Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ochs wird wie kein anderer in Frankfurt als Repräsentant des Stadtteils Bornheim angesehen.
+
Ochs wird wie kein anderer in Frankfurt als Repräsentant des Stadtteils Bornheim angesehen.

Bornheim

Bernhard Ochs, der Ur-Bornheimer

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
    schließen

Ein Würdigung zum 70. Geburtstag von Bernhard Ochs, der mehr ist als nur der engagierteste Repräsentant eines Stadtteils.

Es war ein Schock damals. Nach 37 Jahren (!) in der SPD verließ Bernhard Ochs seine Partei. Auch seine Ehefrau Ricarda Köhler trat aus. Das war 2012. Und Ochs hatte mal wieder seinem Ruf als Enfant terrible der Frankfurter Kommunalpolitik alle Ehre gemacht. Unter der Hülle des kauzigen Raubautzes versteckt sich nämlich ein verletzlicher, sensibler Mensch. Am heutigen Freitag feiert der Ur-Bornheimer seinen 70. Geburtstag.

Der gelernte Schriftsetzer und studierte Diplompädagoge wird wie kein anderer in Frankfurt als Repräsentant des Stadtteils Bornheim angesehen. Er war Ortsvorsteher dort und ist bis heute Ehrenvorsitzender des Vereinsringes und Mitglied zahlreicher Vereine. Er tritt bei seinen Führungen als Stadtteilhistoriker seit 20 Jahren gerne auch in der Uniform der Bornheimer Bürgerwehr auf, die beim Einmarsch der Preußen 1866 verboten wurde: „Es gibt ja in Frankfurt keine Tracht außer der Niedertracht“, das ist so ein typischer Ochs-Satz, vorgebracht mit einem Schmunzeln. 

Bewegte politische Vergangenheit 

Aufgefallen ist der junge Sozialdemokrat als Linker, etwa Anfang der 80er Jahre in der Bürgerinitative gegen den damaligen Nazi-Buchladen in Bornheim. Wenn er die vorbestraften Neonazis in der Straßenbahn traf – Bornheim ist ja ein Dorf –, rief er gerne: „Haut mir eine rein, dann ist die Bewährung futsch!“

1987 gehörte Ochs zu den Besetzern der Börneplatz-Baustelle. Oberbürgermeister Wolfram Brück (CDU) wollte die Überreste des jüdischen Ghettos unter einem Stadtwerke-Bürobau verschwinden lassen. Das empörte den Besetzer: „Es ging ja schließlich um das jüdische Leben in Frankfurt.“ Von der Mutter her hatte der junge Mann „jüdische Wurzeln“, die Schwester seiner Mutter aus den Niederlanden, die stets Schokolade mitbrachte, war Jüdin. Die Familie Ochs war ansonsten eine zutiefst sozialdemokratische, der Großvater wurde als SPD-Stadtverordneter in Kaub 1933 von den Nazis verhaftet.

18 Jahre arbeitete der junge Sozialdemokrat als Setzer, dann vier Jahre als Leiter der Presseabteilung der sehr kämpferischen Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL). 

Anfang der 90er Jahre wurde Ochs als Mitarbeiter der Frankfurter SPD-Chefin Anita Breithaupt voll in die Konflikte um den Oberbürgermeister Volker Hauff hineingezogen. Hauff floh 1991 entnervt aus der Stadt, angeblich auch, weil er sich von Breithaupt hintergangen fühlte. Ochs hat heute eine ganz andere Sichtweise: „Hauff hatte Probleme mit weiblichen Magistratsmitglieder, er war macho-mäßig drauf.“ Der Stadtverordnete aus Leidenschaft (1990 bis 1993, 1996/97 und seit 2006) sieht sich noch immer „im weitesten Sinne als Linker“. 

SPD-Austritt nach „tiefgreifender Beleidigung“ 

Dass er dennoch vor sechs Jahren die SPD verließ, hatte etwas mit dem Gefühl tiefer Kränkung zu tun. Ochs hatte in der Römer-Fraktion einen Antragsentwurf vorgelegt, der sich mit der Randale von Neonazis am Mahnmal Börneplatz beschäftigte.

Dem Vernehmen nach gab es Leute in der SPD-Fraktion, die sich über diesen Vorstoß amüsierten – nach dem Motto: Was will denn der Alte da? Ochs jedenfalls fühlte sich „tiefgreifend beleidigt“ und verließ seine sozialdemokratische Familie. Heute ist er im Stadtparlament Vorsitzender der dreiköpfigen Römer-Fraktion „Die Frankfurter“.

Überflüssig zu betonen, dass diese Gruppierung für funktionierende Stadtteile kämpft, gegen die Verödung von Einkaufsstraßen, für Quartiersmanager etwa auf der gefährdeten Berger oder der Leipziger Straße.

Seinen Geburtstag wird er heute bei der SG Bornheim Grünweiß feiern, einem Traditions-Fußballverein. Statt Geburtstagsgeschenken wünscht er sich lieber Geldspenden an den Verein, der für eine Kita sammelt. Es werden zur Feier gewiss auch Sozialdemokraten kommen – mit einzelnen pflegt er „immer noch tiefe Freundschaften“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare