Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese an der Barbarossastraße. Dort können bald Häuser entstehen.  
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Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese an der Barbarossastraße. Dort können bald Häuser entstehen.  

Bergen-Enkheim

Bergen-Enkheim: „Wir haben große Pläne für den Platz“

  • Sophie Vorgrimler
    vonSophie Vorgrimler
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Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU) ärgert sich über die Verzögerung an der Schelmenburg. Verkehrsthemen werden immer wichtiger.

Renate Müller-Friese (CDU) ist seit 2011 Ortsvorsteherin von Bergen-Enkheim. Bis dahin war die Mutter von zwei Söhnen fünf Jahre Kinderbeauftragte des Stadtteils. Die gebürtige Berlinerin ist studierte Wirtschaftswissenschaftlerin. Nach Erfahrung in Öffentlichkeitsarbeit und Marketing leitet sie ein Kommunikationsunternehmen und doziert an Universitäten.

Frau Müller-Friese, in Bergen-Enkheim wurde das Landschaftsschutzgebiet „Flora-Fauna-Habitat“ ausgewiesen. Es geht zu Lasten vieler Gartenbesitzer, die ihre Gärten dort gegen ihren Willen zurückbauen mussten. War das FFH-Gebiet 2019 das emotionalste Thema im Ortsbeirat?
Das waren ja nicht nur Gärten, das war für viele Familien ein Ort, an dem sie viel Zeit verbracht haben. Betroffen war auch eine Dame im Rollstuhl, die diese Lebensqualität nicht überall haben kann. Wir als Ortsbeirat haben alles versucht, das abzuwenden. Weil das aber auf EU-Recht basiert, hat das nicht funktioniert. Für unsere Forderung, nahegelegene Ausgleichsflächen zu finden, gab es ebenfalls eine Absage.

Sind die letzten Worte also gesprochen oder hat der Ortsbeirat noch etwas in der Hand?
Für die Betroffenen ist der einzige Weg der bleibt, die Klage, den viele auch gehen. Das ist eine EU-Entscheidung, wir können nichts mehr machen. Das ist eine Angelegenheit, in der nicht einmal die Stadt das letzte Wort hat.

Für das Baugebiet an der Leuchte wurde im vergangenen Sommer ein Entwässerungskonzept vorgestellt, wodurch nun endlich Bewegung in die Sache kommt. Was steht hier 2020 an?
Da bin ich sehr glücklich darüber. Das Umlageverfahren ist beendet, Interessierte können jetzt mit dem Liegenschaftsamt über Grundstücke sprechen. Für die Entwässerung wurde uns ein Zeitplan vorgelegt, der besagt: Ende des Jahres kann es los gehen.

Weiter ist man auf der nördlichen Seite der Barbarossastraße.
Dort kann schon gebaut werden, das ist erfreulich. Einige sind mit Architekten im Gespräch. Man kann sehen, dass etwas passiert.

Auch die Sanierung des Alten Rathauses, Wahrzeichen des Stadtteils, das seit mehreren Jahren als einsturzgefährdet gilt, nimmt Gestalt an...
Viele Leute fragen sich, warum das so lange dauert und was der verschlafene Ortsbeirat da überhaupt getan hat. Das hat man besonders auf Social Media-Seiten gemerkt. Aber über die Jahre sind immer wieder neue Mängel an den Materialien zu Tage gekommen. An der Sanierung sind vier Ämter beteiligt. Es wurden viele Ideen gesammelt und Pläne gemacht. Im Frühjahr geht es endlich an die Umsetzungsphase. Dass das Heimatmuseum bis zur Fertigstellung auf der anderen Straßenseite einen Teil seiner Sammlung wieder zeigt, finde ich sehr positiv.

Bergen-Enkheim wurde 1977 als östlichster Stadtteil von Frankfurt am Main eingemeindet. 18 074 Menschen wohnen dort (Stand 2018). Seit den Siebziger Jahren gibt es den bundesweit bedeutsamen den Literaturpreis „Stadtschreiber von Bergen“. 


Der Ortsbeirat 16 hat 19 Mitglieder, je fünf gehören der CDU und der Wählergruppe „Wir Bergen-Enkheimer“ an. Die SPD hält vier Sitze. Zwei Mitglieder entsenden die Grünen. Einen die BFF, die FDP und die Linke.

Die nächste Sitzung ist am Dienstag, 21. Januar, 19.30 Uhr, in der Nikolauskapelle, Marktstraße 56. svo

Das Sorgenkind heißt nun nicht mehr Altes Rathaus, sondern Enkheimer Wald.
Die Witterungsverhältnisse – ein trockenes Jahr auf einen feuchten Sommer – haben den Wurzeln zu schaffen gemacht und die Bäume wurden vom Borkenkäfer befallen. Aus der Not heraus müssen viele Bäume gefällt werden. Das ist traurig, aber da hilft leider nichts anderes, als radikal abzuholzen. Das ist im Gange, wie man an vielen Stellen sieht.

Einen weiteren Rückschlag gab es 2019 beim Bauprojekt Schelmenburgplatz. Kurz vor Jahresende hat sich herausgestellt, das sich die Sanierung weiter nach hinten verschieben wird. Wie geht der Ortsbeirat mit dieser Nachricht um?
Hier müssen wir uns besonders dahinter klemmen. Gleich in der zweiten Januarwoche wird es ein Krisengespräch mit allen Fraktionen und dem Planungsamt geben. Ich verstehe nicht, warum sich das jetzt verzögert; der Ortsbeirat war Teil einer guten Planungsgruppe. Wir hätten wirklich gern angefangen. Wir haben große Pläne für den Platz.

Was bedeutet die Verzögerung für den Stadtteil?
Das kommende Altstadtfest wurde sowieso abgesagt, weil gleichzeitig in Bad Vilbel Hessentag ist. 2020 wäre für die Sanierung genial gewesen. So betrifft die Verzögerung das Altstadtfest 2022. Außerdem möchte ich auf dem neuen Schelmenburgplatz ein Café und einen Markt etablieren. Für beides habe ich Interessenten, die ich jetzt um zwei Jahre vertrösten muss. Weil auf das nächste Schelmenspiel Rücksicht genommen wird, soll erst ab September 2021 saniert werden.

Auch viel hin und her gab es im vergangen Jahr um die Sanierung der Schule am Hang. Während die Stadt die Grundschule bei laufendem Betrieb umbauen will, sind viele Eltern davon nicht begeistert und wünschen sich eine Auslagerung. Was bevorzugt der Ortsbeirat?
Wir als Ortsbeirat sind geschlossen dafür, dass mit der Renovierung jetzt angefangen wird. Ich verstehe aber auch Schule und Eltern, die sich Sorgen um die Lernatmosphäre ihrer Kinder machen. Wir waren immer dafür, die Schule mit dem Spielplatz an der Röhrborngasse zu entlasten. Für die Pausen und mit Containern, in die stark betroffene Klassen zeitweise ziehen können. Von der Stadt kam bisher eine Ablehnung dieser Idee. Das ist aber die Lösung, die wir hier nach wie vor gerne hätten. Was wir aber nicht wollen ist, dass aufgrund neuer Aktionen komplett neu geplant und erst in Jahren begonnen wird. Die Schule hat die Sanierung dringend nötig.

Auch das Riedbad ist eine Institution im Stadtteil, die umgestaltet werden soll. Gibt es hier eigentlich Neuigkeiten?
Die Reparaturen sind abgeschlossen, aber das Konzept soll sich verändern. Eine Arbeitsgruppe im Stadtteil ist dafür im Austausch mit den Bäderbetrieben, die unsere Wünsche vorbildlich in die Planung miteinbeziehen. Die Bahnen für Schwimmer sollen erhalten bleiben. Insgesamt wollen wir hin zum Natur- und Erlebnisbad. Vielleicht mit einem Wasserfall. Es soll mehr Spielmöglichkeiten für Kinder geben, eventuell mehr Außengastronomie.

Wie steht es um die Spielplätze im Stadtteil? Auch sie sollen aufgewertet werden.
Genau, dafür gibt es Gespräche mit der Kinderbeauftragten und dem Grünflächenamt. Unsere Idee ist, Kinder und Eltern einzubeziehen und die Spielplätze gemeinsam zu gestalten. Zum Beispiel, dass sie ihn selbst bemalen dürfen. Der Spielplatz an der Leuchte ist in besonders schlechtem Zustand, deshalb wollen wir dort im Frühling anfangen.

Auch an anderen Plätzen wird der Stadtteil bunter. Wo geht es weiter mit dem Projekt„Bespiel- und besitzbare Stadt“?
Ich bin froh, dass das Projekt von Kindern wie Erwachsenen so gut angenommen wird. Auf den neuen bunten Elementen am Dreieck zwischen Triebstraße und dem Neuen Weg sitzen fast immer Leute. Weiter geht es am Fritz-Schubert-Ring und dem Milseburg-Spielplatz. Wir wollen nicht den ganzen Stadtteil zupflastern, aber suchen immer noch weitere Orte und Sponsoren für unser Langzeitprojekt.

Was wird den Ortsbeirat in Zukunft mehr beschäftigen?
Das Verkehrsthema wird in Bergen-Enkheim immer größer. Wie in allen großen Städten wird auch hier extrem nachverdichtet. An Stellen, an denen früher ein Einfamilienhaus stand, werden neue Häuser gebaut, die sechs oder acht Wohneinheiten haben. Die Parkplätze werden immer knapper. Bei Zählungen der Stadt kommt heraus, dass es genug Stellplätze gibt. So ist es auch, man findet immer einen Parkplatz, die Frage ist nur wo. 500 Meter zu laufen, damit haben viele ein Problem. Das Thema wird den Stadtteil beschäftigen, eine Lösung gibt es bisher nicht.

Interview: Sophie Vorgrimler

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