

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