Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bei Ausgrabungen in Berkersheim stießen Rolf Skrypzak (rechts) und sein Team auf Gräber.
+
Bei Ausgrabungen in Berkersheim stießen Rolf Skrypzak (rechts) und sein Team auf Gräber.

Berkersheim

Der Kinderfriedhof der Merowinger in Berkersheim

  • VonFriedrich Reinhardt
    schließen

Die Funde aus frühmittelalterlichen Gräbern sind nun ausgewertet. Es sind vor allem Kinder, die dort beerdigt wurden.

Berkersheims ältester Friedhof liegt am Dachsberg. Genauer gesagt zwischen Dachsberg und Huswertstraße, wo heute die Bewohner und Bewohnerinnen der Häuser 89 bis 105 in ihren Gärten grillen und entspannen. Und vermutlich zieht er sich noch weiter auf die östlichen Felder, wie das Denkmalamt bei Feldbegehungen feststellte.

Im 6. Jahrhundert, in der frühmittelalterlichen Merowingerzeit, wurden hier Menschen bestattet. Das erste Grab wurde schon im Jahr 1900 entdeckt. Die neuesten Funde aus dem Februar 2020 hat das Denkmalamt inzwischen ausgewertet und im Jahrbuch für Archäologie und Paläontologie in Hessen veröffentlicht. Dort wagen Andrea Hampel, Leiterin des Denkmalamts, und Uta von Freeden auch eine Erklärung für eine Merkwürdigkeit der neusten Funde.

Als Grabungsleiter Rolf Skrypzak und sein Team mit Schaufeln und Baggern am Dachsberg anrückten, wussten sie schon, dass die Chancen gut standen, auf den 193 Quadratmetern im Garten der Hausnummer 97 fündig zu werden. Und fündig wurden sie. Insgesamt elf Gräber aus dem 6. Jahrhundert. „Die Gräber lagen in vier Reihen angeordnet und stellen lediglich den Ausschnitt eines erheblich größeren Friedhofs dar“, schreiben Hampel und von Freeden. Sie stammten wohl aus der Gründungszeit der Siedlung.

Besonders auffällig für die Archäologen: die hohe Anzahl von Kindergräbern. In den elf Gräbern wurden fünf Knaben, zwei Mädchen und ein Kind, dessen Geschlecht nicht bestimmt werden konnte, beerdigt. In zwei Gräbern lagen Frauen, die über 60 Jahre alt wurden. Archäologen erkennen das Geschlecht anhand der Grabbeigaben. „Das können Teile der Tracht sein, Dinge des täglichen Lebens oder Objekte, die im Jenseits gebraucht werden“, sagt Grabungsleiter Skrypzak in einem Video anlässlich des Hessen-Archäologie-Tags.

So fanden die Archäologen zu den Füßen des Skeletts eines jungen Mädchens einen Keramiktopf. „In dem Topf war vermutlich etwas zu essen, ein Reiseproviant für den Weg ins Jenseits“, sagt Skrypzak. Auf Höhe des Brustkorbes lag „leuchtend bunter Perlenschmuck“. Aus Glas und Bernstein bestehen die Perlen. Auch sogenannte Scheibenfibeln lagen im Grab, sie haben den Halsausschnitt des Kleides verschlossen. So ist erkennbar, dass es sich um ein Mädchen handelt.

Nur: warum so viele Kindergräber? Dies sei außergewöhnlich, vergleiche man dies etwa mit den mittelalterlichen Bestattungsplätzen, die in Harheim oder Nieder-Erlenbach gefunden wurden. Da bisher nur ein kleiner Teil des Friedhofs erforscht werden konnte, sind sie vorsichtig mit ihrer Analyse, wollten sie jedoch wegen „einiger hervorstechender Indizien“ wagen.

Unter den Grabbeilagen fand Skrypzaks Team auch Keramiken, die für unsere Region ungewöhnlich sind und eher in Norddeutschland, dem westlichen Frankreich und England zu finden sind. Das zeige, dass auch schon vor 1400 Jahren über weite Distanzen gereist, gehandelt und geheiratet wurde. Auch wurde in einem Kindergrab eine Sammlung von Scherben aus unterschiedlichen Glasgefäßen gefunden.

Im Video sagt Elke Sichert vom Denkmalamt: „Diese Glasgefäße waren im frühen Mittelalter selten und teuer. Es kostete das Kind also sicher viel Zeit und Mühe, so viele Glasscherben zu ergattern und in seiner Bauchtasche verschwinden zu lassen.“ Auch ohne Funktion seien manche Gegenstände aufgehoben worden – einfach weil sie schön waren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare