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Musikszene Frankfurt

Auf der Suche nach Strahlung

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Singen in Frankfurt weniger Popstars als anderswo? Was haben andere Städte, was wir nicht haben?

Lady Gaga in Köln. Metallica in Mannheim. Franz Ferdinand in Köln. Lana Del Rey in Berlin. Katy Perry in Köln. Roger Waters in Mannheim. Shakira in Köln. Die Foo Fighters in Hamburg. Ozzy Osbourne in Oberhausen. Eric Clapton in Köln. Jeff Lynn’s ELO in Mannheim. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Die Beispiele haben alle eines gemeinsam: Es handelt sich um Rock- und Popstars, die voriges Jahr in Deutschland Hallenkonzerte gegeben haben – nur nicht in Frankfurt.

Ein Musikfreund, der nicht namentlich genannt werden will, hat sich mal die Mühe gemacht, alles aufzuschreiben. Er ärgert sich darüber, dass einige seiner bevorzugten Bands nie herkommen. Die Foo Fighters hätten noch nie in Frankfurt gespielt, kritisiert er, die Killers würde er gern mal sehen – aber Fehlanzeige. Sein Fazit: „Ich muss leider feststellen das Frankfurt in Sachen Konzertveranstaltungen in die Drittklassigkeit abgestiegen ist.“ Viele Veranstalter hätten offenbar kein großes Interesse, renommierte Bands in die Stadt zu holen, selbst Frankfurter Agenturen buchten Stars lieber für Hallen in Mannheim oder Köln.

Ist da was dran? In der Szene ist durchaus gelegentlich ein Rumoren zu hören, diese oder jene Band komme ja nie nach Frankfurt. Wenn ein Abstecher nach Deutschland anstehe, seien Berlin und Köln erste Wahl, dahinter München, Hamburg und die große Mannheimer SAP-Arena.

Aber bei Licht betrachtet, was sagen die Fachleute? Frank Diedrich, alter Hase im Geschäft, der bis vor kurzem mit seinem Club Das Bett immer wieder die erstaunlichsten Leute nach Frankfurt holte, wenn auch nicht die allererste Reihe - was sagt er? „Ob Bands oder Veranstalter Frankfurt meiden? Das glaube ich nicht.“ Stars seien auch in Frankfurt immer wieder zu Gast. Diedrich sieht aber durchaus die Unterschiede. „Köln und Berlin haben ein ganz anderes Publikum“, sagt er. Während in Frankfurt vieles unter dem Motto „Afterwork“ geschehe, also nach dem Job ein Bier in entspannter Atmosphäre, aber nicht unbedingt ein Rockkonzert, könnten Veranstalter an Rhein oder Spree oft die doppelte Anzahl Tickets verkaufen; besonders für Bands, die knapp unterhalb der internationalen Spitze lägen. „Die Locations sind ja da“, sagt Diedrich.

Da ist er sich mit den meisten Veranstaltern einig. Hallen in allen Größen hätten Frankfurt und Offenbach zu bieten, und wenn es ganz doll wird, gibt es das Waldstadion. Der Frankfurter Musikjournalist Detlef Kinsler, seit Jahrzehnten der beste Kenner der Szene, hat sich ausführlich mit den Bookern über den Stellenwert Frankfurts unterhalten, von der Batschkapp bis zu Marek Lieberbergs Live Nation. Seine Einschätzung: Die Zeiten, als Superstars gar nicht an uns vorbeikamen, als die Doors auf dem Römerberg spielten, Jimi Hendrix in der Jahrhunderthalle, als Janis Joplin hier und nur hier sang, diese Zeiten seien vorbei. Aber von toter Hose könne keine Rede sein, und beim HipHop sei Frankfurt sogar top.

Tote Hose würde auch Bernd Hoffmann nicht sagen, Konzertveranstalter mit jahrzehntelanger Erfahrung und der Mann, der das „Women of the World“-Festival (kurz W-Festival) 2012 gründete. In Frankfurt übrigens. „Ich bin begeisterter Frankfurter“, sagt er. „Die Locations sind hier so gut oder so schlecht wie in allen anderen großen Städten.“ Aber wenn er den Blick beispielsweise übers Programm des Musikmesse-Festivals schweifen lässt: „Dionne Warwick, En Vogue, Gino Vannelli“, sagt er. „Jooaaa ...“

Die Frage sei doch, sagt Hoffmann: „Welche Strahlung hat eine Stadt?“ Und gibt selbst die Antwort: „Wir leiden unter dem Image der kühlen Bankenmetropole.“ Köln, Berlin, sogar Bremen hätten ein gewisses „Strahlungsmodell“ – „und dieses Signal habe ich hier in den vergangenen 20 Jahren nicht gesehen“. Zäh, beamtisch, das seien eher Frankfurter Attribute, nicht etwa die sinnliche Kulturstadt. Das sei früher anders gewesen. „Da hatten wir einen Adorno – und einen Joschka Fischer uff de Gass.“ Wenn es gelänge, die Stadt wieder zum Kulturanker zu machen wie einst unter dem Dezernenten Hilmar Hoffmann, sagt der Namensvetter, dann könnte es wieder etwas werden: „Das Potenzial ist ja da, Frankfurt ist eine reiche Stadt. Wir sollten uns neu erfinden.“

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