Lothar Bastian zwischen Reithalle und der gesperrten Unterführung Im Wiesengarten. 
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Lothar Bastian zwischen Reithalle und der gesperrten Unterführung Im Wiesengarten. 

Berkersheim

Angst vor gesperrtem Niddatal in Berkersheim

  • Fabian Böker
    vonFabian Böker
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Im Jahr 2022 sollen beide Zugänge zum Naherholungsgebiet unpassierbar sein. Dagegen regt sich Widerstand.

Noch sind es zwei Jahre hin, bis 2022 die Bahngleise ins Niddatal aufgrund des Ausbaus der Main-Weser-Strecke nicht mehr zu queren sind. Doch schon jetzt ist manchen Berkersheimern bange. Für die Deutsche Bahn scheint es keine Alternative zu geben, Menschen wie Lothar Bastian sind in großer Sorge.

Bastian ist Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Niddertal. Dessen Reithalle liegt direkt an der Bahntrasse. Die Unterführung am Ende der Straße Im Wiesengarten, die viele Reiter bisher immer genutzt haben, ist derzeit gesperrt. Der Tunnel ist unpassierbar, weil zwischen Gleisen und Reithalle ein Damm aus Erde aufgeschüttet wurde. Dort sollen Ersatzgleise entstehen, über die Züge geleitet werden, während die Brücke der Unterführung saniert wird. Für den Reitverein bedeutet das momentan: Der direkte Zugang zur Reithalle ist nicht möglich.

Die Reiter müssen als Ersatz den Übergang am Bahnhof Berkersheim nehmen. Doch in zwei Jahren wird selbst das nicht mehr möglich sein. Denn nachdem – so der aktuelle Zeitplan der Bahn, von dem sie auch nicht abrückt – die Unterführung im Mai 2021 wieder geöffnet wird, wird sie 2022 erneut gesperrt. Und da ab August 2021 auch der Übergang am Bahnhof dicht sein soll, wäre dann nicht nur die Reithalle von Berkersheim abgeschnitten, sondern das gesamte Niddatal. Dieses Naherholungsgebiet, das nicht nur Menschen aus Berkersheim nutzen, wäre dann nur noch schwer zu erreichen. Für Autofahrer spielt das keine große Rolle, die dürfen – sofern sie keine Anlieger sind – schon heute nicht den Übergang am Bahnhof nutzen. Landwirte aber zum Beispiel hätten keine Chance mehr. Die Bahn hat dafür auch keine Lösung. Für Fußgänger soll eine neue Brücke am Bahnhof erstehen, die die bisherige ersetzt.

Im Gespräch über Reiter

Und die Reiter mit ihren Pferden? Dazu sei man mit der Bahn im Gespräch, sagt Lothar Bastian. Eine Idee wäre eine Treppe, über die die Tiere gehen können. Wirklich überzeugt ist er davon aber nicht, das sei „zu hoch und zu unsicher“. Und vor allem „zu teuer“. Bastian wäre es viel lieber, „wenn die Bahn die zwei Jahre nutzt, um die Pläne zu ändern“. Seiner Meinung nach müsse es möglich sein, entweder die eine Sperrung vorzuziehen oder die andere zu schieben.

Klappt das nicht, sieht er konkrete Probleme auf seinen Verein mit rund 150 Mitgliedern zukommen. „Wenn es ganz schlecht läuft, geht der Verein zugrunde.“

Seine Sorgen teilen auch andere Berkersheimer Vereine. In einem offenen Brief, den neben dem Reit- und Fahrverein auch der Bürgerverein, der Kerbeverein, der TSV Berkersheim, die Freiwillige Feuerwehr und die Betreiber der Gaststätte Zum Lemp unterzeichnet haben, heißt es: „Berkersheim und das Niddatal gehören untrennbar zusammen. Die Niddaaue ist für die Menschen in Berkersheim seit jeher Existenzgrundlage, Erholungs- und Rückzugsort und kultureller Treffpunkt zugleich. Hier bestellen die Landwirte ihre Äcker und Wiesen, hier reiten und wandern Erholungssuchende und sportlich Aktive, hier trifft sich auch seit Jahrzehnten Jung und Alt zur Berkersheimer Kerb.“

Dieser Brief wurde am Dienstag auch dem Ortsbeirat 10 überreicht. Das Gremium steht geschlossen dahinter.

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