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Jürgen Schmitt (2. v. r.) und Team sowie Anne Lederer von der Stadtplanung (l.).

Höchst

„Manchen Eigentümern ist es egal“

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Jürgen Schmitt vom Stadtteilbüro über Stadtentwicklung und ansprechende Fassaden

Herr Schmitt, seit Januar gibt die Stadt Geld für ein weiteres Förderprogramm für die Höchster Innenstadt. Wofür?
Wir wollen im Auftrag des Stadtplanungsamts und gemeinsam mit der Modernisierungsberatung des Büros Ammon und Sturm Hauseigentümer und die Lokal- oder Ladenpächter animieren, die gewerblich genutzten Erdgeschosse aufzuwerten. Es geht darum, Leerstände zu beenden, Räume zu modernisieren und Fassaden attraktiver zu gestalten. Es gibt auch Fördergeld für die Einrichtung der Räume oder für gemeinschaftliches Engagement, also für Veranstaltungen, die das Image des Stadtteils aufwerten.

Welche wären das?
Zum Beispiel das Suppenfest des Bunten Tisches oder der Frühjahrsspaziergang der Kreativen.

Oder der Designparcours?
Da ist es anders. Das ist ein eigenes Projekt, das die Projekt-Stadt gemeinsam mit der Leerstandagentur Radar durchführt. Damit waren wir auch beauftragt, als es kein Stadtteilmanagement gab.

Sie sprechen es an: Von 2012 bis 2017 ist die Projekt-Stadt bereits vor Ort gewesen. Was ändert sich mit dem neuen Auftrag?
Wir haben eine andere Ausrichtung. Vorher war es die Förderung von Wohnraum. Wir haben Impulse gegeben, damit Hauseigentümer sanieren, Wohnraum schaffen. Dafür gibt es aber auch ein stadtweites Programm. Außerdem haben wir gemerkt, dass wir die meisten Eigentümer erreicht haben. Es haben sich immer mehr kommerzielle Immobilienentwickler gemeldet. Die müssen wir nicht fördern.

Wäre es denkbar, aus einem Ladenlokal eine Wohnung zu machen oder es für eine ganz andere Nutzung umzugestalten?
Wenn das an der Stelle sinnvoller ist als eine Nutzung für Einzelhandel. Ein Beispiel wäre der alte Tengelmann-Markt an der Antoniterstraße. Das war ein relativ großes Geschäft, es wäre schwer gewesen, einen Nachfolger zu finden. Der Eigentümer hat die Schaufenster wieder zugemacht und Arztpraxen eingerichtet. Das entspricht auch dem historischen Stadtbild. Früher hatte das Gebäude keine Schaufenster.

Wie gehen Sie vor?
Der erste Schritt ist die Analyse. Wie ist die Situation zur Zeit, wo stehen Läden leer? Außerdem müssen wir schauen: Was für Nutzungen laufen gut, welche nicht.

Was läuft denn gut?
Aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Friseure. Da erhalten die Kunden eine Dienstleistung, die sie nicht im Internet bekommen. Außerdem haben die Geschäfte kommunikative Funktion. Das beobachten wir oft in Stadtteilen mit hohem Migrantenanteil. Man trifft sich beim Friseur.

Aber man kann jetzt nicht überall einen Friseur einrichten.
Natürlich nicht. Wir müssen ohnehin differenzieren, welche Nutzung zu welcher Straße passt. Müssen Profile entwickeln, ein Leitbild, für das man werben kann. Die Königsteiner ist anders als die Bolongarostraße. In der Hostatostraße gibt es noch einige inhabergeführte Geschäfte. An der Dalbergstraße eher den Lebensmittelbereich. Höchst hat vielfältiges Potenzial, bei dem man ansetzen kann.

Was ist der nächste Schritt?
Wir schreiben alle Eigentümer an. Wir werden auch eine Infoveranstaltung organisieren, bei der wir Möglichkeiten aufzeigen. Eigentümer, die im gleichen Haus wohnen oder wenigstens im Stadtteil, gewinnen wir leichter. Die sind daran interessiert, in einem ansprechenden Stadtteil zu leben. Aber es gibt auch Eigentümer, die ihre Immobilie noch nie gesehen haben. Denen ist es wurscht, wie sich der Standort entwickelt. Ein Wettbüro zahlt gute Miete, denken sie. Manchmal ist es den Eigentümern auch egal, ob das Ladenlokal leer steht. Solange die Wohnungen darüber gut vermietet sind.

Was können Sie bieten?
Wir haben ein Zuckerbrot, eine kostenfreie Beratung, einen Zuschuss. Das Büro Ammon und Sturm wird ein Fassadenleitbild entwickeln. Aufzeigen, was möglich wäre, auch weniger kostenintensive Ideen präsentieren. Zum Beispiel könnten die Ladeninhaber manche Werbetafel ersetzen. Oder die Hausbesitzer Vorbauten abreißen, die sich optisch nicht so gut einfügen. Wenn es ansprechender aussieht, zieht das mehr Aufmerksamkeit auf sich.

Eine Peitsche haben Sie nicht.
Wir können niemanden zwingen, aber vielleicht überzeugen. Wir sehen uns als Stadtteil-Agentur, können vermitteln und vernetzen. Manchmal hilft nur noch, auf einen Eigentümerwechsel zu warten. Stadtentwicklung kann sich so über Jahrzehnte ziehen.

Interview: George Grodensky

Zur Person und Terminen

Jürgen Schmitt ist Projektleiter des Stadtteilmanagements, das die Projekt-Stadt im Auftrag der Stadt durchführt. Der 52-jährige Stadtplaner war von 2014 bis 2017 bereits im Stadtteilbüro aktiv. Das Frankfurter Stadtplanungsamt stellt neuerlich zehn Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre zur Verfügung.

In einer Auftaktveranstaltung am Donnerstag, 28. März, stellt das Stadtteilbüro Team und Förderprogramm Eigentümern, Gewerbetreibenden und Stadtteilaktiven vor. Der Ort steht noch nicht fest. Anmeldung möglich.

Bei der Aktion „Höchst isst bunt“ des Bunten Tischs am Freitag, 10. Mai, auf der Königsteiner Straße, will das Stadtteilbüro Ideen und Anregungen zur Königsteiner Straße sammeln. Nach den Sommerferien soll es eine Stadtteilwerkstatt für alle Höchster geben. Teilnehmer sollen Ideen einbringen und Projekte initiieren. Dort wird das Büro auch Zwischenergebnisse der Standort-Analyse vorstellen.

Im Herbst folgt ein Workshop zum Fassadenleitbild. Teilnehmer bekommen Tipps, wie sie mit wenig Aufwand ihre Fassade verschönern können.

Kontakt Stadtteilbüro Höchst, Bolongarostraße 135. Geöffnet Dienstag 13 – 16 Uhr, Mittwoch 13– 19 Uhr, Freitag 10 – 13 Uhr. Modernisierungsberatung mit Architekt Frank Ammon ist dienstags 16-18 Uhr. Telefon 21 24 08 02, Mobil 0178 / 600 12 65. juergen.schmitt@nh-projektstadt.de

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