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Beim Afrikanisch-Karibischen Kulturfest auf dem Rebstockgelände wurde viel getanzt.

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Feste in Frankfurt: Von Bernem nach Japan am Main

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Zahlreiche Feste zeigten am Wochenende die ganze Vielfalt Frankfurts an einem Abend. An unterschiedlichen Orten kamen die Menschen zum Feiern zusammen.

Wer am Samstag Frankfurts Vielfalt feiern wollte, konnte zwischen fünf ganz unterschiedlichen Festen wählen – oder alle besuchen. Erste Station ist das Apfelweinfest am Roßmarkt: Zur Mittagszeit sammeln sich Familien, Touristen, Trinkfreudige oder Menschen, die auf den Bierbänken eine kurze Pause vom Shopping einlegen. Auf der Bühne gibt es Liveprogramm und natürlich Apfelwein an allen Ecken – auch in verschiedenen Mix- oder Feinschmeckervariationen.

Außerdem gibt es Souvenirs für Apfelweinfans wie Kugelschreiber mit Bembelmuster. „Es ist halt das Apfelweinfest – nichts Spektakuläres, aber immer nett“, sagt die 36-jährige Stephanie, die mit ihrem Freund zufällig vorbeikam und einen kurzen Zwischenstopp mit Flammkuchen und Äppler einlegte. Die Verkäuferin am Fish-and-Chips-Stand empfiehlt Pommes mit Apfelmus: „Herzhaft und süß gemischt, das ist lecker – und irgendwas mit Apfel müssen wir ja anbieten.“ Das neunte Apfelweinfest dauert noch bis zum 18. August und gilt als inoffizieller Startschuss für die Apfelernte. Am 14. August wird ab 13 Uhr der Ehrenpreis „Goldener Apfel“ für besonderes Engagement zum Schutz und Erhalt hessischer Streuobstwiesen verliehen: Getrunken wird also für einen guten Zweck.

Beim Apfelweinfestival auf dem Roßmarkt war gute Stimmung.

Zur zweiten Station geht es über den Main, zum Japanfestival, das erst zum zweiten Mal in Frankfurt stattfindet. Nach dem Vorbild japanischer Sommerfeste, genannt Matsuri, wird einem breiten Publikum in Sachsenhausen japanische Kultur präsentiert. Dazu gibt es ein Bühnenprogramm mit aus Japan eingereisten Künstlerinnen und Künstlern, Workshops, Vorträge und einen großen Markt mit Essens-, Merchandise- und Infoständen. Und tatsächlich strömen am Samstagnachmittag sehr unterschiedliche Menschen zum Walther-von-Cronberg-Platz: Viele Cosplayer, die sich nach Charakteren aus Filmen oder Serien verkleiden, viele Familien, teils selbst mit japanischem Hintergrund und traditioneller Kleidung, viele Japanfans – und viele, die einfach am Fest interessiert sind. „Japan hat für alle was zu bieten, und hierher kommen ganz unterschiedliche Menschen, alle Generationen. Es ist sogar noch mehr los als letztes Jahr“, sagt eine 29-Jährige aus dem Organisationsteam, die nicht namentlich genannt werden will.

Sie freut sich am meisten auf die große Party am Samstagabend. In der Zwischenzeit gibt es eine spannende Liveshow: Kazuya Usui malt auf der Bühne mit Tusche, begleitet von Rockmusik auf dem japanischen Saiteninstrument Shamiseneine. Kyoko Tsudas, die mit Ehemann und zwei Töchtern – beide in Yukatas gekleidet, einem japanischen Sommerkleid – aus dem Taunus angereist kam, ist begeistert: „Ich bin überrascht, dass das Fest so groß ist – so viel Essen und Kultur, das ist toll. Aber es sind viele Cosplayer.“ Zwischen diesen Verkleideten gibt es später einen Wettbewerb. Eine 16-Jährige, die nach einem selbst entworfenen Charakter verkleidet ist, freut sich besonders, „meine Freunde hier wiederzusehen“. Sie und ihre Begleiterin, die nach der Figur Eri aus der Serie „My Hero Academia“ verkleidet ist, kommen am Sonntag noch mal: „nur shoppen und entspannen, dann ohne Kostüm“.

Das Shamisen Duo „Kitamura Sisters“ begeisterte das Publikum beim Japanfestival auf dem Walther-von-Cronberg-Platz.

Auch das dritte Fest präsentiert andere Kulturen: Seit 1996 wird im Frankfurter Rebstockpark beim Afrikanischen und Karibischen Kulturfest unter dem Motto von Bob Marley „Let’s get together and feel alright“ gefeiert. Ziel ist es, Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenzubringen, zu vernetzen und Vorurteile abzubauen. Mit Infoständen afrikanischer Vereine, einem großen Markt mit Kunsthandwerk, Tüchern, Kleidern, Schmuck, Essensständen, einer Hüpfburg für Kinder und Livemusik bietet das Fest eine sehr entspannte und fröhliche Atmosphäre. Viele Frauen und Kinder tragen bunte, traditionelle Kleidung, die Menschen sitzen auf Decken auf der Wiese oder tanzen. Die 52-jährige Laetitia verkauft Stoffe, Kunsthandwerk und Schmuck aus Ghana und Togo: „Es macht mir Spaß, hier die Sachen auszustellen, mit den Leuten zu reden – egal ob ich was verkaufe.“ Die 25-jährige Jai ist die Tochter des Veranstalters, war schon als Kind mit dabei und sitzt heute am Einlass der Festivals. Sie mag „das gemischte Publikum, von alt bis jung, es macht einfach Spaß hier. Und es ist cool, dass so viele verschiedene afrikanische Länder vertreten sind.“

Bei der vierten Feststation wird es dörflich: Seit 1608 wird in Bornheim die Kerb gefeiert, das „Lustige Dorf“ verwandelt sich in eine große Festmeile mit Festzug, Musik, Kerbepaar samt Kerbeburschen und vielen, vielen Menschen, die auf den Straßen feiern – sechs Tage lang, mitten in der Großstadt. Ein Bierverkäufer lobt das Fest: „Hier geht es nur um Spaß und Freude, wir zeigen, dass Geld eben nicht alles ist.“ Auch Franziska und Markus, die beide in Bornheim leben und am Abend zuvor zufällig in einer Kneipe schon die ganze Kerbemannschaft kennengelernt haben, kommen gerne her. Besonders gefällt ihnen „die tägliche Livemusik an der Zwiwwelkerch“ – dem Festplatz an der Bornheimer Johanniskirche. Der Dorfcharakter des Fests wird auf den Straßen und Gassen gelebt, einige sind im Trachtenoutfit gekommen.

Vor allem viele Cosplayer besuchten das Japanfestival am Main.

Zur letzten Station geht es in die alte Druckfarbenfabrik am Milchsackgelände in der Gutleutstraße. Neben dem Technoclub Tanzhaus West versammeln sich hier seit 20 Jahren auch Künstlerateliers, das Theater Landungsbrücken und eine sozialpädagogische Bildhauerwerkstatt. Das Sommerfest der Kulturfabrik bietet im Rahmen der Tage der Industriekultur eine Führung mit dem Eigentümer durch die ehemaligen Produktionshallen. Den ganzen Tag über gibt es Programm, auch für Kinder: Workshops, Führungen, Ausstellungen und Livemusik. Abends ist das Essen fast ausverkauft, es war ein erfolgreicher Tag. Die letzten Verbliebenen sitzen mit Getränken unter den Pavillons mit Lichterketten im Hof und schauen das Feuerwerk an. Nadine Tannreuther, die mit Yasar Honneth die Initiative Gutleutviertel als ehemaliges Uni-Projekt zur Sichtbarmachung und Vernetzung des Viertels gegründet hat, verkauft Getränke. Mit dem Tag ist sie sehr zufrieden: „Es waren ganz unterschiedliche Leute da, auch Ältere, die uns noch gar nicht kannten. Wir werden immer größer, das ist toll.“

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