Pfarrerin Antonia von Vieregge an ihrem Arbeitsplatz in der Michaelis-Kirche.   
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Pfarrerin Antonia von Vieregge an ihrem Arbeitsplatz in der Michaelis-Kirche.  

Berkersheim

Neue Pfarrerin in Berkersheim: Vielfalt ist ihr ein Anliegen

  • Fabian Böker
    vonFabian Böker
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Antonia von Vieregge will neue Aspekte in ihren Berufsalltag in der evangelischen Michaelis-Gemeinde bringen.

Wer denkt, mit einer Pfarrerin könnte man sich nur über Gott, Glaube und Kirche unterhalten, sollte mal Antonia von Vieregge treffen. Die 31-Jährige ist bereits seit Juli 2019 Pfarrerin der evangelischen Michaelis-Gemeinde in Berkersheim, doch erst seit einigen Tagen übt sie diese 50-Prozent-Stelle auch voll aus. Das Gespräch mit ihr dreht sich schnell um Diversität, Vielfalt – und darum, wie sie diese Themen in ihrem Berufsalltag unterbringen kann und will.

Vielfalt ist schon lange ein Aspekt im Leben der gebürtigen Eschbornerin. Während andere nur an einem Ort studieren, hat von Vieregge das in Mainz, Heidelberg, Greifswald, Tübingen und Pretoria gemacht. Auch in Dallas hat sie bereits ein halbes Jahr gelebt. Nun arbeitet sie in der Nähe des Dalles’, wie der kleine Ortsmittelpunkt in Berkersheim genannt wird. Und versucht hier, ihre Erfahrungen aus ihrem Spezialvikariat einzubringen.

Das hat sie nach Abschluss ihres Vikariats, also der praktischen Ausbildungszeit als Pfarrerin, am Frankfurter Flughafen absolviert, im Referat Diversity der Fraport. Sechs Monate war sie dort, ermöglicht durch die Evangelischen Kirche Hessen Nassau, die sie in dieser Zeit weiter bezahlt hat. Gelernt hat sie dabei vor allem etwas über die Bedeutung von Vielfalt.

So wurde ihr klar, dass Vielfältigkeit eine Chance ist, auch für ein Unternehmen wie die Fraport. Dass, wenn sie gefördert wird, sogar ein Wirtschaftsfaktor ist. Aber auch, dass Vielfältigkeit „nicht nur Spaß macht, sondern Konflikte hervorrufen kann“. Und dass man sich deshalb auch fragen muss: „Halten wir Vielfältigkeit aus?“

„Kirche ist eher selten divers“

Von Vieregge tut das, und sie hat sich zum Antritt ihrer ersten Pfarrstelle natürlich überlegt, was es mit Vielfältigkeit in der Kirche – vor allem konkret in ihrer Gemeinde – auf sich hat. „Kirche ist eher selten divers“, das war ihr vorher schon klar.

Diese Vielfältigkeit ist aber eine andere als in anderen Bereichen, es treffen vor allem Alt und Jung aufeinander. Aber auch das „Mindset“, wie es von Vieregge nennt, unterscheidet sich von Gemeindemitglied zu Gemeindemitglied. Sie selbst, als weiße, evangelische Frau Anfang 30, denkt trotzdem anders über manche Dinge als eine vergleichbare Frau, die etwa keine Mutter ist. „Unsere Mitglieder haben alle unterschiedliche Bedürfnisse, aber wir sind eine Gemeinde.“

Um diese Bedürfnisse zu vereinen, veranstaltet sie zum Beispiel den „Gottesdienst unterwegs“. Bei diesem besteht zwischen 9.30 und 11.30 Uhr die Möglichkeit, sich auf einen etwa 30-minütigen Rundweg durch den Stadtteil Berkersheim zu begeben, entlang einzelner Stationen. Eine Ausgabe zum Thema Freiheit gab es bereits, eine weitere ist für den 6. September geplant.

Von Vieregge ist klar, dass ein solcher Rundgang in der Mobilität eingeschränkte Menschen eher ausschließt. Diese Abwägung muss sie treffen, andere Gottesdienste kommen dafür wieder den älteren Gemeindemitgliedern entgegen. Diese finden mittlerweile auch wieder in der Kirche statt, an zwei Sonntagen im Monat, 18 Personen sind dann zugelassen. Eine Messe pro Monat findet im Pfarrgarten statt, eine vierte online.

Doch egal, auf welche Weise Antonia von Vieregge ihre Gemeindemitglieder erreicht: Wenn sie sich weiterhin so wohl in ihrer neuen Heimat fühlt, wie sie das bisher schon tut, dann ist sie zufrieden.

Infos gibt es unter michaelisgemeinde-frankfurt.ekhn.de.

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